Heute mal …

… eine süße Geschichte, ein Fundstück aus dem weltweiten Netz:

Die Freude und Fülle von Swabedu
In einem fernen Land gab es ein friedliches Dorf, das man Swabedu nannte.
Dieses Dorf war nicht nur wunderschön und blitzsauber, seine Bewohner waren meist auch von aussergewöhnlicher Höflichkeit. Wenn sie sich trafen, begrüssten sie einander mit einem Lächeln. Fanden sie Zeit zu einem Schwätzchen, so fragten sie zunächst nach dem Befinden des anderen.
Was die Swabedudahs am meisten liebten, war einander warme weiche Fellchen zu schenken. Ein jeder trug über seiner Schulter einen Beutel, er gefüllt war mit weichen Fellchen. So oft sich Swabedudahs trafen, gab gewöhnlich der eine dem anderen ein Fellchen.
Besonders schön war, jemandem ein warmes weiches Fellchen zu geben, denn es sagte dem anderen, er sei etwas Besonderes. Es war eine Art zu sagen: Ich mag dich. Und selbstverständlich war es sehr erfreulich, ein solches Fellchen zu bekommen. Wenn man Dir ein Fellchen anbot, wenn Du es nahmst und fühltest, wie warm und flaumig es an Deiner Wange lag, und Du es sanft und leicht in Deinen Fellchenbeutel legtest, dann war es wundervoll. Du fühltest Dich anerkannt und geschätzt, wenn Dir jemand ein weiches Fellchen gab, und Du wolltest ihm ebenfalls etwas Schönes tun. Die kleinen Leute von Swabedu gaben gerne weiche Fellchen und bekamen gerne weiche Fellchen. Und ihr gemeinsames Leben war ohne Zweifel sehr glücklich und froh.
Viele Jahre lebten so die Bewohner in Glück und Harmonie. Freud und Leid wurden gemeinsam getragen, keiner verschloss nachts seine Haustür und jeder half dem Nächsten.
Aber unweit vom Dorf hauste ein furchterregender Kobold. Keiner wollte mit diesem schrecklichen Kerl in Verbindung treten; alle hatten Angst. Doch die Einwohner überlegten hin und her, wie man auch mit diesem Kobold Freundschaft schliessen könnte.
Schließlich fand sich ein kleiner, mutiger Junge, der sich anbot, den bösen Kobold in seiner Höhle am Berghang zu besuchen. Viele Freunde gaben dem Jungen das Geleit, aber die letzten tausend Schritte musste er alleine gehen.
Der Junge gelangte an den Eingang der Höhle. Der Kobold fuhr ihn heftig an: «Was willst Du hier?» Der Kleine nahm seinen ganzen Mut zusammen: «Ich heisse Johann und bin 12 Jahre alt. Ich möchte Dich fragen, wie es Dir geht. Bei uns schenkt man einander, wenn man sich begegnet, ein Stück Fell, um zu zeigen, dass man sich lieb hat! Ich habe Dich gern und hier ist ein Fellchen, das ich Dir schenken möchte. Bitte nimm es an!»
Der Kobold wusste nicht, was er antworten sollte. Umständlich nahm er das Stück Fell in die Hand, prüfte es und wollte es achtlos in die Höhle werfen, aber es blieb an seiner Hand haften. So überlegte er, wie er den Dorfleuten einen Streich spielen könnte. Er sagte zu dem Jungen: «Das ist doch alles blödes Zeugs mit Eurer unnötigen Schenkerei. Wenn Du immer Deine Fellchen verschenkst, wirst Du nachher selbst keine mehr haben, dummer Junge!»
Mit diesen Worten schob der Kobold den Jungen aus der Höhle. Dieser murmelte erschrocken einen Abschiedsgruss und lief dann, so schnell ihn seine Füße tragen konnten, zurück zu seinen wartenden Freunden! Der tapfere Junge wurde von seinen Freunden staunend empfangen; er musste immer wieder von seiner Begegnung mit dem bösen Kobold erzählen und von allem, was dieser geantwortet hatte. Schliesslich war das ganze Dorf auf dem Marktplatz versammelt. Manche gaben dem Kobold sogar Recht, denn einige Dorfbewohner hatten nur noch wenige Fellchen, andere dagegen sehr viele. Es war wie immer im Leben: Einige waren recht geizig, andere sehr grosszügig; manche vergassen einfach, die Fellchen von zu Hause mitzunehmen oder waren die gute Gewohnheit leid!
Unbemerkt war der Kobold dem Jungen ins Dorf gefolgt.
Die Swabedudahs erschraken zu Tode, als sie den bösen Kobold in ihrer Mitte sahen. In die Stille hinein rief der Kobold: «Ihr seid ja strohdumm! Warum wollt Ihr immer die kostbaren Fellchen verschenken? Nehmt doch einfach die kleinen Steine, die hier überall herumliegen. Hiervon gibt es immer genug und keiner hat zuviel davon zu Hause liegen!»
Die meisten Leute fanden diese Idee so grossartig, sodass sie sich schnell einigten, in Zukunft so zu verfahren. Nun begannen sie, kleine Steinchen zu sammeln. Bei einer Begrüssung verschenkte man diese anstatt der wunderbaren Fellchen. Die Fellchen waren bald vergessen.
Aber mit der Zeit nahm die Freundlichkeit unter den Swabedudahs immer mehr und mehr ab. Sie entdeckten, dass sie mit den Steinen auch werfen konnten. So gaben sich auch nicht mehr die Mühe, kleine Steinchen zu suchen, sondern griffen auch zu grösseren und schwereren Steinen. Aus der früher so fröhlichen Begrüssung mit den weichen Fellchen wurden jetzt Begegnungen voller Misstrauen. Man fürchtete sich immer mehr voreinander und war nie sicher, ob nicht ein grosser Stein geflogen kam. Das einst so fröhliche Swabedu versank in Angst und Feindschaft.

Eines Tages kam ein weiser Mann auf seiner Pilgerreise durch das Dorf. Er klopfe an die erste Haustür und bat um einen Becher Wasser. Es war das Haus einer alten Dame, die mutterseelenallein wohnte! Sie reichte dem frommen Pilger nicht Wasser, sondern frisches Obst. Die Grossmutter war froh, wieder mit jemandem sprechen zu können, und so erzählte sie dem Pilger von dem fröhlichen Dorf, das durch den Ratschlag des bösen Kobolds in die Irre geleitet worden war.
Da ging der Pilger von Haus zu Haus und bat alle Bewohner, auf den Marktplatz zu kommen. «Warum begrüsst Ihr Euch nicht wie früher mit Fröhlichkeit, Anteilnahme und den seidenen Fellstückchen?», fragte er die Leute. Die Swabedudahs sagten, dass sie Angst um ihre Fellchen hätten, denn einige hätten nur noch wenige Stücke, andere dagegen über hundert. Niemand wollte riskieren, aus lauter Grosszügigkeit alle Fellchen zu verlieren! Da bat der fromme Mann alle, nach Hause zu gehen und ihre Fellchen zu holen. Als alle Fellstückchen vor dem Pilger lagen, mussten die Bewohner einen grossen Kreis bilden und alle Fellchen wurden in die Mitte gelegt. Der Pilger sagte: «Das reicht doch! In Zukunft grüsst Ihr Euch wieder in alter Freundschaft. Wer ein Fellchen bekommt, gibt auch eines. Wer seine Fellchen vergisst, läuft nach Hause und holt sie. So hat keiner mehr als die anderen, und so werdet Ihr wieder in Frieden miteinander leben können!» Nun bat er jeden der Reihe nach ein Fellchen zu holen. Als jeder ein Fellchen in seinen Händen hielt, begannen die Swabedudahs, sich wieder anzulächeln. Bei der dritten Runde fing jemand an zu singen und bald sang das ganze Dorf zusammen wie in alten Zeiten. So wurden alle Fellchen verteilt und als es bereits dunkel war, wollten alle dem weisen Mann danken und ihm ein Nachtquartier anbieten. Aber wie sie auch suchten, sie fanden den Pilger nicht mehr.
Da erkannten sie, dass der Weise vom Himmel geschickt worden war, um den Frieden wieder in ihr Dorf zu bringen.

 

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