„Wenn Du anfängst …

… Dich für manche Dinge zu interessieren und die Zeit und die Energie frei zur Verfügung hast, ist das Interesse eigentlich ein Strom, der nicht zu bremsen ist“ sagt André Stern, der nie eine Schule besuchte und heute dennoch höchst erfolgreich im Leben steht.

Er ist ein weiteres lebendiges Beispiel dafür, dass die Natur immer das Richtige tut, dass unsere, für so wichtig genommenen Zivilisations- Errungenschaften, wie hier die Schule, höchst entbehrlich sind.
In seiner Freizeit lernte André Stern von sich aus Tanz, Literatur, Gitarrenbau und mehrere Sprachen. Heute lebt er als Musiker, Komponist, Journalist und erfolgreicher Autor in Paris – und ist selbst Vater eines Sohnes, der nie zur Schule gehen wird.
Bei einer internationalen Konferenz in der Wiener Hofburg erzählte er vor Hunderten von ZuhörerInnen von seiner Kindheit ohne Schule, ohne Leistungszwang, ohne Benotung:
„Guten Tag. Ich heiße André, ich bin ein Junge. Ich esse keine Bonbons und ich gehe nicht zur Schule.“ So lautete der Standardsatz, mit dem der kleine André Erwachsenen begegnete, die ihn auf der Straße ansprachen und wissen wollten, warum er denn an einem Vormittag nicht in der Schule sei. „Schulen zwängen Kinder in ein Korsett, das für die meisten zu eng ist und das viele krank macht“, sagt André Stern. „Kinder lernen gern – wenn man sie in Ruhe lässt“.
„Ich hätte gar nicht zur Schule gehen können“ fügt er mit einem Zwinkern hinzu. „ Ich war viel zu beschäftigt!“
Der kleine André lernt früh die Grundkenntnisse der Fotografie, er interessiert sich für den Bau und die Funktion von Kameras, er ist fasziniert von der Arbeit mit Metall, der Arbeit mit einem Imker an Bienenstöcken, dem Lesen geliebter Bücher und dem Schreiben, bei dem er den Stil von Marcel Proust zu kopieren versucht. Er beschäftigt sich mit Autos, Flugzeugen, Lokomotiven und entwickelt selbst gewagte Modelle und Konstruktionen. Nach einer Ausstellung über Ägypten lernt er Hieroglyphen zu entziffern. Angeregt durch eine Radiosendundgen, in der er Worte wie „Supernova, Galaxis, Spiralnebel, Lichtjahre“ hört, beschäftigt er sich intensiv mit der Astronomie.

Der junge André geht in all diesen Jahren in keine Schule und ist doch ständig am Lernen. Sein Unterricht sieht anders aus. Fasziniert vom Klang der Gitarre, wird der junge André zum Musiker und zum kundigen Instrumentenbauer.
„Kinder nehmen das Spiel ernst“, sagt sein Vater Arno Stern. Er selbst hat die Bedürfnisse seiner Kinder auch als Vater ernst genommen, weder Sohn André noch Tochter Delphine wurden in eine Schule geschickt. Sie wurden auch nicht zu Hause von den Eltern unterrichtet. Arno Stern und seine Frau Michelle vertrauten darauf, dass das Lernen bei Kindern auch anders geschehen kann, und zwar in großer Freiheit.
Ein Wort ist ihnen dabei besonders wichtig, ein Schlüsselwort für alle Beziehungen: Vertrauen. – ‚Unter anderem auch in die Natur’ möchte ich hinzufügen!
Heute lebt André Stern mit seiner Familie Tür an Tür mit seinen Eltern in einem „Großfamilienverbund“, wie er sagt, in Paris und auf dem Land.

 

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