Ist Liebe mehr als Partner- Shoppen?

10. Oktober 2011

Sagen wir’s offen raus: Wir sind derzeit die verwöhnteste und bestens umsorgte Gesellschaft aller Zeiten.
Verkäufer, Werbung, Firmen, Psychologen, Ärzte, Berater …
Sie alle machen uns vor, uns alles wünschen zu können, alles bekommen zu können, ja sogar auf alles das uns eben in den Sinn kommt, ein Anrecht zu haben.
Dieser Schlaraffenland- Zustand (siehe auch ‚Paradies oder Schlaraffenland?‘) macht natürlich auch vor der Partnerschaftswahl und Paarbindung nicht halt und erklärt vermutlich auch zum Teil unsere hohen Trennungsraten.
‚Mit ihr konnte ich einfach nicht‘, ‚Neben ihm konnte ich mich nicht entfalten‘, ‚Die Neue ist jünger‘, ‚Zu verschieden waren unsere Wunsch- Lebensstile‘ …
So die vermeintlich berechtigten Erklärungen. Und weiter geht’s mit dem Partner- Shoppen!

Doch hat das noch etwas mit Liebe zu tun?
War nicht gerade das – heute leider auch schon seltene – bedingungslose Geliebt-Werden im Elternhaus so wunderschön? Lässt uns nicht die bedingungslose Freudenbekundungen eines Hundes das Herz hüpfen?
Waren die früheren Helden, die sogar ihr Leben gaben für die Geliebte wirklich nur Kitschfiguren? Waren Frauen, die nach Kriegen jahrelang auf ihre Männer warteten einfach nur einfältig?
Tun wir uns mit unserem Partner- Shoppen, bei dem wir uns ja – angeblich – haargenau unsere Wünsche erfüllen wirklich etwas Gutes? Gewinnen wir dadurch den perfekten Partner? – Und verlieren vielleicht die Liebe?

Könnte es sein, dass in Wirklichkeit diese unsäglich altmodischen Menschen, die noch selbstlos lieben können, überreich beschenkt werden?
Könnte es sein, dass die einen im Schlaraffenland, die anderen aber im Paradies leben? …
Könnte es sein, dass wir Leid säen, wo wir Liebe wähnen? …

Und, könnte es nicht sein, dass wir uns selbst beschränken, wenn wir genau das Unsere wählen, anstatt uns von Nweuem, vom Anderssein überraschen, beschenken zu lassen?

Die einmalige Jane Goodall sagte einmal über die Scheidung von ihrem ersten Mann sinngemäß: ‚Es gibt unschöne Ereignisse, die über uns hereinbrechen. Die schmerzen sehr. Die von uns (mit)verursachten Unglücke aber schmerzen noch weit mehr‘.