Bekennender Müßiggänger

1. Mai 2010

Zum heutigen ‚Tag der Arbeit‘ ein, mir ganz besonders wichtiges Lob des Müßiggangs:

Müßiggang ist geil!
– Und nicht aller Laster Anfang.
Der Laster Anfang sind doch die Stoßstangen 😉

Fellini hat ‚Die Müßig- Gänger’ gedreht, Russel schrieb das ‚Lob des Müßiggangs’, Hesse „Die Kunst des Müßiggangs“.
Vor dem Losbrechen unseres Industrialisierungs- Wahnsinns war Müßiggang noch eine hochgeschätzte Tugend und veritabler Zeitvertreib.
Kierkegaard schwärmte noch: ‚An sich ist Müßiggang durchaus nicht eine Wurzel allen Übels, sondern ist, im Gegenteil, ein geradezu göttliches Leben, solange man sich nicht langweilt.’
Den Römern war (Erwerbs-)Arbeit sogar noch so fremd, dass sie das Wort dafür (negotium) aus der Verneinung der Muße (otium) bilden mussten.
Bei uns dagegen ist heute einer der nicht arbeitet ‚arbeitslos’! 😉
Dabei hat Müßiggang nichts mit Nichttun zu tun, sondern ist unser ureigenster Lebenszustand.
Ich hatte jahrelang ein schlechtes Gewissen, nicht so fleißig wie meine Eltern zu sein. Erst meine Befassung mit den Primaten, zeigte mir, dass das Leben unserer vorprimatischen Ururur- Ahnen noch immer als Urbedürfnis in uns steckt.
Da die Menschenaffen uns dieses alte Verhalten bis heute konserviert haben, können wir gut sehen, dass der Müßiggang, nichts verwerfliches, sondern unser Geburtsrecht ist.
In solch einem Leben ist einfach zu tun, was zu tun ist und Spaß macht, aber es muss absolut nichts!
– Und dennoch läuft es wie geschmiert!
Hufeland hat es ganz wunderbar ausgedrückt:

    Muße? Das ist das Gegenteil von Nichtstun. Es ist gesteigerte Empfänglichkeit, ein Tun, das nicht aus dem Zwang der Not kommt, nicht aus der Gier nach Gewinn, nicht aus dem Gebot oder der Pflicht, sondern allein aus der Liebe und der Freiheit. Es ist die anspruchsvollste aller Beschäftigungen, weil sie aus dem Kern unseres Wesens hervorgeht und aus der Freude am Schaffen selbst getan wird. Es ist vor allem die unverwelkliche Fähigkeit zum Staunen und zum Ergriffensein.
    [1000x unterschreib]

Und Albert Schweitzer erkannt schon damals was sich bis heute exzessiv verschärft hat:
‚Der moderne Mensch wird in einem Tätigkeitstaumel gehalten, damit er nicht zum Nachdenken über den Sinn seines Lebens und der Welt kommt.‘

    Also raus aus dem ‚Tätigkeitstaumel’!
    Genießen wir die Fülle des Seins,
    genießen wir unsere Aktivitäten,
    genießen wir den Müßiggang und
    halten wir beides im Gleichgewicht

Oder kurz gesagt
paradis your life ! 😉