Glückliche Beraubte

Nähme ich Dir all Deine, Dir ans Herz gewachsenen, gewohnten und geschätzten Dinge weg, die Dein Leben begleiten bis bestimmen, wärst Du nicht ärmer, sondern reich beschenkt und bereichert!
Nein, ich bin nicht übergeschnappt! 😉
Und, nein, ich nehme niemandem etwas weg! 😉
Wie ich dann auf solch einen Unsinn komme?
Weil wir Zivilisationsmenschen etwas geschafft haben, was physisch fast unmöglich ist: Wir sind auf so ziemlich allen Gebieten gleichzeitig, in völlig aussichtslose Sackgassen gerannt!
Wir haben unsere Ernährung so lange ‚verfeinert und verbessert’ bis sie so exorbitant hohe Zivilisations- Erkrankungsraten bescherte wie wir sie heute haben.
Dieser blog ist voll mit Beispielen dafür, dass praktisch für jeden West- Menschen es ein unvergleichlicher Segen wäre, auf seine tägliche Kochkost zu verzichten.
Die Rate an Krebs-, Arthrose-, Allergie-, Herz- Kreislauf-, Allergie, Akne- Osteoporose-, und praktisch allen anderen, Erkrankungen würde sofort ins Bodenlose stürzen. Niemand mehr hätte Gewichts-, Haut- oder Befindlichkeits- Probleme. Alle wären gut aufgelegt, schön und fit.
Doch: Wer verzichtet schon auf sein tägliches Schnitzel, den geliebten Hamburger oder Braten?

Oder unsere ‚technischen Hilfen’!
Ach, was lieben wir doch unser Auto oder den Geschirrspüler, den Lift, Fernseher, Mikrowellenherd, die Waschmaschine, den Akkuschrauber, ….
Doch was tun all diese Hilfsmittel?
Sie nehmen uns Arbeit ab und schwächen uns damit, halten uns von täglicher Bewegung, von ordentlichem Schwitzen, von einem Fitness- notwendigen Kalorienverbrauch ab.
Soll das ein Vorteil sein, wenn er uns Beweglichkeit, Fitness und einen Jahrzehnte früheren Tod kostet?

Oder unser modernes Sozialverhalten!
Ach wie gern gucken wir doch mit den trinkenden Kollegen Fussball, tratschen mit den Kaffee- Freundinnen über Nachbarn oder neueste Kleider oder sitzen vor der Klotze …
Doch bereichert uns das? Wo erfahren wir echte Liebe, Zuneigung, wo können wir uns aufgehoben, angenommen und geborgen fühlen? Wem können wir wirklich alles sagen? Wer versteht uns? Wer umarmt uns, sieht uns Oma- gütig an?
Wo bleibt in Zeiten, in denen der Wert von Therapie- Tieren erwiesen ist, der tägliche Kontakt mit Tieren?
Wer bemüht sich noch um wirklich tiefgründige Beziehungen oder darum, selbst gefestigter, in sich ruhender, zu werden. Wer zweifelt an der Richtigkeit unserer Werte? Wenn’s in 90% aller Beziehungen kracht oder nicht passt, ist der Partner Schuld und wird ausgetauscht!
So gesehen wäre es doch ein Segen für jeden modernen Menschen, wenn er sich bar jeder Zivilisation und Gesellschaftskonventionen ‚zurückgeworfen’ in einer einfach lebenden, zusammen arbeitenden und Spaß habenden, Körperkontakt- betonten, harmonischen Sippe aller Generationen, wiederfände.

Jetzt kommt aber das dickste Ei!
Unser Denken und (Nicht-)Sein!
Was sind und fühlen wir uns doch gebildet!? Was haben wir doch den Kopf voll!
Bloß Herz und Bauch(gefühl) sind leer!
Kaum jemand merkt es, dass kaum jemand noch seine Sinne nutzt. Wir leben fast ausschließlich in unseren Köpfen, leben in unseren fiktiven Welten. – Und glauben auch noch, dass das die Wirklichkeit wäre!
Praktisch alles wird bloß noch mit Wort- Etiketten beklebt anstatt sinnlich wahrgenommen zu werden.
Und all dieses Scheinleben wird von unserem übermächtigen Ego dominiert und gelenkt, dem es nur ‚gut geht’, wenn es Dramen und Sensationen hervorrufen kann, wenn es sich aufblasen und wichtigmachen kann. Und so sehen unsere Leben, Erzählungen, Produkte und Medien auch aus!
Wie anders, wie wunderbar harmonisch könnte unsere Welt, könnte unser Leben sein, würden wir ohne all diese Benennungen, Einflüsterungen, ohne unser Ego und Kopf- Wissen leben. Wir dächten z.B. nicht ‚Aha, heute ist es wolkig’, sondern würden unsere Sinnes- Tore weit öffnen und all die Wolkenformen, Licht- Strahlen und Spiele, all die Luftströmungen und Wind- und Naturgeräusche, die unzähligen Düfte zutiefst wahrnehmen …
Wir könnten völlig Etikettierungs- und Beurteilungs- frei, einfach SEIN!
In diesem Sinne: Lass Dich ‚berauben‘! Beraub Dich selber!
paradise your life ! 😉

 

4 Responses to Glückliche Beraubte

  1. papamojo sagt:

    Du hast so Recht, Willi! Danke für diesen Beitrag! Die Selbst-„Beraubungs“-Erfahrung habe ich vor einigen Jahren selbst machen dürfen. Ich hatte mein Fernsehgerät verschenkt, mein Auto verkauft (und dafür ein Fahrrad gekauft), eine Unmenge an Gegenständen verschenkt, meinen Beruf gewechselt (in dem ich zwar weniger Geld bekomme, aber glücklicher bin) und ich wurde Vegetarier. Damals haben mich alle für verrückt erklärt und spitzbübig darauf gewartet, dass ich sehr bald zum alten Stil zurückkäme. Nichts dergleichen ist passiert. Ich fühle mich wohler denn je und habe das Gefühl, ein schier unglaubliches Paket an Ballast abgeworfen zu haben. Ich habe dadurch mehr Lebensqualität gewonnen, als ich mir je hätte vorstellen können.

  2. Inge Henneberg sagt:

    Kann auch nur alles unterstreichen, bei Deiner Aufzählung der „unnötigen Dinge“ stelle ich fest, all das besitze ich garnicht oder nicht mehr. habe mich auch schon vor Jahren getrennt.
    Aber – ich bin auch eine Ausnahme unter meinen Mitmenschen, wowohl was die unnötigen Produkte betrifft (für mich war das Ballast), aber auch was die Gesundheit und Lebensqualität betrifft.

    Daran erinnert wurde ich erst heute wieder nach einem längeren Telefonat mit einer früheren Kollegin, die im gleichen Alter wie ich, einen Schlaganfall hinter sich hat, 7 unterschiedliche Medikamente nehmen muß und auf meine Frage was denn der Arzt als Ursache genannt hat, dieser antwortete: unbekannt.
    Fakt ist aber auch, negative Anzeichen, Sympthome und Krankheiten daß irgendetwas bei ihr falsch läuft gab es im Laufe der Jahre schon immer, aber da sie nie ihr Verhalten geändert hat, wird sie weiter mit den Folgen konfrontiert.
    Traurig aber wahr.

  3. humblebee sagt:

    Das war heute Dein bester Artikel!
    Ich könnte Dich knuddeln!
    Danke!!!

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