Wir konditionieren … tra ri ralala

pissWohl viele werden den Effekt kennen, dass beim Hören von plätscherndem Wasser Harndrang einsetzt.
Das ist eine Konditionierung die entstanden ist, weil wir es immer beim Pinkeln Plätschern hören. Dabei werden zwei Ereignisse unbewusst zusammengekoppelt, sodass beim Auftreten von einem davon auch das andere erinnert wird.

Das passiert aber nicht nur beim Wasserlassen bzw. Plätschern- Hören sondern tagtäglich.
Die schlechte Nachricht: Wir können uns, wenn wir nicht achtgeben recht unangenehme Konditionierungen aneignen oder sogar anderen, besonders Kindern damit schaden.
Die gute Nachricht: Wir können uns ‚frei programmieren‘!

So gibt es Menschen, die sich öfter schnäuzen als notwendig, die öfter aufs Klo gehen als erforderlich, die schneller essen als gut ist. Es gibt Konditionierungen, die bereits knapp an Tics heranreichen, wie zum Beispiel an keinem Spiegel vorbeigehen können ohne hineinzusehen, sich öfter kratzen als es juckt, ständig an der Kleidung herumzuzupfen, sich in die Haare greifen und viele, viele unnötige Bewegungen und Gewohnheiten.

Wir sollten uns klar darüber sein, dass Konditionierungen darin bestehen, dass alle Wiederholungen sich irgendwann verselbständigen.
– Und z.B. aufhören zu räuspern wenn die Verkühlung/ Verschleimung vorbei ist.

Besonders wichtig ist, Kindern keine schlechten oder unnötigen Gewohnheiten anzutrainieren. Alles Einschmieren, Kämmen, ständige Trinken, schnelle Essen, übertriebenes Poputzen, Rücken geraderichten, Füße geradestellen, etc. wird nur all zu oft zur Manie.

Jeder, der heute noch vorm Weggehen aufs WC muss, seinen Teller aufessen muss, zu fixen Zeiten oder im Sitzen essen muss, hatte eine Mutter, die sich ihr Leben vereinfachen wollte. Doch all diese und viele Dinge mehr haben heute keinen Sinn mehr! Es sind bloß alte Konditionierungen, die über Bord geworfen gehören.
Oder auch die Restaurants sind nur deshalb immer voll, weil wir von klein an daran gewöhnt wurden, das Essen serviert zu bekommen.
Stell Dir eine Familie vor, die immer gemeinsam und mit viel Spaß sich das Essen sucht oder zubereitet. In solch einer Umgebung aufgewachsenen Menschen wäre es ein Gräuel in einem Lokal still sitzen zu müssen bis endlich eine seltsam verkleidete Person erscheint, wissen will was man essen möchte, wieder verschwindet und nach noch längerer, langweiligerer Zeit Essen, das man noch nie gesehen hat, vor einen hinstellt! 😉

Doch auch als Erwachsene sollten wir immer wieder unsere Gewohnheiten auf Unsinniges abklopfen. Vielleicht ist die knappe Mittagspause längst Geschichte und wir essen immer noch zu schnell. Vielleicht sind die Zeiten des Stress und des Hasten- Müssens längst vorbei und wir sehen immer noch ständig auf die Uhr, gehen zu schnell, springen morgens auf …
Vielleicht verlangt unsere Haut längst nicht mehr nach Cremen und wir schmieren immer noch. Vielleicht fetten unsere Haare längst nicht mehr wie früher und wir waschen sie dennoch noch immer alle paar Tage. Vielleicht durchwühlen wir immer noch die Angebots- Kisten obwohl unser Kasten bereits aus allen Fugen platzt. Vielleicht bestellen wir in Restaurants immer noch automatisch ein Getränk, auch wenn wir nicht durstig sind. Vielleicht …

 

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