Die Gnade des Nichwissens

Die Geschichten über Lungenkrebspatienten die sich auf die erste Zigarette nach der Op freuen, die Dicken die sich selbst belügen um nur ja nicht auf ihre Ersatzbefriedigung verzichten zu müssen, und, und, und … sind ja bekannt.
Da ich durch meine ‚Rohkost- Karriere’ seit 20 Jahren schon weiß wie einfach und dauergesund das Leben sein kann, bin ich oft besonders fassungslos, was die Menschen sich an völlig unnötigem Leid antun.
Meine Hinweise, wie sie sich das sparen könnten, können sie vielfach genauso wenig annehmen wie sie ihr Problem überhaupt sehen können, da sie nichts anderes kennen.
Es gehört einfach zum vermeintlich normalen Leben, dass Kinder z.B. weinen, erbrechen, krank sind, dass man eben fallweise Schnupfen, Pickel, Fieberblasen hat, dass man morgens nicht aus dem Bett kommt, häufig missgelaunt ist, Körpergeruch hat oder mal, oder auch öfter, Kopfschmerzen, Durchfall oder andere Unpässlichkeiten hat.
Dazu kommen natürlich noch jede Menge von ernsthaften, das Leben beeinträchtigende Erkrankungen wie Allergien, Asthma, Arthrosen, Krebs, und, und, und, die allesamt vermeidbar wären, aber für die Menschen eben zum Leben gehören. Zumal sie ja auch von den Ärzten, zwar völlig unsinnig, für Laien aber glaubhaft, mit Umweltverschmutzung, Abnützung, Viren, Vererbungen, etc. begründet werden.
Obwohl ich ein sehr interessierter Mensch bin, der gerne etwas dazulernt und überzeugt ist, durch jedes zusätzliche Wissen, auch wenn es oft Falschinformationen sind, etwas gewonnen zu haben, bin ich manchmal froh, dass Unwissenheit die Menschen gnädig vor dem Wahnsinn schützt den sie sich selber antun …
So wie im real life, passiert es mir auch hier in der ‚blogger- Welt’ fallweise, dass ich mich bemüßigt fühle auf einfache Lösungsmöglichkeiten hinzuzweisen. Dass ich dabei nicht oder falsch verstanden werde, bin ich gewohnt. Eine besonders ablehnende Bloggerin, die meinen ersten Hinweis sofort vehement ablehnte und schon den zweiten Erklärungsversuch nicht mehr kommentierte sondern umgehend löschte, war mir länger in Erinnerung.
Kürzlich kam ich durch einen link auf einen blog, der mir fast das Blut in den Adern gerinnen ließ. Eine Mutter schildert da ihren Alltag mit den Kindern.
Was da nächtelang durchgebrüllt, gefiebert, erbrochen, Doktor- gelaufen, Krankenhaus- angerufen wird, war selbst für meine oft heftigen Gesundheitstrainer- Erfahrungen ein selten starkes Stück.
Der Tupfen auf dem i war, dass ich nach einigem Herumgelese und diesem Gefesseltsein von Schrecklichem, das man ja kennt, dahinterkam, dass das genau diese Grazie war die mich vor einiger Zeit umgehend rausgeworfen hatte!
Jedermensch ist auch für seine Mitwesen, besonders für Unmündige, mitverantwortlich und angehalten, bekannte Missbräuche, Übergriffe, etc. zur Anzeige zu bringen. Aber was bitte, mit Menschen, die soetwas auch noch veröffentlichen und dutzendweise Zuspruch und Zustimmung a la ‚Manchmal brüllen sie einfach und man weiß nicht warum’ und ‚Die hören schon wieder auf’ bekommen!?
Da denke ich mir dann ‚Ähnlich Scheiße muss es den vielen Erfindern, Komponisten, etc. die ihrer Zeit zu weit voraus, und unverstanden, waren auch ergangen sein’ …

 

3 Responses to Die Gnade des Nichwissens

  1. Inge Henneberg sagt:

    Wie gut ich Dich verstehe, dazu fällt mir ein: „Lieber geht der Mensch zugrunde, als daß er seine Gewohnheiten ändert.“
    Traurig, aber wahr.

    Auch ich erlebe das immer wieder und da machst sich manchmal auch ein gewisser Frust breit, aber es hilft nichts.

    Eventuell leben wir alle schon zu lange in der Zivilisation und hängen an unseren Süchten, der Bequemlichkeit und am Zipfel der Nahrungsmittel- später Pharmaindustrie, die uns voll im Griff haben.

    Umso tröstlicher daß es Leute wie Dich gibt, die versuchen das zu ändern, indem sie unermüdlich die Alternativen aufzeigen. Auch ich habe davon profitiert, worüber ich sehr froh bin.
    Danke Dir, daß du mir die Augen geöffnet hast.

  2. Weiwi sagt:

    Oh ja. Und das Traurige ist ja, es entsteht ein Teufelskreis. Jene kleinen Menschlein, deren Bedürfnisse ungesehen und unbeachtet bleiben und falsch verstanden werden, sind dann später jene Erwachsenen, die sich, wie du oben beschrieben hast, nach der Lungenkrebs OP die Zigarette anzünden, eßsüchtig werden, etc… Und wenn sie selbst mal Kinder bekommen beginnt der ganze Kreißlauf meistens von vorne…
    Gegenüber von meinem Wohnhaus gibt es eine Kinderkrippe. Dort bringen Eltern ihre Kleinstkinder – noch keine 2 Jahre alt teilweise – hin, um sie – ich nenn das jetzt mal so – „aufzubewaren“, während sie arbeiten gehen. (Viele von ihnen fahren neue, teure Autos, sind elegant und teuer gekleidet..) Diese Krippe besitzt einen Garten, in dem sich die Kinder oft aufhalten. Dort stehen dann diese kleinen Würmchen oft am Gartenzaun (der besteht aus Gitterstäben), Schnuller im Mund, Flasche in der Hand und beobachten, den Kopf an die Gitterstäbe gelehnt, das Leben draussen. Es ist ein Anblick wie im Zoo. Entschuldige, falls das vielleicht etwas provokant klingt, aber so empfinde ich es, diese Kinder kommen mir so eingesperrt vor und es bricht mir jedesmal das Herz wenn ich dran vorbei gehe.
    Oder ein anderes Beispiel, eine Bekannte erwartet gerade ein Kind, das Kinderzimmer ist schon fix und fertig, hübsch wie aus dem Katalog eingerichtet. Der Gedanke dass darin bald ein Neugeborenes ganz allein schlafen muss, schmerzt mich. Ich habe einmal erwähnt, dass meine Kinder als Babys und Kleinkinder immer bei mir im Bett geschlafen haben, aber das wurde abgelehnt, es sei zu ungemütlich. Ich lass es dann auch gut sein, man will sich ja auch nicht einmischen… Innerlich jedoch tut es mir weh.
    So, mein Text ist jetzt etwas länger geworden als geplant, aber ich musste es mal loswerden.
    Ich denke jedenfalls, dass der ewig schreien müssende, unartgerecht behandelte Säugling, die Grundlage bildet, für den späteren rauchenden Lungenkrebspatienten.

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