Allerheiligen/ Allerseelen

Allerheiligen

Wieder einmal gedenken wir der Toten, werden von Medien und Pfarrern an unsere eigene Endlichkeit erinnert.
Wieder möchte ich an diesen Tagen daran erinnern, dass unser aller Endlichkeit viel zu kurz ist, selbstverursacht verkürzt wird bzw. wir uns unser Leben verkürzen und erschweren.
Daran erinnern, dass wir durch unsere unparadiesische und nicht artgerechte Lebensweise wunderbare Lebensjahre – ja nichteinmal ‚verschenken‘, sondern – wegwerfen. Dass wir uns durch vermeintlich Gutes unendlich viel Schmerz, seelisch wie körperlich, aufladen.

Das alles müsste nicht sein! Unsere verstorbenen Lieben könnten noch am Leben sein, könnten sich bester Gesundheit erfreuen, könnten mit uns und in Liebe sein!
– Wenn wir bereit wären, die Geschenke des Lebens, wenn wir nur bereit wären das Paradies anzunehmen, wie es für uns vorgesehen ist, wie es uns geschenkt wurde …

Doch noch einen Aspekt dieser Gedenkzeit möchte ich heute beleuchten:
Der Tod ist, trotz allen Schmerzes, den er auslöst, ein starker Motor für unser aller Entwicklung.

a) Wir alle heute Lebende verdanken unseren Vorfahren eine Millionenjahre lange Entwicklung und dadurch unser heutiges so Sein, gesellschaftlich, technisch und biologisch.
Das bedeutet für viele ein Geschenk, einen Vorteils-/ Vorsprungs- ‚Sockel‘ auf den wir durch unsere Geburt gestellt wurden, ohne unser Zutun.
Natürlich kann man darin auch eine Altlast der vergangenen Irrtümer sehen …

b) Der zweite, eher übersehene Aspekt des ‚Motors Tod‘ ist die Tatsache, dass viele Entwicklungsschritte erst DURCH den Tod möglich wurden und werden. Da Weiterentwicklung oft erst durch das Abtreten einer (erstarrten) Generation möglich ist.
Aber auch innerhalb unserer Leben werden viele Abschlüsse, Ziele, Projekte erst durch den Termindruck vor Abgabetermin erreicht. Das kann man auch über die Lebensspanne hin beobachten. Wenn es dem Ende zugeht, hört man all die ‚Es wäre noch soviel zu sagen gewesen‘, ‚Das hätte ich noch gern gesehen‘, ‚Soviel wäre noch zu tun gewesen‘ …

Warum dieser Torschlusspanik- Effekt?
Hätten wir vielleicht gar noch etwas zu lernen?
Existiert der Tod vielleicht gar nur mehr deshalb, um uns zu lehren, dass wir das Leben besser nutzen sollten, dass wir flexibler sein sollten?
‚Müssen‘ etwa gar die alten Erstarrten nur deshalb weg, weil sie der Weiterentwicklung im Wege stehen, weil sie zu unflexibel für das Neue sind?
‚Müssen‘ wir etwa gar nur deshalb so früh sterben, weil das Schicksal durch unsere Erstarrt- und Fixiertheit keine Möglichkeit mehr sieht, uns all die noch vorhandenen Schönheiten zu präsentieren?

Ich kann und will keine Antworten auf diese Fragen geben, weiß, spüre und erlebe aber tagtäglich, dass das Leben es gut mit uns meint und uns weitaus mehr anbietet als wir bereit sind anzunehmen …
Vielleicht denkt die Eine oder der Andere gerade heute daran, sich mehr als bisher, sich mehr als üblich, sich mehr als ‚denkbar‘ vom Leben zu nehmen, offener zu sein.
– Um damit vielleicht sogar dem Tod ein Schnippchen zu schlagen … 😉

 

 

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: