Kooperation versus Konkurrenz

Bei allem Neuen fällt uns zuerst das Einfache auf. Bei jeder Entwicklung befassen wir uns anfangs eher mit den grundlegenden, einfacheren Dingen.
Erst später bauen wir darauf immer feinere Details auf.
Vielfach aber ist es auch so, dass erste Eindrücke sich später als falsch erweisen …
Häuser früher Kinderzeichnungen enthalten weit weniger Details als die von Pubertierenden und diese wiederum weniger als die von Erwachsenen.
Ähnlich verhält es sich bei all unserem Lernen, Entwickeln und Gestalten.
So lässt es sich erklären, dass noch weniger entwickelte Kulturen eher auf Körperlichkeit, denn auf Hochgeistiges setzen, dass noch vor 100 Jahren Kriege und Militär allgegenwärtige Themen waren, während heute abgerüstet wird.
So lässt sich vielleicht auch erklären, dass Darwin in seiner Evolutionstheorie noch primär auf das ‚Überleben des Tüchtigsten, des Bestangepasstesten’ setzte, während heutige Evolutionsbiologen eher die innovative Evolutionskraft in der Kooperation sehen.
Nur hinkt das Denken der ‚breiten Masse’ noch etwas nach und lässt sich deshalb gerne von neoliberalen und brutalkapitalistischem Gedankengut beeinflussen bzw. legitimiert dieser weit überbewertete Denkansatz des ‚survival of the fittest’ vermeintlich jede Sauerei.
Sehen wir aber genau hin, glauben wir neuesten Biologie- und Verhaltensforschungs- Ergebnissen, so basiert all unser Leben, basieren alle Fortschritte – unser Glück sowieso – auf Liebe und Zusammenarbeit.
Egal ob man sich die bekannten Symbiosen zwischen Ameisen und Pilzen, zwischen Putzer- und Raub- Fischen oder zwischen Pilzen und Algen (= Flechten) ansieht oder ob man sich vergegenwärtigt, dass auch wir mehrzellige Wesen nur dank der interzellularen Kommunikation und Zell- Arbeitsteilung überleben können. All das beruht nicht auf Konkurrenz, sondern auf Zusammenhalt, Gemeinsamkeit und Kooperation.
Selbst der Beginn allen Lebens ist ohne Kooperation nicht denkbar. Tauschten sich doch bereits in Vor- Nukleus- Zeiten die Bakterien ihre Gene aus. Auch ein Einzeller bzw. unsere heutigen Körperzellen basieren auf Zusammenarbeit und Kommunikation.

Bevor ich in meinem Begeisterungsüberschwang jetzt noch durch weitere Aufzählungen wunderbarer Kooperationen in der Natur langweile, frage ich lieber gleich:

Warum bitte, tun wir das dann nicht auch? Bzw. in einem so geringen und damit – siehe oben – nur so frühkindlichem Maße?

Warum helfen wir nicht jedem, der unserer Hilfe bedarf? Warum sprechen wir nicht mit allen, die unsere Wege kreuzen? Warum kooperieren wir nicht mehr und vielfältiger?
Werden wir doch endlich erwachsen! Vollziehen wir den Schritt in die Realität und verlassen wir die alten, angstbesetzten und egomanischen Denkbilder.

Wir müssen nicht immer Erste, Stärkste, Tüchtigste sein! Wir dürfen uns auch mal geborgen fühlen in einem Netzwerk lieber (Menschen-)Wesen.
Wir müssen uns nicht immer wieder Prüfungs-, Test- und Konkurrenz- Situationen stellen. Wir dürfen uns auch zurückziehen auf die Gebiete, die uns Freude, und die wir gerne machen.
Wir ‚müssen‘ nicht in jedermensch einen Konkurrenten sehen. Wir ‚dürfen‘ auch mal Leute lieben … 😉

 

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4 Antworten zu Kooperation versus Konkurrenz

  1. rundumswort sagt:

    Wahrheiten, die Du wunderbar in Worte gefasst hast. Wenn diese Botschaft doch noch viel mehr Menschen erreichen würde. Nicht nur im Wort, sondern auch im Herzen!

  2. Inge Henneberg sagt:

    Kommt auf die Erfahrungen an, die man beim Ansprechen fremder Mitmenschen macht.
    Bei mehreren eher negativen abweisenden Erfahrungen wird man irgendwann seine Kontaktbereitschaft einstellen, ist leider so.
    Und das Lieben wird damit unmöglich gemacht, zumindest aber erschwert.

    Was die Konkurrenz-Situation betrifft, die erlebt jeder JOBsuchende aber auch jeder Unternehmer, wir alle sind ja nicht allein auf der Welt. Dem kann man sich garnicht entziehen.

    Außerhalb der Berufswelt, also im rein privaten Bereich, da können wir uns auf Gebiete zurückziehen die uns Freude machen, was wir gerne machen.
    Im Beruf sollte das zwar ebenso sein, ist aber leider bei der Mehrheit aller Menschen nicht der Fall.

  3. JOHANNA sagt:

    Leider verwenden Verfasser von Texten, deren Sinn ich darin sehe, ihre Mitmenschen auf Unstimmigkeiten hinzuweisen, allzu oft das Wort „wir“. Ein solches „wir“ schließt ein „ich“ mit ein. Kannst du bei den letzten Absätzen das „wir“ durch „ich“ ersetzen? Ich denke nicht! Wenn jemand von „wir“ spricht, bezieht er auch mich mit ein. Aber tatsächlich kann ich mich mit diesem „wir“ nicht immer / nicht mehr identifizieren.
    Ich denke, dass es wichtig ist, wenn ich von „wir“ spreche, genau zu definieren, wen ich damit eigentlich meine – wir = die gesamte Bevölkerung der Erde, wir = in der „zuvielisierten“ Welt, wir = ???

    • payoli sagt:

      Ich sag halt ‚wir‘ im geschwisterlichen Sinn und Du sagst ‚Verfasser von Texten‘ obwohl Du mich meinst. Wo ist da der Unterschied? 😉

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