Langsam reichts!

Man kann schon mal jemandem aus der Patsche helfen. Steuerzahler können schon mal eine Bank retten. Man kann schon mal jemanden über seinen Liebeskummer oder seinen Arbeitsfrust hinwegtrösten.
Doch danach ist Neustarten, Umdenken, Neuorientieren bei den Beholfenen gefragt!
Im Wiederholungsfall aber, darf schon mal auch die Ursache anderswo, als beim ‚In-die-Patsche-Geratenen‘ gesucht werden.

Ein Training für Vorstellungsgespräche zum Beispiek mag für einen Arbeitslosen schon mal hilfreich sein. Dennoch sollte es nicht darüber hinwegschwindeln, dass nicht der Arbeitslose, sondern die veränderten Arbeits- und Wirtschafts- Strukturen die Ursache seiner Arbeitslosigkeit sind. Was früher 100 Menschen herstellten macht heute eine Maschine (oder wurde in Billigländer ausgelagert). Doch die Wertschöpfung dieser Maschine geht treffsicher an den 100 Freigesetzten vorbei! Da helfen auch noch so viele Vorstellungstrainings nichts; die Arbeitsplätze werden einfach weniger.

Noch ein Beispiel: Das Reiz- Reaktions- Modell ist jedem Mental- und Gesundheitstrainer, jedem Arzt und Psychologen ein Begriff und besagt nichts anderes als dass wir Menschen eben auf auftretende Reize reagieren.

REIZ         REAKTION

Zum Beispiel bei Stress mit (Adrenalinausschüttung und) Kampf- oder Flucht- Reaktion.
Viktor Frankl hat das widerlegt und gemeint der Mensch hat zwischen Reiz und Reaktion seine persönliche Entscheidungsfreiheit ‚geschaltet‘. Kann also mit seinen ‚inneren‘ Kräften und Programmen versuchen Stress zum Beispiel zu verarbeiten.

REIZ         pers. Entscheidung    
    ‚Innere Lösung‘
    REAKTION

So weit, so gut. Auch ich konnte mit der Stärkung und Bewusstmachung dieses ‚Zischeschrittes‘ schon Klienten helfen.
Bloß: Irgendwann muss Schluss sein!
Mensch kann nicht ‚ewig‘ alles weitertragen, alles hinnehmen, alles in sich reinfressen, nicht immer alles mit der ‚Inneren Lösung‘ in Ordnung brimgen!
Nicht immer ist der Mensch die Ursache des Problems.
Ich würde es sogar – ganz paradiesisch – umdrehen und sagen ‚Der Mensch, seine Bedürfnisse, seine Wünsche, seine Reaktionen sind immer ok!‘
All unser Sein, unsere Eigenschaften wurden seit Jahrmillionen entwickelt und optimiert, hatten immer Gültigkeit und waren uns immer dienlich. Sie werden seit Urzeiten von Generation zu Generation weitergegeben, wie eine garantiert immer funktionierende Verhaltens- Anleitung.

Wenn das nun aber nicht funktioniert, kann man schon auch an sich mal ein Schräubchen drehen. Es ist ja auch spannend und lehrreich, sich zu verändern, sich anzupassen, zu sehen, was man noch so alles auf die Reihe kriegt.
Doch irgendwann muss Schluss sein!

Unser Nicht- Funktionieren hat eine – und das ist die Haupt- – Ursache: Die zivilisationsveränderte Umwelt, die kulturveränderten Bedingungen.

Wir müssen, um beim letzten Beispiel zu bleiben, nicht jeden Stress selber in uns neutralisieren! Wir ‚dürfen‘ auch mal fragen, ob ‚die‘ nicht alle schon verrückt geworden sind, was die den Menschen noch alles zumuten. Wir dürfen die Ursache auch mal im Außen suchen und nachbessern.
Der Arbeitslose kann sich schon mal verändern und umschulen, aber wenn das ‚Hase und Igel- Spiel‘ zu weit getrieben wird, ‚darf‘ er schon auch seine Politiker und Ex- Arbeitsgeben fragen wo eigentlich sein Anteil an der Maschinenwertschöpfung bleibt.

Es wäre also ganz nett wenn folgendes Reiz- Reaktions- Modell in die einschlägige Literatur eingang fände:

REIZ       INNERE oder ÄUSSERE   
        Lösung
   REAKTION

Demnächst: Warum wir mit dem alten Reiz- Reaktions- Modell immer unglücklich sein MÜSSEN! Und wie wir da rauskommen …

 

2 Responses to Langsam reichts!

  1. silketho sagt:

    Wieso brauchst Du dazu einen Viktor Frankl? Das hat schon Jesus gesagt, dass man nicht sofort zurückschlagen muss, sondern zuvor auch mal nachdenken oder Nächstenliebe zwischenschalten darf.
    Liebe Grüße
    Silke

    • payoli sagt:

      Du hast vollkommen recht! Vermutlich hat das sogar auch schon vor Jesus jemand gesagt 😉
      Aber das ist eben dieser verrückte bis lächerliche Wissenschafts- Quacksprech, dass die Wissenschafter sich gegenseitig als Schöpfer irgendwelcher Banalitäten zitieren, die sie weder erfunden, noch entdeckt, sondern bloß erstmals niedergeschrieben haben.

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