Hirn- Architektur

3. Juni 2011

Wir lernen und lesen so vieles.
Doch kaum jemand weiß wie unser Gehirn funktioniert.
Dieses Wissen wäre aber wichtig! Denn wie will man einen Wasserhahn reparieren, wie will man ordentlich Wäsche waschen, wenn man sich nie mit der Funktion eines Wasserhahns oder der Bedienungsanleitung der Waschmaschine auseinandergesetzt hat?
Ich will ganz laienhaft, aber doch fundiert versuchen dazu einige Hinweise zu geben.
Beginnen wir vielleicht mit der Psychoanalyse, die von so vielen so hochgehalten wird, die in unserer Gesellschaft für so unverzichtbar gilt.
Sie beruht auf der Überlegung, dass psychische Probleme auf
frühe(re)n Erlebnissen beruhen, die nur durch ein Wieder- Er- und Durchleben aufgelöst werden können.
Das ist m.E. grottenfalsch und belastend. Denn
   a) für den Körper ist es völlig wurscht und gleich schädlich, ob wir Schreckliches erleben oder ‚bloß‘ an Schreckliches denken. Also tun wir uns nichts Gutes, ‚ewig‘ in den alten Problemen ‚herumzurühren‘, uns wieder ihrer zu erinnern.
Und
   b) ist ein solches Problem mit neueren Gehirnfunktions- Erkenntnissen weit besser und effizienter zu lösen.
Und zwar wie?
Unser Denken und Erinnern beruht auf der Vernetzung von ca. 100 Milliarde Nervenzellen über ca. 100 Billionen Nervenbahnen (die über sogenannte Synapsen ‚zusammengesteckt‘ werden). Eine einfache Rechnung ergibt, dass somit jede Nervenzelle mit ca. 1000 anderen Nervenzellen verbunden ist.
Jede Nervenzelle steht für einen sehr einfachen und ursprünglichen Sinneseindruck, eine Farbe, eine Tonfrequenz, o.Ä.
Unsere, in der Sprache verwendeten, komplexen Begriffe werden durch entsprechende Vernetzungen aktivierter Nervenzellen dargestellt/ hervorgerufen.
Ein sehr, sehr stark vereinfachtes Beispiel:
Für ein Kleinkind, das erstmals einen Hund sieht, verbinden sich vielleicht die Nervenzellen für
weich, flauschig (durch die Berührung des Felles) mit
rot (der Hundezunge) und mit
‚wau wau‘ (das sich aber bereits wieder aus der Verbindung vieler Tonfrequenz- Zellen zusammensetzt).
Dieses einfache Netzwerk dreier Nervenzellen bedeutet für das Kind ‚Hund‘.
Jedesmal wenn es einen Hund sieht, werden diese 3 Nervenzellen aktiviert. Jedesmal, wenn das Kind an einen Hund denkt, werden diese drei Nervenzellen, wird dieses kleine Netzwerk aktiviert.
Mit jeder neuen Hunde- Erfahrung werden neue Nervenzellen an dieses Hund- Ur- Netzwerk dranverbunden. Geht es dann zur Schule und lernt lesen, werden z.B. die Buchstaben- Nervenzellen für H, U, N und D auch noch drangehängt.
Somit ist praktisch jedes Wort, jeder Begriff ein dreidimmensionales Nervenbahn- Gebilde das irgendwo im Gehirn aktiviert wird. In der nebenstehenden Darstellung wären durch die Fraben Gelb, Grün und Orange 3 Begriffe angedeutet.
Natürlich werden einzelne Nervenzellen von vielen unterschiedlichen Vernetzungen mitverwendet und miteingebunden. Genauso wie sich der Buchstabe ‚g‘ sowohl in ‚gut‘, als auch in ‚gerne‘ oder ‚Berg‘ findet.

Noch ein anderes Bild um diese Funktion darzustellen:
Verschiedene Orte auf einer Landkarte die durch Straßen verbunden sind können wir uns als Nervenzellen vorstellen. Die Verbindungsstraßen sind die Nervenbahnen, die nach und nach angelegt wurden.
So, und nun wieder zurück zu unserem ‚alten Problem‘:
Irgendein schlimmes Erlebnis hat uns einen ‚Straßenzug‘ im Gehirn angelegt, der nun jedesmal wieder als ganzer ‚aufleuchtet‘, sobald wir an nur einen der damals mitbeteiligten Eindrücke denken.

Häufiger verwendete Straßen und Pfade werden mit jedem Begehen breiter, und breitere Bahnen werden leichter und häufiger ‚aufgefunden‘ als schmale.
So legen wir uns immer dicker werdende Angstpfade im Gehirn an.

Was wir einmal gelernt haben bleibt gespeichert! Durch Hypnosesitzungen kann man nachweisen, dass nichts vergessen wird.

ABER, vieles wird verschüttet und überbaut von neuen Netzwerken!
Und das wäre auch schon der sinnvollste Ansatz!
Nicht versuchen, alte Netzwerke aufzulösen, sondern ‚Umleitungen‘ zu bauen.
Das sieht in der Praxis so aus, dass man alle Dinge, Begriffe und Erinnerungen ‚in liebevoll verzeihendes Licht taucht‘, praktisch alles Denken mit der Nervenzelle der Liebe verbindet. Dadurch bauen wir uns förmlich wunderbar breite ‚highways‘ zu all unseren Lebensbereichen und wir verfallen nie mehr auf die Idee die alten Angst- und Negativ- Wege die wir uns früher irrtümlich angelegt oder die uns angelegt wurden zu ‚begehen‘.