Trauuuumhaft!

(Reisebericht Äthiopien)

Heute ‘durfte’ ich erstmals alleine weggehen. Allerdings mit genauer Routen- Vorschrift, da es angeblich so abgelegene Gassen gibt, in denen Weiße, die ja von den Äthiopiern alle für Millionäre gehalten werden, überfallen werden.
Die Hauptstraße, die ich ging war DAS Erlebnis schlechthin. Die Kinder fahren sowieso völlig auf Weiße ab, aber auch kaum ein Erwachsener schafft es nicht zu lachen oder die Augen aus dem Kopf fallen zu lassen.
Viele sprachen mich auch an, waren sehr nett und herzlich. Dann aber wieder sieht man Dinge die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Da werfen Kinder mit Steinen nach festgebundenen Pferden, treten Passanten just for fun nach Hunden und Ziegen oder dreschen Kutschenfahrer wie verrückt auf ihre Pferdeskelette ein.
Man trifft aber auch alte Leute die einem die Hand nehmen und an ihr Herz drücken oder Kinder die einen ganz verstohlen anstupsen oder die Hand geben wollen.
Die ‚Money, money’- rufenden Kinder und Bettler gibt es natürlich auch.
Aber im Großen und Ganzen komm ich aus dem Staunen nicht heraus WIE kontrolliert und konditioniert wir gegen diese noch sehr offenen und rührend kindlichen Menschen sind.
Ich seh auch ihr häufiges ‚Haben-wollen’, ihre ‚Weißen- Preisaufschläge’ oder Klau- Versuche nicht als bös gemeint. Sie sind einfach ‚reine Kinder’ die eben haben wollen, was ein anderer vermeintlich ohnehin im Überfluss hat.
Mir kann man auch kaum etwas klauen da ich weder mit Kamera, noch mit Handy oder sonstigem West- Kram aufgewertet bin.
Ich muss mich nur bei meinen blog- Besuchern für die schlechte Qualität der Fotos entschuldigen; das ist eben Äthiopien- level 😉

 

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10 Antworten zu Trauuuumhaft!

  1. Inge Henneberg sagt:

    Einerseits sehr interessant Deine Reise-Beschreibungen, aber teilweise auch erschreckend, wie es in solchen „armen“ Ländern zugeht.
    Du bezeichnest diese Menschen, welche wehrlose angebundene Tiere mit Steinen traktieren oder sonstwie quälen als rührend bzw. offene kindliche Menschen?

    Ich nenne das „Verrohung“ und wäre ich Zeuge einer solchen Mißhandlung – ich würde eingreifen.

    Das „Klauen“ kann man den Kindern selbst nicht anlasten, wahrscheinlich wurden sie bereits von den Eltern dazu angehalten, verursacht durch eine Armut, die wir uns hier in unserem Lande bei all dem Überfluß garnicht mehr vorstellen können.

  2. moka sagt:

    aus deinen zeilen liest man wieviel liebe und verständnis du hast. manch anderer wäre zornig, böse oder abweisend. wenn die menschen wüssten welche probleme wir mit unserem „wohlstand“ haben, würden sie uns wohl weniger beneiden! lg

  3. Inge Henneberg sagt:

    Ttrotz aller evtl. Probleme hier bei uns, möchtest Du „moka“ in einer solchen Armut leben? In einem Land wo sogar schon die Kinder zum Stehlen erzogen werden?
    Ein durchschnittliches Lebensalter von gerademal 55 Jahren erreichen und das auch noch in Krankheit erleben?

    Bin ganz sicher nicht mit allem einverstanden – aber wir haben ein Sozialsystem, welches diese furchtbaren Armutszustände und deren Folgen verhindert.

    Und vonwegen „Probleme mit unserem Wohlstand“, wir haben eine Wahl – die Menschen in jenen Armutsländern haben keine.

    • payoli sagt:

      Entschuldige liebe Inge, dass ich mich einmische, aber ich hab grade die Möglichkeit und das Thema interessiert mich sehr.
      Ich denke, wir sind nicht schlichte ‚Abstimmungs- Wesen‘ die sich bloß zwischen zwei Alternativen entscheiden können, sondern schöpferische Wesen, die sich ihr Leben selber gestalten und sich Anregungen aus anderen Kulturen holen, können.
      Liebe Grüße!

  4. papamojo sagt:

    Da kriege ich fast Rührungs-Tränen, wenn ich mir diese Menschen vorstelle, die du beschreibst. Das verbindet sich mit meiner Sehnsucht nach Authentiziät, Natürlichkeit und menschlicher Direktheit. Solche Menschen „haben“ einen Reichtum, den „wir“ im meteriell-identifizierten Westen zu schätzen verlernt haben. Die Menschen in Afrika betteln nach Materiellem. Wir betteln um unsere Seele…

  5. Inge Henneberg sagt:

    papamojo- es ist nicht alles schwarz oder weiß, die Menschen sind verschieden und nicht automatisch besser, nur weil sie in einem der ärmsten Länder dieser Welt leben oder anders herum, nicht alle Menschen in unserem „reichen“ Bundesland müssen um ihre Seele betteln, wie Du es formulierst.

    Darf ich Dich daran erinnern, Du bist „frei“, kannst jederzeit Deine Sehnsucht stillen und in eines dieser armen Länder auswandern, was hindert Dich?

    Lieber Willi, fremde Kulturen ist eine Sache, die bittere Armut, fehlende Hygiene und Lebenserwartung dort – eine andere.
    Eben weil Du in einem sogenannten „reichen“ Land zu Hause bist hast Du ja überhaupt die Möglichkeit diese fremden Kulturen in fernen Ländern kennenzulernen.
    Die Einheimischen in diesen armen Ländern sind froh wenn sie täglich genug zu essen haben, es fehlt ja an allem Nötigsten. Deine Zustandsbeschreibungen sprechen eine deutliche, traurige Sprache.

  6. Inge Henneberg sagt:

    Habe noch vergessen: Willi – sag den Menschen dort mal, daß es an ihnen liegt und sie ihr Leben weil sie schöpferisch sind, nur selber gestalten müssen bzw. sich dazu Anregungen aus anderen Kulturen holen können.

    Das ist ja der Unterschied, sie haben keine Möglichkeiten dazu, Du bzw. wir aber sehr wohl.

  7. Gwendalina sagt:

    Lieber Willi,
    danke für deine interessanten Berichte! Wenn ich versuche die einfache Lebensweise der Ätiopier mit meinem Herzen zu erfassen, dann kann ich sehen wo ich mein Leben vereinfachen kann und ich erfahre wie mich das bereichert. Und es hilft mir dankbarer für das zu sein was mir hier zur Verfügung steht. Außerdem möchte ich nicht über Reichtum oder Armut, hier wie dort urteilen, denn der ist auf beiden Seiten eben auf unterschiedliche Art und Weise vorhanden, wie papamojo das so schön formuliert hat.

    eine liebevolle dankbare Umarmung

  8. moka sagt:

    liebe inge henneberg!
    du solltest versuchen die „menschen“ zu sehen, oder beurteilst du bei uns auch jeden erst nach herkunft und umfeld. mir ging es primär darum, dass ich es einfach schön findem wenn menschen so offen sind und nicht erst x-mal über etwas nachdenken bevor sie es tun.ich denke. dass genau dieses „verkopfte“ denken unser problem ist. man kann doch anderen nicht seine meinung aufzwingen, was für dich richtig ist muss es für andere nicht sein. ich weiß ja nicht was du unter arm verstehst, aber ich hätte durchaus kein problem damit reduziert, einfacher zu leben zumal ich das ja auch versuche zu tun. punkt ist, dass es um das wesen der menschen geht und nicht um die bekannten probleme dieses landes. liebe inge ich wünsche dir, dass du gewisse dinge mehr mit dem herzen siehst, so wie willi! alles liebe!

  9. Inge Henneberg sagt:

    Moka, Du hast mich leider falsch verstanden.

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