Weil’s geil ist

In den wenigen Tagen die ich hier herumblogge, hat sich als Hauptfrage an meinem ‚paradise your life‘- Konzept herauskristallisiert: ‚Und wo bleibt der Genuss?’, ‚Gesundheit gut und schön, aber es muss doch auch schmecken’ u. Ä.
Ich versteh‘ diese Leute gut! Das sind Uralt- Programme in uns, die uns immer glücklich und zufrieden sein lassen wollen.
Allerdings ist zielgerichtetes Denken, also etwas zu tun UM etwas bestimmtes zu erreichen eine Schwester der Intelligenz bzw. in extremer Ausformung ein Zivilisations- Kind und hat schon unendliches Unheil und Leid angerichtet.
Interessant ist, dass wir uns gerade darauf soviel einbilden!
Denn, sieht man sich die ‚dumme’ Natur an, die ja weder in unserem Sinne denkt und schon gar nicht zielgerichtet arbeitet, stellt man verblüfft fest, dass damit weit bessere Ergebnisse erzielt werden als mit unseren planenden Kopfgeburten.
Dieses evolutionäre Naturprinzip kommt allein damit aus, dass jedes Einzelwesen sich einfach immer für die angenehmste Möglichkeit entscheidet.
Jahrmillionen lang lebten auch wir nach diesem Prinzip.
Was uns gut tat, war auch tatsächlich gut für uns. Also reines Lustprinzip!
Und so gab es auch immer nur ein Richtig und ein Falsch (hier die genauere und grafische Darstellung).
Die alten Mechanismen, dass es uns zu Dingen hinzieht die uns gut tun, wirken heute noch in uns. Bloß, heute wird dieser Instinkt nach Strich und Faden betrogen.
In keinem Essen, keinem Parfüm, keiner Geste, keiner Mine ist das drinnen, was es verspricht. Unsere Speisen werden durch Gewürze und Aromastoffe verfälscht, Düfte kommen aus dem Labor, und (schau)gespielte Handlungen sieht der Durchschnittsmensch schon häufiger als echte.

Und nun nochmal zum eingangs erwähnten rohköstlichen Genuss!

    a) Wir können uns auf unseren (‚alten‘) Geschmacks- und Geruchsinn nur bei unverfälschten Naturprodukten verlassen!

    b) Unsere derzeitigen Vorlieben wurden primär durch unsere Sozialisation geschaffen, d.h. die überwiegende Mehrheit bleibt lebenslang unkritisch beim altgewohnten Mama- Happahappa hängen.

    c) Dass Zivilisationskost krank macht, ist belegt.

    d) Deshalb müssten wir mit Verstand und Willen unsere Ernährungs-/ Lebensart ändern

    e) und uns an Naturrichtiges (wieder)gewöhnen, – was problemlos möglich ist.

    f) Danach lässt es sich auch mit den heutigen Möglichkeiten, Nahrungsangeboten und Rezepten ausgesprochen genussvoll, herrlich einfach, energie- und arbeitssparend und ökologisch leben.
    – Sozusagen paradiesisch!

    Aber nicht zielgerichtet,
    nicht um etwas zu erreichen,
    nicht um gesund zu sein,
    nicht um ein ökologischer Gutmensch zu sein,
    sondern
    einfach nur,
    weil’s so geil ist!
        🙂

     

8 Responses to Weil’s geil ist

  1. moglee sagt:

    Moin Wilhelm,
    was bittschön verstehst Du unter einem ökologischen Gutmenschen?
    Und warum sollte man sich keine Ziele setzen, etwas zu erreichen das zu einem friedlicheren Umgang miteinander führt? Das mit dem gesund sein ist in diesem Fall weniger wichtig, das sehe ich auch so.

    • payoli sagt:

      Lieber moglee,
      ich versteh gar nix unter einem ‚ökologischen Gutmenschen’. Mir und ähnlich Lebenden wird das aber fallweise ‚umgehängt’. Ich lebe zwar tatsächlich nach der Buddhistischen Prämisse ‚Mögen alle Wesen glücklich sein’, bin also herzensmäßig wirklich ein Gutmensch, aber etwas enttäuscht über diese eher negative Auslegung.

      Jedermensch kann sich Ziele setzen! Ich hab bloß gemeint, dass man unzielgerichtet besser lebt und die Natur vorzeigt, dass man auch bessere Ergebnisse damit erzielt. Schon der alte Geheimrat hat im Menschen erkannt, die ‚Kraft die Gutes will und Böses schafft’ … 😉
      Und gerade unsere neuere Geschichte ist ja voll von hehren Zielen, die letztendlich desaströs endeten.

  2. moglee sagt:

    Ach so, Du hattest das selbstironisch gemeint gehabt. Ja, ja wir einfältigen Gutmenschen.

    Mit „Mögen alle Wesen glücklich sein“ werde ich auch immer wieder konfrontiert. Leider beschränken sich die glücklichen Wesen bei jenen Leuten, auf diejenigen, die ihnen am nächsten stehen: Frau, Mann, Kinder und vielleicht noch Oma, Opa, Hund, Katze, Wellensittich. Das „Naturprinzip“ das Du immer wieder ansprichst, ist meiner Meinung nach darauf ausgerichtet, dass die meisten Wesen keine Chance haben, glücklich zu sein. Die Macht des stärkeren ist angesagt und fressen und gefressen werden. Die Lebewesen sind bis auf wenige Ausnahmen leider dazu ausgelegt, sich gegenseitig das Leben schwer zu machen, warum sonst gäbe es Fleischfresser?

    Die hehren Ziele von denen die Du ansprichst, hatten alle Gewalt zur Folge, siehe christliche Kirchen. Das ist doch bei uns Veganern ganz klar nicht so, oder?

    • payoli sagt:

      Nein, nein, die Leute die Staudämme, AKWs und Autos erfanden und bauten hatten auch nur bestes im Sinn. Aber viele Träumereien entpuppen sich später dann eben als Albträume …

      Nichts gegen Dich, aber ich könnte oft ungehalten werden, wie lange sich dieses unsäglich dumme und grottenfalsche Bild der ‚Ach so grausamen Natur’ hält. Das stammt m.E. aus Entdeckerzeiten, die heimgekommen halt ordentlich Eindruck schinden wollten.
      Der heutigen Verhaltensforschung, Biologie und Zoologie und auch jedermensch, der sich mal die Freude macht, genau hinzugucken, präsentiert sich ein völlig anderes, harmonisches Natur- Bild mit genialen Nischennutzern, höchst achtsamen Kooperierern und wunderbar nachhaltigen Ressourcennutzern.
      Im Tierreich erwischen die Fleischfresser nur die Schwächsten und verkürzen ihnen das Leid. Bei uns erwischen die Mediziner schon bald alle und verlängern ihnen Ihre Krankheit … 😉
      Wenn die Natur so grausam wäre wie Du meinst, dürften sich nur riesige, gepanzerte ‚Kampfmaschinen’ durchgesetzt haben und nicht wunderbar filigrane Schmetterlinge, knuffig, süße Pandas und schillernde Kolibris.

  3. moglee sagt:

    Na Du bist aber von Deiner harmonischen Welt beseelt. 🙂 Die Schwachen und Kranken sind zwar immer zuerst an der Reihe, doch es erwischt genauso Gesunde. Ein Haussperling möchte genauso gerne leben wie der Sperlingskauz, der Maikäfer so gerne wie der Sperling, der ihn gerade in Einzelteile zerlegt und an seinen Nachwuchs verteilt. Es ist ein ständiges Gewaltszenario unter den Lebewesen dieser Erde, so sehen meine Augen das und die sind auch immer sehr aufmerksam beim beobachten der Umwelt.

    Nur eben nicht durch die rosa Brille.

    • payoli sagt:

      Jaaaaa, beseelt sein ist schöööön! 🙂
      Ein kluger Satz lautet: ‚Und selbst wenn sich am Ende rausstellt, dass es doch nicht so ist, hab ich das bessere Leben gehabt‘ 😉
      Wir kommen da tiefer in die Philosophie rein als mir lieb ist. Da müsste man jetzt nämlich hingucken welche Lebenssicht natürlich ist. Unsere nächstenliebe Sicht ist 2000 Jahre jung und die Angst vorm Tod ein unnatürliches Produkt unserer egozentrierten in Begrenzungen denkenden Zivilisation. Das Werden und Vergehen ist das Selbstverständlichste der Welt und absolut nix Schlimmes, nur unsere Angst davor!
      Und auch hier wieder: Wir erreichen mit unserer zielgerichteten, panischen Anklammerung ans Leben weniger, als die unzielgerichtete Natur. Wir sind nämlich weit kränker und kurzlebiger (relativ natürlich) als all die ‚Dummen’, die keinen Gedanken an Krankheit und Tod verschwenden.

  4. Theo sagt:

    Cooler Beitrag aber auch wenn ich deine Philosophie als sehr ansprechend empfinde versuche ich vorsichtig zu sein wenn solche Sachen aufkommen wie früher war alles besser(„payoli:Jahrmillionen lebten auch wir nach diesem Prinzip“). Leben ist stupide und vielfältig und je angepasster desto erfolgreicher. Und wäre nicht alles so wie es ist könnten wir nicht zusammen im Netz schreiben.
    Hab mir auch deine Grafik zu dem Thema richtig und falsch angesehen. Dazu fällt mir ein: Menschen haben gut und böse erschaffen weil die Vielfalt sie überfordert. Das leben bietet alles und nicht darum gibt es zwischen 0 und 1 eine unendliche menge von Möglichkeiten/werte(in meiner Welt 🙂 )

    • payoli sagt:

      Du hast vollkommen Recht, wir haben zwischen ‚stupide’ und ‚Fülle’ ein weites Feld. Auch ich hab fallweise gern Zivilisationsspielchen. ABER ‚wer weiß, dass wir spielen ist klug’ sagte schon A. Schnitzler.
      Ich will nicht sagen, dass ‚früher alles besser’ war sondern

      a) bloß vermitteln, dass wir eine absolut verlässliche, abgesicherte (das ist Evolutions- immanent) Basis haben, zu der wir jederzeit zurückkehren können: die Natur. Jeder kann nach Herzenslust spielen, sollte aber nicht glauben, dieses Spiel wäre alles. Sich wegen dem kaputten Traumauto das Leben zu nehmen ist genauso unnötig wie an Krebs und Chemo zu sterben. Beides ist vermeidbar, wenn man um seine Basis, wenn man um des Spieles weiß.

      b) Wir können von der Natur weit mehr lernen als wir gemeinhin meinen. Diese alten Bilder der dummen und grausamen Natur stimmen einfach nicht und wir verwehren uns viele Einsichten wenn wir weiterhin auf das ‚Fressen und Gefressenwerden‘ fokussieren.

      Zwischen 0 und 1 gibt es genau so viele Möglichkeiten, wie wir sehen (wollen). Jahrmillionen sahen wir nur 1 Richtig und 1 Falsch, jetzt sehen wir tausende Möglichkeiten, sind überfordert, können aber auch wieder zu den zweien zurück.

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