Grenzen ziehen

Heute wird von Psychologen und Coaches gerne geraten konsequent seine eigenen Grenzen zu ziehen bzw. deren Respektierung einzufordern.
Als sich auch ein von mir sehr geschätzter Lebensberater kürzlich sehr ausführlich diesem Thema widmete war ich entsetzt.
Ich hatte irgendwie erwartet, dass er ‚bereits weiter‘ wäre.
In meiner ‚Verwirrung‘ möchte ich dieses Thema heute bloß ‚vorstellen‘, werde aber keine Präverenzen geben.

Einerseits ist es natürlich klar, dass man sich abgrenzt gegen Übergriffe von außen und durch andere. Natürlich will man überleben, leben, seine Ruhe haben, seine Integrität bewahrt sehen, nicht verletzt, nicht belästigt werden.
Andererseits sieht man aber an unserer Geschichte und Geografie, dass es nichts dümmeres gibt, als eine ’natürlich gewachsene Kugel‘ mit Grenzlinien zu zerteilen.
Ähnlich könnte es sich auch mit unseren persönlichen Grenzen verhalten.
Sehe wir genau hin, wird schnell klar, dass gerade die Bereiche, in denen wir besonders empfindlich sind, in denen wir leicht verletzbar sind, die wir besonders akribisch abgrenzen, unsere primären Lernaufgaben darstellen.
Hab ich ein Selbstwertproblem, werde ich besonders empfindlich auf Nicht- oder Wenig- Wertschätzungen reagieren. Hab ich ein gestörtes Verhältnis zur Wahrheit, werde ich mich besonders verletzt fühlen, wenn mir jemand nicht glaubt. Und so weiter.
Das heißt aber nichts anderes, als dass gerade unsere ‚empfindlichen Stellen‘ die – für unsere Weiterentwicklung – wichtigen sind. Erst durch sie können wir erkennen, woran wir noch weiterarbeiten könnten.

Nur in allen Bereichen ‚entspannte‘ Menschen sind wirklich geläutert und damit unangreifbar …

Ein Schimpfwort das den einen so sehr in Rage bringen könnte, dass er Schlimmstes tut und im Gefängnis landet, könnte für einen anderen bloß geringfügig bewegte Luft sein.

Um zu unseren Grenzen zurückzukommen:
Wer vehement auf die Einhaltung seiner Grenzen pocht
outet sich einerseits als bei diesem Thema besonders ‚unausgeglichen‘ und
verunmöglicht sich andererseits seine Lernaufgabe und Weiterentwicklung.

Umgekehrt wird natürlich jeder irgendwo seine Grenzen haben. Denn konsequent weitergedacht, müsste man sonst selbst seinen Tod in Kauf nehmen bzw. diesen widerspruchslos annehmen, wenn es jemand darauf anlegt.

Für ‚uns Normalsterbliche‘ wird es also vermutlich bei jedem Thema irgendwo eine Grenze geben. Doch sollten wir sehr wohl oben Gesagtes beachten um nicht von anderen zu verlangen, was wir selber nicht auf die Reihe kriegen …

Ob und wo jedermensch seine Grenze um sich zieht kann nur er selber wissen und bestimmen.

 

Eine Antwort zu Grenzen ziehen

  1. Mit den Aussagen wäre ich vorsichtiger, wir leben in Grenzen. Unser Körper ist eine natürliche Grenze, und wir haben uns in den Städten eingemauert. Ich weiß nicht wie viel Fahrräder Du schon verloren hast, die Du in der Innenstadt nicht abgeschlossen hast? Wenn Du ein Frau wärst, weiß ich nicht, was Du machen würdest, wenn Du Dich von einem Stalker bedroht fühlst? Würdest Du Deine Stadtwohnung verschließen oder die Tür offen lassen? Nun auf den Dörfern ist das einfach, weil es dort manchmal noch eine sozial funktionierende Gemeinschaft gibt, so wie in Klöstern auch. Unser Gesellschaft ist in Grenzen gepresst worden. Das hat selbst schon Alfred Krupp schon erzeugt in dem er Kleinwohnungen, um einerseits Männer an die Firma zu binden und anderseits wenig Kontakt mit Nachbarn zu entwickeln, mein Haus, mein Garten, mein Heim… heute werden die Grenzen durch immer mehr Medien erzeugt. Der ständig laufende Fernseher im Wohnzimmer, Kostenloszeitungen usw.

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