1 – 2 – 3 – Klatschen

Vor einigen Tagen durfte ich durch Zufall in Ossiach einem ganz wunderbaren Vortrag des ‚Öko- Urgesteins‘ Wolfgang Pekny lauschen. Es war der Eröffnungsvortrag der 10.Konferenz der Initiative Zivilgesellschaft. Der Titel lautete „Globalverstand. Das neue Bild der Welt und der Weg zu globaler Verantwortung“.
Der Vortragende verstand es die Besucher mit seiner Ausstrahlung und schier unglaublichen Daten zu fesseln. Wer nach diesen Zahlen, Diagrammen und Beispielen nicht glaubt, dass es so wie wir zur Zeit leben nie und nimmer weitergehen kann, dem ist nicht mehr zu helfen. Also ein mehr als faszinierender Abend mit eindringlichster Überzeugungsarbeit.

Allerdings, und jetzt komm ich langsam in die ‚payoli- Welt‘ zurück, die ja solcher Überzeugungs- Klimmzüge nicht mehr bedarf … Also, der Vortrag, vermutlich die ganze Konferenz und die Strategie der Teilnehmer litt meines Erachtens etwas unter einer gewissen Instringenz.

Es wurde wieder einmal das alte Klischee, der alte ‚Grünen- Fehler‘, des Warnens und Belehrens zelebriert.
Wie gesagt, die gezeigten Daten unseres Zivilisations- Wahnsinns hätten nicht atemberaubender und überzeugender, die Zukunftsaussichten, wenn wir nicht schleunigst noch die Kurve kriegen, nicht triester sein können.

ABER: Es fehlten die Lösungen, es fehlten die Beispiele, es fehlte die positive Motivation!
Niemand soll sich etwas versagen müssen!
Nichts darf ‚von oben verordnet‘ werden!
Jedermensch kann Altes nur gerne und freiwillig hinter sich lassen, wenn er dafür Besseres erhält!

Und letztendlich: Es gibt weitaus weniger Erfinder als Nachahmer!
Wie dieses!?

Wolfgang Pekny hat ein witziges und anschauliches Beispiel gebracht wie wir Menschen ticken:
Er bot sich als ‚Dirigent‘ an um ein gemeinsames Klatschen aller Zuhörer zu erreichen, indem er ankündigte bis 3 zu zählen und dann das Wort ‚Klatschen‘ zu sagen. Dieses Kommando müsste alle soweit synchronisieren, um einen gemeinsamen HändeKlatsch zu erzeugen.
Der Trick war, dass er selber bereits bei 2 oder 3 klatschte und der weit überwiegende Teil der Leute tat es ihm nach.
Wir ahmen also lieber nach, als zu denken oder zuzuhören …

Wenn man das aber weiß, dürfte man eigentlich nur mehr ökologisch einwandfreie, nachhaltige Leben vorleben bzw. gelungene Beispiele präsentieren, anstatt zu warnen, anstatt triste Zukunfts- Szenarien an die Wand zumalen, anstatt zu ‚predigen‘.
Denn solches erfordert von den Leuten, selber zu denken, selber Lösungen zu erfinden, selber kreativ zu werden, eigene Lebensstrategien zu entwerfen und umzusetzen. Doch damit ist ein Normalbürger – der ja bekanntlich jahre- bis jahrzehntelang (System-)entmündigt wurde – heillos überfordert.
Das Nachahmen dagegen funktioniert nahezu automatisch bis reflexartig, wie das Klatsch- Beispiel zeigte.

Auch die ‚Ökologie- Gegenseite‘, die Wirtschaft, wenn man sich ansieht, arbeitet nicht mit Warnungen und Belehrungen, sondern ist mit leicht nachahmbaren Werbespots und Plakaten höchst erfolgreich.

Deshalb, allen Ökodenkern, Grünen, Weltverbesserern ins Stammbuch geschrieben: Macht es wie der payoli 😉
bringt lebbare Beispiele!
Oder noch besser: Gestaltet Eure eigenen Leben so wunderbar und öko- perfekt, dass ihr Euch in ihnen wohlfühlt. Und dann ladet immer wieder Menschen zu Euch ein. Die werden dann von ganz alleine und mit Begeisterung und aus Überzeugung Euer Tun nachahmen.
Angst und schlechtes Gewissen waren noch nie gute Motivierer!

In diesem Sinn: paradise your life !

 

7 Antworten zu 1 – 2 – 3 – Klatschen

  1. Sehr schönes Bild mit Nachahmen oder selber Spielen, aufeinander Hören ist nicht Nachahmen. Ein Freund erzählte mir, er war in Uganda in einen Straßenverkehr geraten, wo die Menschen ohne Regeln mit Autos gefahren sind, keiner hat den anderen bedroht das Spiel hat reibungslos funktioniert wie bei einem Vogelschwarm, hier ist es wie bei der Jazzmusik, jeder spielt auf seinem Instrument und hört in seiner Individualität auf den anderen, da braucht es keinen Dirigenten? Da braucht es keine Noten, sondern das Gespür wir spielen gemeinsam, jeder in seiner Einmaligkeit

  2. inge henneberg sagt:

    Habe mich im Internet ein wenig über Wolfgang Pekny schlau gemacht und erfuhr, daß er an vorderster Front 20 Jahre bei GREENPEACE dabei war und soviel mir bekannt ist, diese Leute haben jede Menge Vorschläge und tun auch sehr viel für eine bessere Umwelt.

    Z.B. wird seit Jahren immer wieder daraufhingewiesen, daß nur Bioprodukte nachweislich schadstoffrei sind usw.. Es existieren Greenpeace-Untersuchungsergebnisse und die Verbraucher werden aufgefordert nur noch „b i o“ zu bervorzugen, aber auch sich an die Politik etc. zu wenden, damit die Gesetze dahingehend geändert werden, daß endlich generell alle Chemikalien in der Landwirtschaft verboten sind.

    Letzteres erledigt sich allerdings von selbst, wenn jeder Verbraucher ausschließlich b i o nachfragen würde. Was nicht gekauft wird, bleibt liegen und wird auch nicht mehr produziert. Anders formuliert, je mehr bio konsumiert wird, desto mehr Erzeuger wird es geben.

    Fazit: Nach wie vor ist es der Verbraucher, sind wir selbst für die Mißstände verantwortlich. Wir können das jederzeit durch unser Verhalten ändern, aber wir müssen es auch „w o l l e n“.

    Insofern, Leute wie Herr Pekny setzen halt voraus, daß Menschen, wenn sie denn auf die Mißstände hingewiesen werden, ihr Verhalten auch ändern. Wie das umzusetzen ist, da hat gerade GREENPEACE Vorbildfunktion, nur meine bescheidene Meinung.

    Aber da bin ich ganz auf Deiner Seite, je mehr über konkrete Vorschläge für die Umsetzung informiert wird, desto wirkungsvoller!
    Und da ist ja der payoli-Blog ein hervorragendes Beispiel, mehr davon!

    • payoli sagt:

      Was ich sagen wollte ist höchst einfach:
      Alles was wir aus Angst oder unter (Gesetzes-)Zwang tun, macht weniger Freude und ist weniger nachhaltig und beständig als das was wir aus Überzeugung und Freude tun. That’s it!
      Da kann Greenpeace predigen soviel sie wollen, da können die vorschlagen soviel sie wollen. Es steht immer im Hintergrund: ‚Wenn ihr das nicht tut, wirds noch ganz schlimm werden‘. Das bewirkt Handeln unter Androhung. Wer da mittun will soll es ruhig tun.
      Mir aber sind Leute lieber, die etwas aus Begeisterung tun, die freiwillig und gerne zum Besseren weitergehen, anstatt dorthin ‚getreten‘, geängstigt oder genötigt zu werden.
      ZUSÄTZLICH kann natürlich dieses Weitergehen bekräftigt werden durch das ‚Verlassenwollen des Schlechteren‘.
      Aber ausschließlich aus Fluchtgedanken heraus weiterzustolpern ist nicht schön!

  3. inge henneberg sagt:

    Zitat: „Mir aber sind Leute lieber, die etwas aus Begeisterung tun, die freiwillig und gerne zum Besseren weitergehen“ Zitat Ende.
    Mir auch, das ist doch selbstverständlich.

    Aber genau das geschieht eben nicht, um beim Beispiel „schadstofffreier Anbau (bio)“ zu bleiben, der ist verschwindend gering und das seit Jahrzehnten.
    Das gleiche bei der Ernährung, aus den von Dir erwähnten rein geschmacklichen Gründen (Rohkost schmeckt geiler) ist eben niemand für die Rohkost zu begeistern, ich übrigens auch nicht.

    Es ist ja gerade der Geschmack, der die Meisten die erhitzten Produkte (Fleisch, Milchprodukte, Brot etc.) bevorzugen läßt und die reine Rohkost verhindert.

    Fakt ist – ebenso wie bei bio – der gesundheitliche Aspekt, das bessere Wohlbefinden und letztendlich auch der Vorteil für die Umwelt, veranlaßt Verbraucher zur Ernährungsumstellung und anderem Verhalten.
    Ich sehe das absolut nicht negativ und hat mit Angst nichts zu tun, sondern mit dem Wunsch nach optimaler LEBENSQUALITÄT.

    • payoli sagt:

      Du hast vollkommen Recht!
      Dennoch ist die ‚erzwungene‘ Veränderung nur die zweitbeste Lösung und wird, fürchte ich, keinen langfristigen Bestand haben. Ich sehe das durchaus auch als Selbstkritik. Solange es nicht gelingt, etwas so darzustellen, vorzuleben, anzubieten, dass es gerne, begeistert und freiwillig angenommen wird, ist noch Weiterentwicklungsarbeit zu leisten …
      Zu Deinem letzten Satz: Gesundheit und Krankheitsvermeidung sind nicht dasselbe! 😉
      Zu diesem Thema schieb ich noch einen Artikel nach, – am 25.Juni!

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