Brieferl an unsere JournalistInnen

Liebe LeserInnen,
eine Eurer Rückmeldungen hat mich sehr berührt – Danke! – und ich habe bereits einen meiner Artikel dahingehend nachgebessert, einen sehr angriffigen und kritischen Text in einen positiven und – hoffentlich – konstruktiven Brief umgearbeitet (siehe ‚Zuckerrüben für Österreich …‚ und ‚Entschuldigung und zweiter Versuch‚).
Das will ich zukünftig mit einer Reihe von Briefen an gewisse Menschen und Berufsgruppen fortführen. Nach einem ebenfalls etwas angriffigen Text (‚Wertigkeiten/ Wichtigkeiten‚) starte ich heute mit einem Brief an die JournalistInnen:

Liebe JournalistInnen!
Ihr macht wunderbare Arbeit, seid bestens ausgebildet, habt sicherlich Spaß an Eurer Arbeit und seid topaktuell positioniert.
ABER ich würd mir noch etwas mehr und fallweise anderes wünschen!
Brief1Ich frag mich bei jeder News nicht ‚War das aktuell, reißerisch, überraschend genug für mich?‘ sondern frage mich ‚Was hat diese Meldung mir genützt?‘. Und für solch eine Bewertung schneidet Ihr leider grottenschlecht ab.
Wenn wir auch in einer ‚Millionenshow- Bildungswelt‘ mit auswendig gelernten Antworten auf vorgegebene Fragen leben, denke ich dennoch lieber selber und fände das auch für meine Mitmenschen günstiger. Dazu bedürfte es aber Eurer Anstöße und Informationen, bedürfte es einer breiteren Angebots- Palette!

Einerseits ist mir Eure Arbeit zu ‚festgefahren‘, zu ‚reglementiert‘, zu ‚eng‘, andererseits, vermutlich durch den US- Einfluss, wie schon angesprochen, nicht Wichtigkeits-/ Nützlichkeits- sondern News- orientiert.

Ok, es haben sich gewisse, scheinbar allgemein akzeptierte Strukturen in unserer Gesellschaft historisch herausgebildet. ABER wer sonst, wenn nicht Ihr, wäre in der Lage und verpflichtet, neben den Info- Hauptstraßen auch die winzigen Schleichwegerl aufzusuchen und in die mediale Landkarte einzutragen?
DENN die Zeiten haben sich geändert! Nicht zuletzt durch Eure Arbeit haben wir erfahren, dass jede Menge Gefahren in unserer Entwicklung, in der von uns begangenen gesellschaftlichen Sackgasse lauern.
Viele bereits sind Eurer Berichterstattung vorausgelaufen bis ans Ende dieser Gasse und wissen nun, dass es SO sicher nicht weitergehen kann und haben sehr vielversprechende Auswege erkannt und teilweise schon erprobt.
Wer, wenn nicht Ihr, hat die Möglichkeit bis Verpflichtung diesen Alternativen Raum zu geben!?

ABER nicht wieder in (kleinen) Dokus NEBEN der mainstream- Berichterstattung, sondern IN JEDER Meldung.
Denn derzeit erinnert Ihr mich etwas an die großen Tabakkonzerne der 1970er- Jahre, die sich finanziell an staatlichen Antirauchkampagnen beteiligten, da sie erkannten, dass die erhöhte Publicity den Verhinderungseffekt bei weitem übertrifft.
Auch Ihr zementiert mit jeder Meldung das ‚alte, längst überfällige System‘ das schleunigst reformiert gehörte, neuerlich ein. Dagegen bewirkt eine Meldung zwischendurch über gewisse Umweltbelastungen, über die Wirkungslosigkeit träger Staatsapparate, über die Ineffizienz des Gesundheitssystems, über den grottenfalschen Ansatz des Bildungssystems, über das längst überfällige, als eklatant ungerecht und zerstörerisch entlarvte Finanzsystem, etc. zu wenig bis gar nichts.

Diesbezüglich passiert m.E. viel zuwenig. Es werden primär Agenturmeldungen nachgebetet, immer dieselben Leute interviewed, jeder Politiker- Furz breitgewalzen. Bund, Land, Minister, Beamte … alles recht schön und gut. Aber dieses Land funktioniert wegen seiner tüchtigen Leute, deren Fähigkeiten, Interessen und gemeinnütziger Arbeit. Diese Situation finde ich in Eurer Arbeit nicht repräsentativ abgebildet.

Und zum US- Einfluss: Was scheren mich Neuigkeiten!? Was kümmert mich das bestens bekannte Fahrrad, das in China umfällt!? Ich will Informationen, Unterstützung und Hilfen für MEIN Leben, für MEINE Familie, für meine Mitmenschen!

Ich bin überzeugt davon, dass viele von Euch mich verstehen werden. Einige arbeiten auch schon so. Aber vielleicht könnten es doch noch einige mehr werden, die auch mal eine positive, konstruktive Meldung bringen, einen unbekannten Erfolgreichen interviewen, Unkonventionelles fernab der ausgetretenen Kultur-, Politik-, Wirtschafts-, Bildungs-, etc. Pfade bringen. Und vor allem diese unsäglichen mainstream- und perfidest gesteuerten Agentur- und Pressekonferenz- Meldungen weglassen!
Es tut mir einfach weh, wenn all diese unsäglichen Uralt- Saurier Schule, Politik, Wirtschaft, Gesundheitssystem, Wissenschaft nicht nur tagtäglich so unangekratzt davonkommen, sondern mit jeder aktuellen Meldung die sie tangiert wieder ein Stück weiter bestätigt und gefestigt werden.
Das Internet mit seiner Vielfalt zeigt doch schon wunderbar vor WIE vielfältig und bunt jeder Begriff gesehen werden kann! Dagegen schlaffen die ‚großen Medien‘ hoffnungslos ab, denke ich mir. Und das müsste nicht sein. Es sollte jeder Aspekt, jede Meldung in ihrer bunten Vielfalt glitzern dürfen. Auch auf Kosten der Vielzahl!

Liebe Leute, bitte treibt es künftig ‚ganz wild‘! Pfeift auf die Minister, Fachleute und Pressekonferenzen! Bringt die Schulversager- Meinungen bei Bildungsthemen, berichtet über Vereinsbildungen anstatt von Terroranschlägen, portraitiert die vielen, vielen medizinlos wieder Gesundeten statt der präpotenten Primari, lasst Polizisten über Emigranten- Kontakte erzählen, hinterfragt Etabliertes wann immer ein Thema es tangiert, bringt zu jeder mainstream- Meinung eine ‚völlig ver-rückte‘ Alternative!
Dann wär‘ ich glücklich!
Euere Arbeit wäre spannender,
und unsere Welt bunter!
Danke!

Liebe LeserInnen, schickt Eurem, schickt allen JournalistInnen den link dieses Textes! Jeder hat so seinen Lieblingssender, seine Lieblingszeitung oder Illustrierte, die noch etwas nachgebessert werden könnte. Es geht um UNSER Leben! Um unsere Bildung und Gesundheit, um unsere bunten Leben, um unsere Freiheit! Danke!

 

 

 

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One Response to Brieferl an unsere JournalistInnen

  1. diegärtnerin sagt:

    Ich denke Journalisten sind wohl weniger Täter als Opfer. Denn viele Firmen, Politiker, Wissenschafter, Mediziner spielen sehr virtuos auf den Pressekonferenz und -aussendungs- Orgeln. Und mit irgendeinem Material muss doch eine Zeitung oder Sendezeit gefüllt werden.

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