Stell dir vor …

Stell dir vor, die anbetungswürdigsten Wesen unserer Kultur kämen durch widrige Umstände in die Hand einer völlig fremden Kultur. Aus Unverständnis ihrer Attraktion und Sprache werden sie ihrer Attribute beraubt und in enge, toiletten- und lichtlose Verschläge gesperrt. Letzte Reste von Mitleid mit ihnen verschwinden nach ihrer zwangsläufig restlosen Eindreckung und ihren verständlichen Aggressionen, spätestens aber durch Abstumpfung, im Laufe der nächsten Generationen oder gar nach Notzeiten, in denen der Wohlgeschmack ihres Fleisches entdeckt wird.
Bald schon werden sie nur mehr als Nutztiere gesehen und ihre Züchter als angesehene und wertvolle Mitglieder, weil Belieferer, der Gesellschaft.

                    

Stell dir vor, eine Welt der Fülle, in der wir völlig kostenlos mit allem beschenkt werden, dessen wir bedürfen, in genau der für uns passenden Qualität und Ausformung. Eine Welt, in der ausschließlich selbstlos geschenkt wird, was aus Fähigkeiten, Interessen und eigenen Antrieben gerne geschaffen wurde.
Nun wird durch widrige Umstände dieses harmonische Gefüge gestört, Mangel tritt auf und einzelne Wesen beginnen, aus mangelndem Vertrauen in die Zukunft, auf den eigenen Vorteil zu achten. Da das scheinbare, kurzfristige Vorteile bringt, breitet sich diese Einstellung rasch aus und wird nach einigen Steigerungsspiralen sogar irgendwann zu einer ‚Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen’- Einstellung.
Niemand bemerkt, dass die Mangelzeiten längst wieder vorbei sind bzw. mit neu gewonnenen Erkenntnissen rasch überwunden werden könnten.
Je rücksichtsloser – man nennt das jetzt ‚erfolgreicher’ – die Wesen sind, als desto angesehener gelten sie. In ihrem Eifer und ihrer Blindheit beginnen sie sogar, Reste des alten Paradieses zu zerstören und festigen damit sogar noch ihre Position und Wichtigkeit. Gelten sie doch nun als kreative Umgestalter und Lieferanten von angeblich wichtigen, künstlichen Ersatzstoffen.

                    

Stell dir eine Gesellschaft vor, in der ausschließlich Liebe und Einheit bekannt sind und gelebt werden. Es gibt weder gut, noch schlecht, sondern nur ‚Es ist’. Es gibt weder leicht noch schwer, sondern nur ‚Es ist gut wie es ist’. Es gibt weder Hass, noch Verurteilung oder Ablehnung, da keinerlei Veranlassung dazu besteht, denn alles ist wunderbar wie es ist.
Jedes Wesen fühlt sich nicht als Einzelwesen, sondern als Teil eines wunderbaren Ganzen, das ihn wunderbar und sicher trägt und an dem er mit Freude und Möglichkeiten mitgestaltet. Eine Welt ohne Trennung, Beurteilung und Egoismus.
In diese Situation wird nun der Same der Dualität gesät. Danach ‚muss’ alles nach groß/ klein, schön/ hässlich und gut/ schlecht beurteilt werden. Jedermensch rückt den eigenen Vorteil in seinen Lebensmittelpunkt, Egoismus wird erst zum vorteilhaften, bald schon zum unum-gänglichen, selbstverständlichen Lebensmotto.
Disput, Streit, ja sogar Kriege werde alltäglich …

                    

Stell dir vor, eine Gesellschaft, in der Krankheiten völlig unbekannt sind. Alle Wesen leben so, wie es ihre Körper verlangen. Damit sind sie optimal fit, um praktisch alle ‚Erreger- Angriffe’ abzuwehren und dauerhaft gesund zu bleiben.
Als eines Tages einige aus widrigen Umständen oder Experimentierfreude beginnen ihre natürlichen Bedürfnisse und Impulse zu missachten, nach Ersatz- oder modischeren Angeboten zu greifen, schwächen sie damit zwar ihre Körper, doch sind diese immer noch stark genug, um nicht zu erkranken. Bald finden sich, wie bei allen Neuerungen, Nachahmer dieser ‚modernen’ Lebensweise; das ‚Virus’ breitet sich aus. Mit Fortschreiten dieser Belastung müssen die Körper versuchen irgendwie zu entgiften. Es wird nun mehr geschwitzt, mehr gestunken, die Nasen rinnen, die Frauen beginnen zu bluten, Kinder husten, Insektenstiche schwellen plötzlich an. Doch die Zeiten der absoluten Gesundheit liegen lange zurück und sind längst vergessen. Die kleinen Unpässlichkeiten werden langsam zu Selbstverständlichkeiten und bald zu Krank-heiten die es nun einmal gibt. Dass es sich um Winke, um Rettungsaktionen der Körper handeln könnte, kommt niemandem mehr in den Sinn. Zu lange liegen die dauergesunden Zeiten schon zurück …
Heiler treten auf den Plan. Diese können zwar nicht oder nur kurzfristig helfen, machen sich aber sehr beliebt, da sie Heilungs- Hoffnungen nähren und von, vielleicht doch noch vorhandenen, Resten von Selbstverursachungs- ‚Schuld’ freisprechen. Die neuen, nun wahren Schuldigen sind erst böse Geister, später dann böse Erreger. Jedenfalls aber werden sie ins Patienten- entlastende Außen verlegt.
Die bald unentbehrlichen und angesehenen Heiler merken bald, dass wirkliche Gesundheit bzw. eine Rückkehr zum alten System sie ihre Position kosten würde. Damit ‚muss’ Krankheit nun endgültig zu einem unentrinnbaren, unbeeinflussbaren Schicksal werden.

                    

All diese ‚Stell dir vor …’ s waren tatsächlich einmal existent. All diese Abstiege passierten tatsächlich und machten aus dem ehemaligen Paradies unsere heutige Welt.
Dennoch besteht die wunderbare Gerechtigkeit dieser Welt darin, dass jedermensch zu bezahlen hat, wieweit er die Naturgesetze missachtet bzw. dass es jedermensch jederzeit möglich ist in dieses ‚alte Paradies’ zurückzukehren.
Die Menschen, die versuchen, – sogar erfolgreich versuchen, Teile dieses Paradieses in unsere heutigen Leben zurückzuholen werden teilweise noch ignoriert, für Fantasten gehalten bis verlacht, immer häufiger aber als Vorreiter anerkannt.
– Ich bin einer dieser Menschen

(Das war mal zur Abwechslung ein kleiner Ausschnitt meines Buches „Geschichten für’s Paradies- Herz“)

 

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2 Responses to Stell dir vor …

  1. susisu sagt:

    Du bist immer wieder für eine Überraschung gut, lieber payoli!
    Diesmal, payoli, der Geschichtenerzähler. Diese Absätze haben mich sehr berührt, bitte mehr davon!
    Bussi
    susisu

  2. inge henneberg sagt:

    Bezeichnend ist, für diese „widrigen Umstände“ sind letztendlich auch wieder wir Menschen verantwortlich, denn in einer paradiesischen Welt ist alles vollkommen.
    Bedeutet auch, ein Fehler zieht weitere nach sich und demzufolge haben wir es bereits mit den Folgen einer Summe unseres Fehlverhaltens zu tun.

    Der erste Teil Deiner Geschichte beschreibt das besonders deutlich, wir leben schon lange nicht mehr in diesen Notzeiten (uns steht ein globales reichhaltiges Lebensmittelangebot zur Verfügung) aber die Mehrheit hat inzwischen das Fleisch und die Tierprodukte zu ihrer Hauptnahrung erkoren.

    Eine unendliche Qual für alle Betroffenen, solange wir das nicht ändern, sind wir weiter denn je vom Paradies entfernt.

    Aber es gibt Lichtblicke, immer mehr Menschen (Du lieber Willi bist einer von ihnen) bemüht sich täglich uns die Augen zu öffnen, daß wir endlich – besser heute als morgen – unser Verhalten ändern.

    Dann klappt es auch wieder mit den paradiesischen Zuständen, es ist unsere Entscheidung, worauf warten wir?

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