Karl Wilhelm Diefenbach

Erkenne, Menscheit,
Deine Mutter, – die Natur!

… die rein und frei als höchstes Wesen dich geboren und – nicht befleckt mit Erbsünd, Fluch und Schande! – dich in ihr blühend Eden setzte.
Dass alle Herrlichkeit des Erdballs, des Weltalls Unermesslichkeit als Keim verborgen liegt in jedes Menschen Brust!
Erkenne dich, Mensch!
In Dir ist Gott!
Frei bin ich jetzt!
Frei, trotz der Ketten, welche Wahn und Niedrigkeit der Zeit um mich legen.
Frei in mir selbst!

Immer wieder gab und gibt es Visionäre, die die Essenz des Lebens erkennen, die ein Paradiesleben leben, die ihren Mitmenschen eine Tür öffnen.
Leider aber treibt der Gesellschafts- und Wirtschaftsdruck ‚die Herde‘ meist wieder zurück in den ‚Pferch der Unselbständigkeit‘.
Deshalb haben wir die Leben die wir allerorts beobachten können, mit all ihren Geldnöten, Umweltverschmutzungen, Ungerechtigkeiten, Krankheiten, Energieverschwendungen, Hungerkatastrophen, Kriegen, Lieblosigkeiten, Drogenproblemen, und, und, und.

Einer dieser Visionäre und Lebensreformer, der bereits ab 1880 mit seinen Thesen zur Nacktheit, freien Liebe und zum Vegetarismus für Aufsehen sorgte, war der begnadete Maler Karl Wilhelm Diefenbach.
1851 in Deutschland geboren wurde er nach einer schweren Typhuserkrankung und anschließenden Heilung durch Naturheilkunde und einer ‚Erleuchtung‘ in den Bergen zu einem Lebensreformer. Der ‚Jesus von München‘ brachte es neben einigen Verurteilungen und Gefängnisaufenthalten auch zum ersten ‚Nudistenprozess‘ Deutschlands und musste durch gesellschaftliche Probleme bald nach Österreich auswandern, wo er als ‚Kohlrabi- Apostel‘ verspottet und in den Ruin getrieben wurde aber dennoch eine naturnahe Kommune am Himmelhof gründete. Sein unangepasstes Leben führte ihn schließlich weiter nach Kairo und Triest. Diefenbach starb 1913 auf der Mittelmeerinsel Capri und geriet vorerst in Vergessenheit.
In seinen monumentalen spätsymbolistischen Bildern thematisiert er immer wieder Themen wie Friede, Vegetarismus, Paradies.
Sein Hauptwerk ist der 34- teilige 68 m lange Fries ‚Per aspera ad astra‘ (Über raue Pfade zu den Sternen) der in scherenschnittartiger Schwarz- Weiß- Technik Diefenbachs (Natur-)Gesetze darstellt.
Zu seinen ‚Jüngern‘ zählen der bekannte Künstler Franticek Krupka, der esoterische Jugendstilgrafiker Fidus und der – ebenfalls Natur- ‚Revoluzzer‘ Gusto Gräser, der bei Ascona, fernab der ‚Zuvielisation‘ die Naturkommune Monte Verità begründete.

Bis 26.10 2011 ist in der Hermesvilla in Wien eine sehr beeindruckende Ausstellung über diese seltenen Ausnahme- Künstler und Menschen zu sehen, die ich nur wärmstens empfehlen kann.

Immer wieder erstaunlich finde ich in diesem Zusammenhang, wie sehr die Gesellschaft solche Menschen, die niemandem etwas zuleide tun, die bloß visionäre und ‚weitere‘ Wege aufzeigen zu Feinden macht und in die Knie zwingt um nur ja ihre eigene Kleinheit, um nicht zu sagen Armseligkeit, zu erhalten …
In Diefenbachs Fall z.B. jubelte die Presse nach seinem unverschuldeten Konkurs: ‚Meister des Nichtstuens‘, ‚endlich zur Strecke gebracht‘ und ‚Lass‘ sie gehen, ’s sind Diefenbacher‘ …

‚Wie so oft in meinem Leben mußte ich auch jetzt die Erfahrung machen, daß in meinem Kopfe anders als in anderer Menschen Köpfe die Welt sich malt‘

 

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