Was man sich so alles ersparen kann …

… wenn man Leser und Umsetzer des paradise your life– blogs ist:

Diskretion bitte!

Wir bitten Sie um Diskretion! Bitte Abstand halten! Bitte warten Sie im dafür vorgesehenen Bereich!

So oder so ähnlich lauten die Formulierungen auf Zetteln, Schildern und laminierten Computerausdrucken in schillernden Farben, sobald man sich der Anmeldung in einer Arztpraxis nähert.

Gerne ist auf dem Boden auch eine rote oder blaue Abstandslinie zur Verdeutlichung der Angelegenheit zu sehen. Es ist nicht überliefert, was bei Missachtung der Markierung passiert. Von Todesblicken der mäßig gut gelaunten Oberarzthelferin bis zur Selbstschussanlage ist alles drin, also besser stehenbleiben. Man weiß ja nie.

Die Schlange wird länger, artig quetschen sich alle immer enger hintereinander. Es riecht nach Polonaise, bis dass der eine Patient die Praxis betritt, der die Symmetrie zerstören wird, weil er nicht dauernd eine Tür im Kreuz haben möchte. Er stellt sich seitlich hin. Und dann ist der Damm gebrochen. Aus einer diszipliniert wartenden Menschengruppe wird langsam eine kleine Herde, die sich umeinander knubbelt und wabernd und wogend auf Schuhspitzen und Handydisplays starrt, Krankenkassenkarten auf 50 Grad Celsius knetet, mehrfach das Vorhandensein von 10 EUR (Bitte zahlen Sie passend!!!) oder Überweisung kontrolliert, um dann endlich irgendwann am Tresen zu landen.

Und da stehen sie dann, je nach Naturell leise wispernd oder normal laut sprechend und breiten vor ihrer Herde all die kleinen und großen Sensationen ihres körperlichen Befindens aus.

Frau Meier hat einen hartnäckigen Nagelpilz am rechten großen Zeh und braucht eine Überweisung. Und ihre Schilddrüsenhormontabletten gehen auch langsam zur Neige. Der Herr im Anzug redet etwas leiser, aber die Arzthelferin klärt die Wartenden durch lautstarke Nachfrage schnell auf, dass es sich hier wohl um eine Erkältung handeln muss.

Zwischendurch taucht der Arzt auf und berät sich im Hintergrund mit seiner Kollegin über die Dame aus Zimmer 2, bei der man erst mal sehen muss, ob die Lymphdrainagen etwas bringen. Vermutlich ist das alles ohnehin halb so dramatisch wie geschildert, mal abwarten.

Und so geht es munter weiter, an der Tür stauen sich neue Patienten, und die Diskretion lacht leise und etwas dreckig im Hintergrund, während die Kaffeemaschine vor sich hin blubbert.

Aber eins muss man der Abstandsmarkierung auf dem Boden lassen: sie ist sehr sorgfältig und absolut gerade aufgeklebt worden. Immerhin.

Diese herrliche Satire mit, für Leserbelustigung ausreichend, für Patienten viel zu, vielen Wahrheits- Körnchen stammt von der einmaligen Frau Quadratmeter. Danke!

Eine Antwort zu Was man sich so alles ersparen kann …

  1. inge henneberg sagt:

    Eine herrliche Satire, aber trotzdem, einige Körnchen Wahrheit werden darunter sein.
    Da machen wir doch lieber einen großen Bogen um sämtliche Arztpraxen etc.!

    Paradise your life!

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