Die ‘Residenz’

(Reisebericht Äthiopien)

Von der Wohnhausanlage, in der ich derzeit lebe würde man nach dieser Außenfront mit imposantem Tor nicht annehmen, dass sie 18 Wohnungen beherbergt, wobei jede Wohnung bloß ein Raum mit Metall- Tür und Fenster ist.
Gänzlich verblüfft war ich, als ich gestern Abend an der ‘Wohnung’ eines nach Businessman aussehenden Schwarzen vorbeiging und durchs Fenster sah, dass der in einem völlig leeren Raum mit einem Nagel an der Wand, an dem sein Anzug hing, am blanken Betonboten saß und in seinen Laptop starrte.
Allen Mietern stehen zwei Wasser- Entnahmestellen, zwei Toiletten und zwei Duschkabinen zur Verfügung.
Duschen ist morgens nur mit Eiskalt- Wasser möglich! Aber das hab ich vermutlich gebraucht, denn zu Hause schaff ich es nur sehr selten zum Duschfinale die Mischarmatur auf kalt zu drehen, obwohl ich weiß, dass unserer Haut in der Zivilisation einiges an Reizen fehlt.
Tagsüber kann man angeblich ca. 6 warme Liter genießen, da die Wasserzuleitung am Dach verläuft.
Obwohl fließendes Wasser vorhanden ist, beobachte ich immer wieder, wie Äthiopier mit einem Liter Wasser aus einem Krug ihre Morgentoilette verrichten.
Dass die Toiletten, obwohl sie direkt an die Duschen angrenzen keinen Wasseranschluss haben und dementsprechend ’duften’ und Ablagerungen haben, gehört für mich zu den absolut unverständlichen Afrika- Mysterien.
Zudem sind die Bodenneigungen so, dass es auch nicht reicht einen Kübel Wasser reinzuschütten, da sich diese dann punktgenau in der hinteren Ecke sammelt und stehenbleibt.
Das konnte ich leider nicht ändern, aber eine ganz grandiose Neuerung ‚musste‘ ich in der völlig Regal- und Haken- losen Duschkabine einführen, für die es schon eines Europäers bedurfte. Hier das Wunderwerk: 😉

 

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5 Responses to Die ‘Residenz’

  1. Inge Henneberg sagt:

    Was Du beschreibst bestätigt – Äthiopien ist eines der ärmsten Länder der Welt, was bei uns in den Industrieländern zuviel und im Übermaß – ist dort zu wenig vorhanden.
    Demensprechend liegt auch das durchschnittliche Lebensalter nur bei 55 Jahren.

  2. papamojo sagt:

    Lieber Willi, das könnten auch Bilder aus Indonesien sein! Vor einigen Jahren war ich in Lombok (Nachbarinsel zu Bali). Die einfacheren Unterkünfte sehen dort ähnlich aus. Dort gibt’s auch kein Toilettenpapier. Entweder man hat welches dabei oder man benutzt halt eben die unreine (linke) Hand:-))
    Sicher sind unsere europäischen Hygienevorstellungen zu hoch angesetzt:-)

  3. moka sagt:

    hey leute! applaus für unseren willi, dank ihm zieht der fortschritt in afrika ein.
    nein spaß beiseite, man kann sich nur wundern, einerseits wird mit einfachen mitteln viel geschafft andererseits fehlt es offensichtlich an logig!
    aber wahrscheinlich denken wir einfach grundsätzlich anders! lg nach afrika

  4. payoli sagt:

    Ich muss mich entschuldigen, dass ich dzt. so lasch die vielen mails und Kommentare beantworte. Aber das Internet hier in Äthiopien ist so instabil, dass ich nur alle paar Tage mal kurz etwas machen kann und dann froh bin zumindest die blog- Beiträge für einige Tage im Voraus hochladen zu können.
    Aber ich freu mich über jede Reaktion und schicke liebe Grüße an alle ‚daheim‘!

  5. ghore sagt:

    Ja, diese Toiletten …

    Ich sag mal so,
    Im Stehen scheixxx, hat eine besondere Qualität des Loslassens. 🙂

    Wir haben alles, was sie nicht haben und noch mehr.
    Und doch scheinen wir etwas verloren zu haben.
    Oder ist es noch da?
    Unter all dem Wissen, dem Funkeln und Glitzern unserer bunten Welt, den vielen Regeln, der Sicherheit und dem nie endenden Schrei danach?
    Wie der Blechmann im Zauberer von Oz
    Ist´s leeres Blech, ein hohler Scherz
    Wo ist den nur mein Herz …

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