Mal ein Gedichtchen

24. April 2010

Paradies- Flucht

So ein Mensch, der guckt sich um,
sieht andre Menschen rundherum.
Ach, wie sind wir doch alle eins,
Problem seh’ ich da weiters kein’s.
Wir alle sind so wunderbar,
genau besehen, fast genial sogar!
Nicht umsonst sind wir der Schöpfung Krone,
unsre ganze Entwicklung war nicht ohne.
Als kleine Amöbe ging es los,
im Lauf der Jahrmillionen wurden wir groß.
Was früher noch höchst einfach war,
ist jetzt high- tech und ganz wunderbar!
Was einst uns hat mit andren verbunden
lässt uns jetzt, allein die Welt umrunden.
Was unsre Ahnen in der Natur noch fanden
kam durch die Zivilisation abhanden.
Nun liefern Handel und Fabrik
was früher war unsrer Ernte Glück.
Die Maus noch, die dumme kleine
schafft locker und alleine,
womit der Mensch die Kinder schlaucht,
und Schulen, Lehrer, Psychologen braucht.
Was wir uns mühevoll erarbeiten, errennen,
die Freizeit, die wir Urlaub nennen,
haben Has und Igel, Reh und Aar,
ganz von allein das ganze Jahr.
Kein kleines Schwein, kein Fasan
hatte Mumps je oder gar Masern.
Menschenkinder aber, oh wie wunderbar
‚brauchen‘ Kinderkrankheiten sogar!
Auch Arthrosen und Krebs für die Alten,
bleiben allein den Menschen vorbehalten.
Kein Tier hat all die Probleme,
die uns schafft die Mediziner- Akademe.
Des Menschen Schwachsinnsliste ist gar lang,
doch keinem wird’s dabei wirklich bang’.
Der ‚kluge’ Mensch hält für normal,
was für’s ‚dumme’ Tier wär’ schlimmste Qual.
So rackern wir mit Hirn und Hand
für ein unerreichbares Schlaraffenland,
um weiterhin vom Plan nichts zu versteh’n
und unser herrliches Paradies zu übersehn.
Doch, selbst wenn unser Leben ganz entartet,
eins ist sicher, das Paradies ist da und wartet …