Montezumas Rache …

28. Februar 2011

(Reisebericht Äthiopien)

… Dünnschiss bzw. Durchfall, scheint, glaubt man Reiseberichten oder Reiseveranstalter- Tipps, absolut unumgehbar zu sein auf Reisen.
Ich habe hier nicht einmal auch nur das geringste Problem in dieser Richtung gehabt und nehme das als weiteres Zeichen dafür, dass

    a) ein stabiles Immunsystem so ziemlich alles ‚plattmacht’ und
    b) durchschnittliche Zivilisationsmenschen ein viel zu überlastetes Immunsystem haben, das neuen Erregern dann nicht gewachsen ist.

Weder habe ich, wie empfohlen, mir die Zähne mit Mineralwasser geputzt, noch Obst oder Gemüse geschrubbt oder gar abgekocht. Weder habe ich mich davor gescheut den Leuten die Hand zu geben oder Esel und Schafe zu streicheln. Ich habe Einheimisches aus oft fragwürdigen Küchen genauso verkostet wie all das Obst und Gemüse.
Also statt Lopedium, Imodium oder Perenterol, paradise your life!
Der Montezuma hat gegen paradiesisch lebende Menschen Null Chance! 😉

 


Kleine Zuwendungen

28. Februar 2011

(Reisebericht Äthiopien)

Ich hab ja bereits in ‚Sex in Äthiopien’ die für mich etwas sehr distanzierten Umgangsformen der Geschlechter angesprochen.
Wie mir jetzt scheint – ganz sicher bin ich mir nicht, da ja mein etwas wortkarger Übersetzer ja auch eingeht in diese Betrachtung – fehlen hier überhaupt die vielen kleinen Zuwendungen und Aufmerksamkeiten, die bei uns bereits teilweise zu Automatismen verfestigt bis verkommen sind.
Ein ‚Guten Morgen’ oder ‚Gut geschlafen?’ sind für uns so selbstverständlich wie ‚Einen guten Appetit’, ‚Gute Nacht’ oder ein ‚Zum Wohl’, wenn jemand nießt.
Auch herzliche ‚Bitte’ oder ‚Danke’s sind zumindest für mich unverzichtbare und ständig gebrauchte Kommunikations- Formeln.
Hier wird maximal mit ‚Salaam’ begrüßt, wobei fallweise zum Händeschütteln die Schultern zueinander geführt werden, was für mich auch keiner herzlichen Geste, sondern eher einem ‚Schulter-drück-Bewerb’ gleicht.
Auch vermeiden die Äthiopier jegliche Verneinungen. Wenn jemand etwas gefragt wird, was er nicht weiß, tut er eher so als habe er nichts gehört als zu sagen ‚Tut mir leid, ich bin selber hier Kunde’ oder etwas ähnliches.

Was zu dem Thema noch gehört und eher umgekehrt abläuft ist der Weißen- Bonus, den man hier hat. Jeder ruft einem irgendetwas zu, winkt einem, will einem die Hand schütteln und die Kinder stürzen sich überhaupt scharenweise auf die ‚Ferencies’ …
Da frag ich mich schon, warum man das nicht mit allen Menschen macht. Jeder ist doch etwas Besonderes, jemand Einzigartiger.
So schön unsere vielen verbalen Zuwendungen sind so schön wäre es doch auch, jedermensch herzlich willkommen zu heißen, neugierig auf ihn zu sein, ihm das Gefühl, etwas Besonderes zu sein, zu geben …
– Oder ihn zumindest anzulachen und sich zu freuen, dass auch er da ist, sein Leben leben kann und uns das unsrige bereichern könnte …

Es kann natürlich sein, da die Äthiopier weitaus freier und angenommener aufwachsen als unsere Kinder, dass sie diese vielen kleinen Zuwendungen nicht brauchen und sich genügen bzw. kein so schlimmes Liebes- Defizit haben wie wir.
Schön wär’s!
Denn jede Hilfe, jedes Entgegenkommen sollte ja tatsächlich selbstverständlich sein und für sich stehen und nicht bedankt werden müssen. So ungefähr scheinen die Leute hier zu denken. ‚Krieg ich, ist’s gut, krieg ich nicht, probier ich’s anderswo oder nocheinmal’.
Sie scheinen mir also irgendwie eher im Hier und Jetzt zu sein. – Obwohl sie es im Unrechtsfall schon auch heftig können …
Andererseits gilt hier genauso wie m.E. überall, dass einfach eine gewisse Herzlich- und Dankbarkeit immer gut ankommt und des anderen Herz öffnet.