Lachen, das im Hals steckenbleiben könnte

Vom einmaligen Sigi Resl, der mir dazu schrieb:
‚Ja, du darfst meinen Text gerne zitieren – ist ja interessant, welche Kreise der zur Zeit zieht – stammt aus 2007 – und so weit sind wir jetzt gar nicht weg. Womit sich die Grundweisheit eines Satirikers bewahrheitet: „Mach keine Scherze – die werden alle wahr!“ lg Sigi‘.

 

Das Handy der Zukunft
Tagebucheintrag vom Samstag, 24.3.2027:
Seit fünf Wochen irre ich ziellos durch die Stadt und ernähre mich von Essensresten aus den Mülltonnen. Zum Glück gibt es noch überall diese Gratiszeitungen, damit ich mich in den kalten Nächten wenigstens ein wenig zudecken kann, wenn ich unter einer Brücke oder in einem Keller übernachte.
Vor fünf Wochen habe ich also mein Handy verloren – eines der neuesten Generation, das alle Stückerl spielt. Ab und zu schleiche ich noch um mein Auto herum, das seit fünf Wochen auf diesem Parkplatz steht. Ich komme aber nicht hinein, und ich könnte es auch nicht starten – mein Handy diente mir nämlich als Autoschlüssel und Wegfahrsperren- Entsperrung.
Das hätte aber sowieso keinen Zweck, weil ich nicht weiß, wo ich wohne – ich habe mich immer auf die GPS-Funktion meines Handys verlassen. Und auch wenn ich nach Hause fände, könnte ich ohne Handy die Wohnungstür nicht öffnen.
Ich kann mir auch nichts kaufen, da man seit Jahren nur mehr mit Handy zahlt. Ab und zu finde ich ein paar alte Euro auf der Straße, aber immer weniger Geschäfte nehmen Bargeld als Zahlungsmittel an.
Ich wollte natürlich bei meinem Netzbetreiber anrufen, um ein Neues zu bestellen – ich weiß aber die Nummer nicht – die war auf meinem Handy gespeichert. Genauso wie die Telefonnummern meiner Familie und meiner Freunde und Bekannten.
Ich war auch bei der Polizei und im Einwohneramt, aber ohne Handy kann ich meine Identität natürlich nicht nachweisen, nachdem von einigen Jahren alle Ausweise durch das Handy ersetzt wurden.
Diesen Tagebucheintrag schreibe ich mit einem stumpfen Bleistift auf einem kleinen Fetzen Papier – beides habe ich zufällig in einer Mülltonne gefunden. Ich hoffe, das kann irgendjemand noch lesen – meine Schrift ist nämlich unleserlich – schließlich habe ich seit Jahren nichts mehr geschrieben, das hat früher alles der Voice- Recorder meines Handys übernommen.
Jetzt treffe ich mich mit einem Kumpel, den das gleiche Schicksal wie mich traf.
Ich weiß gar nicht wie er heißt – er weiß es ja selbst nicht mehr: Sein Name war nämlich auf seinem Handy gespeichert …

 

 

 

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