Waaaahnsinn!

24. Februar 2011

(Reisebericht Äthiopien)

Soooo schön!!!
Ich war heute in einem – naja, kein Restaurant, kein Cafe ….
Es hat gewirkt wie privat eingeladen, in so einem ‚Ur- Häuschen’, dessen Wände mit Erde und Kuhdung verschmiert sind, bin selten liebenswürdig aufgenommen und bedient worden (inkl. Führung zur Kuh, die gleich im Nebenraum ‚wohnt’ ein süßes Kalb und unglaublich wohlschmeckende Milch hatte).
Jaja, ich weiß, das ist nicht vegan! Aber ich musste einfach kosten …
Ich hab da endlich einmal ein sensationell gutes Inschara bekommen.
Auch das Interieur war selten fremd aber heimelig und für uns höchst originell.
Die Wände dunkel- aber strahlend blau, die Decke gestreifte (Plastik-)Stoffbahnen, die Stühle, Tische und ‚Theke’ dunkelrot gestrichen, am Boden war Heu ausgestreut und auf den Tischen lagen sehr attraktive Blätter die angeblich gegen Fliegen wirken.
An der Rückwand des ca. 3 x 4 m- messenden Raumes, neben der ‚Theke’ saß auf einem Polster am Boden die Chefin vor einem Tablett mit Kaffeetassen und einem Kohlekocher, auf dem sie das Kaffeewasser erhitzte. Neben ihr, kontrapunktisch präzise ein relativ moderner, weißer Kühlschrank!

Das Inschara war mit Häufchen von gekochtem Kohl, roter (Paprika) Linsen- Sauce, eingelegtem Kraut und frischem Kuhkäse, und Zwiebel- Tomaten ‚beladen’.
Bei der Führung sahen wir auch den Inscharar und gleich daneben den Brot- Ofen.

Alles wie seit Steinzeiten verwendet, aus einfacher Erde mit Kuhdung gebaut, modelliert und gebrant.

Ich hoffe, gemeinsam mit den Fotos könnt Ihr Euch ein halbwegs gutes Bild von dieser absolut faszinierenden Szene machen …

 


Was ist schon ein ‚Red carpet’ …

24. Februar 2011

(Reisebericht Äthiopien)

… gegen das Service, das mir hier geboten wird!
Wir waren in einer Art Buschenschank, bei der ein zwar alkoholisches, aber rohes und traumhaft gutes Getränk auf Honig- Basis, in ganz süßen Fläschchen, ausgeschenkt wurde.
Auch vor diesem Besuch musste ich mir – wieder einmal – zahlreiche Warnungen, wie kriminell, bösartig und Weiße- feindlich Äthiopier, besonders die betrunkenen, wären. Doch es zeigte sich auch hier – wieder einmal – dass sie alle ganz entzückend sind und ich fühlte mich dort sehr wohl bis ‚getragen’ von deren Zuneigung.
Leider erwischte ich in dieser Stimmung, die sich durch einen der häufigen Stromausfälle mit anschließender Kerzenlichtstimmung noch verbesserte, wohl etwas zuviel von diesem Nektar.
Auf dem Heimweg staunte ich wieder einmal, wie gut die Äthiopier selbst in stockdunkelster Nacht sehen (was mir verborgen blieb); – dabei gelte ich hier eher als gut nachtsichtig.
Mit Hilfe fand ich mein Hotelzimmer, das sich in einer Festungs- ähnlichen Anlage befand: Alles ebenerdig, in Vierkant- Anordnung, mit Glasscherben- bewehrten Mauern, alle Fenster und Türen ausschließlich in den Innenhof, aus Eisen und vergittert.
Nachts weckte mich ein schlimmes Bauch- Gefühl, das mir sagte: ‚Wenn Du nicht in wenigen Minuten auf einem Klo bist, gibts eine Panne’.
Ich probiere das Licht. Noch immer kein Strom!
Der Weg zur Toilette, ein unergründlicher Zick- Zack- Kurs vorbei an halboffenen Senkgruben, Küchenabfallhaufen und Abwasch- Lachen.
Draußen wähnte ich, durch die ständigen Schauergeschichten über aufgeschlitzte Weiße, die man hier ständig hört, natürlich auch noch Horden an Massenmördern …
Irgendwann war aber Schluss mit krampfhaftem Alternativen- Suchen und den Weg vielleicht doch nochmal zu erinnern. – Ich MUSSTE! SOFORT!
Kaum hatte ich die Tür nur einen Spalt offen, blitzt ein Lichtstrahl auf und eine Stimme fragt aus dem Dunkel: ‚What do you want?’
Das Hotel hatte einen Wächter, der sich rührend um mich kümmerte, mir mit seiner Taschenlampe den für mich schönsten ‚Light carpet’ meines Lebens bis zum offenen Klo legte und auch noch fürsorglich fragte ob ich softs (Klopapier) bräuchte.
Ich hätte ihn abbusseln können … 🙂
Auf diesem Klo hatte ich übrigens tags zuvor die Lektion gelernt, dass man völlig problemlos zur Notdurft hockerln und dem vorbeigehenden Küchenpersonal zugrinsen kann 😉