Diametrale Geschwister

25. Mai 2012

In der heutigen Republik Kongo leben zwei Stämme von Menschenaffen, die einst durch den Fluss Kongo getrennt wurden. Heute noch sind sie genetisch praktisch ident, könnten in ihrem jeweiligen Sozialverhalten aber unterschiedlicher nicht sein: Die Gemeinen Schimpansen und die Bonobos oder Zwergschimpansen.

Schimpansen haben das Patriachat, die Alpha- Männchen ‚terrorisieren‘ die Weibchen ihres Clans so lange, bis sie ihnen unterwürfig das Hinterteil anbieten. Es gibt ständige Machtkämpfe unter den Männchen, Junge von fremden Männchen werden getötet. Schimpansen sind aggressiv, jagen auch und fressen Fleisch.

Völlig anders die Geschwister am anderen Ufer. Bonobos leben das Matriachat, haben den ganzen Tag Sex und Zärtlichkeiten, – sozusagen jeder mit jedem in allen Varianten, gesteuert von den Weibchen.
Dadurch wachsen die Jungen weitaus liebevoller auf. Niemand weiß, von welchem Männchen sie sind und genießen deshalb die Zuwendungen aller, sind ‚everybodys darling‘.
Es gibt keine männlichen Machtkämpfe, da ohnehin die Weibchen ‚das Sagen‘ haben. Bonobos sind überaus friedfertig, jagen nicht und leben vegetarisch.

So massive soziale Auswirkungen können kleine Unterschiede haben … 😉

… Fiel mir bloß ein, weil ich den Dalai Lama gestern sagen hörte, dass das menschliche Patriachat als Folge unserer Sesshaftwerdung entstand, für die Kraft und Verteidigungsbereitschaft gefragt war, heute aber nicht mehr notwendig wäre …

Wir könnten also auch jederzeit Bonobo spielen, wenn wir Männer über unseren Schatten springen könnten …
Oder haben wir unsere Kriege, unser ‚Sagen‘, unseren Stress und unsere Burn outs schon zu lieb gewonnen? 😉