Geburtsrecht 1

Es gibt die alte Frage: Leiden die, in Gefangenschaft geborene Tiere an der Käfig-/ Terrarium-/ Aquarium- Haltung?
‚Nein, natürlich nicht, denn die kennen ja die Freiheit nicht’ sagen die meisten.
Die mittlerweile völlig klare, richtige Antwort aber lautet: ‚Natürlich spüren sie den unartgerechten Lebensraum. Denn sie haben die Weite des Landes, die Höhen der zu erkletternden Bäume, die Tiefen der zu erbuddelnden Löcher, etc. in den Ausgestaltungen, Proportionen und Dimensionen Ihrer Körper gespeichert’.
Ihr artgerechtes Umfeld wäre ihr legitimes Geburtsrecht!

Ebenso hätten wir Menschen ein Geburtsrecht auf die Befriedigung unserer Ur- oder Art- Bedürfnisse, die wir aber – meist lebenslang – nicht befriedigt bekommen.

Prinzipiell geht es um 2 Geburtsrechte. Das eine kann sich jeder selbst realisieren indem er weitestgehend ‚artgerecht’ lebt. – Das werden wir in diesem blog noch ausführlich besprechen.
Das hier jetzt ‚Geburtsrecht 1’ genannte Recht bräuchte zu seiner Durchsetzung politisches Engagement und gesellschaftliche und gesetzliche Änderungen.
Es geht um das rechnerische Stück Erdoberfläche das jedem Neugeborenen zustünde ihm aber vorenthalten wird.
Mit dem Hektar Boden, der jedem von uns zustünde, könnte jedermensch locker all seine Grundbedürfnisse befriedigen ohne in die wirtschaftliche Tretmühle steigen zu müssen, um, wie wir ja allerorten sehen, da kaum je mehr wieder rauszukommen.
Der russische Autor Wladimir Megre propagiert in seinen Anastasia- Büchern das System der Familienlandsitze, in dem jedem volljährigen Bürger die Nutzung eines Grundstückes mit einer Fläche von 1 bis 1,3 ha auf Lebensdauer gewährt wird, mit erblichem Übertragungsrecht, ohne Besteuerung von Land und Ernte. Angeblich haben in Russland schon einige Gruppen dem Staat solche Flächen abgeluchst.
Auch ich möchte Menschen die sich gerne für gesellschaftliche Änderungen und mehr Gerechtigkeit einbringen, aufrufen, diese Linie zu verfolgen ….
Ein ähnliches System gab es in den 1930er- Jahren in einigen Gegenden Österreichs. Die Leute bekamen Gratisgrundstücke mit der Auflage einen Gemüsegarten anzulegen, einen Nussbaum zu pflanzen, beim Hausbau mitzuarbeiten und eine Ziege zu halten. Ich hab ein solches Haus gekauft, esse heute noch die Gratis- Nüsse von dem Baum und habe mitansehen müssen, wie der Vorbesitzer elendiglich zugrunde gegangen ist in einem unerträglich öden Altenheim. Hätte er seine Ziegen noch gehabt und seinen Garten, wäre ihm ein wunderbarer Lebensabend beschieden gewesen …

4 Responses to Geburtsrecht 1

  1. Das, was sie beschreiben, nennt man Substistenzwirtschaft. Versuchen Sie einmal, auf welches Lebensniveau Sie mit einem Hektar Land kommen, den sie selbst bewirtschaften. Das gab es alles einmal und gibt es heute noch in vielen Ländern, und was die Menschen daraus befreit und auf ein höheres Wohlstandsniveau gebracht hat, nennt man Arbeitsteilung. Wer könnte Ihnen auch verwehren, Ihren Hektar an den Nachbarn zu verkaufen, der dann zwei Hektar besser bewirtschaften kann, während Sie als Schuster arbeiten?

    • payoli sagt:

      Lieber Max,
      Ich bin
      a) u.a. Permakulturdesigner und weiß, dass man bereits mit weit weniger als einem ha – qualitätsmäßig – auf ein weit höheres Niveau kommen kann, als die arbeitsteilige Wirtschaft anbietet.
      Es ist nämlich nicht so dass andere es immer nur besser können, sondern, dass sie oft bloß schlitzohriger sind 😉

      b) Der weit überwiegende Teil unseres ‚Lebensniveaus’ kommt aus Ausbeutungen und nicht Rationalisierungen.

      c) Ich kam lange genug in den ‚Genuss’ arbeitsteiliger Arbeit. Das ist der Anfang vom Ende dessen, weswegen wir hier sind, dessen, was Erfüllung schenkt: umfassend, vielfältig und sinnvoll schöpferisch zu sein.

      d) Ich bin kein Fortschrittsgegner, aber ich bin überzeugt davon, dass wir uns unsägliches, von weltfremd akademischen Schreibtischtätern ausgelöstes Leid ersparen würden, wenn jeder seine Grundversorgung selber besorgen würde und nur die Überschusskräfte – ähnlich wie bei Vereinen – in die community einbrächte.

  2. Ich finde Permakultur überzeugend und was Holzer leistet, sowieso. Wenn man es aber der Freiwilligkeit überlässt, wer was tun möchte, ist ein „Geburtsrecht“ auf 1 Hektar hinfällig, weil jeder jederzeit seinen Grund verkaufen kann, um etwas anderes zu tun. Und man kann dann nicht ausschließen, dass sich die Welt wieder so ergäbe, wie sie heute ist. Um einen Hektar bewirtschaften zu wollen, braucht man kein Geburtsrecht darauf, man kann sich 1 Hektar heute einfach kaufen. Nicht besonders teuer, außerhalb von Deutschland sowieso. Kauf und Verkauf ist das Werkzeug, damit jeder nur das hat, was ihm am wichtigsten ist.

    • payoli sagt:

      Ich stimme Dir vollkommen zu.
      Bloß mit der kleinen Ergänzung: Da wir nun wissen, wohin diese ehemaligen Freiheiten führten,

        – nämlich in die heutige totale Unfreiheit, in der unzählige Leute nicht nur ‚Deinen’ Hektar NICHT ‚jederzeit’ und auch nicht irgendwann kaufen können, sondern sogar schlicht und einfach verhungern –

      müssen wir’s diesmal wohl ein kleines Bisschen unfreier gestalten, oder? 😉
      Du kannst ja auch Deine Kinder, Deinen Pass, Deinen Himmelsanteil nicht verkaufen. Warum sollte dann das Grundverkaufsrecht so unumstößlich sein? Ist doch eine feine Sache so eine geschenkte Lebensversicherung!
      Wenn jetzt schon endlich mal Raucher- Freiheiten eingeschränkt werden, wenn vielleicht sogar die uneingeschränkte Liberalität der Banker ein Ende haben könnte, wäre doch auch ein weiterer Regulierungsschritt nicht so abwegig.
      – Zudem, kauf Dir mal ohne landwirtschaftlichen Abschluss 1 ha!

      ‚Nur(!) das haben, was jedem am wichtigsten ist’ ist sehr vereindimmensionalisierend. Das Leben will, dass wir die ganze Fülle erleben und die ganze Bandbreite abdecken und nicht uns spezialisieren und damit verarmen. Kenn’sd ja den Spruch: Wir wissen von immer weniger immer mehr, bis wir von gar nichts mehr alles wissen 😉

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