Joey Kelly’s Blinder Fleck

Wenn ich unterwegs bin, hab ich fast immer ein so schön klein zusammenknüllbares Nylonsackerl mit, wie man es in Supermärkten gratis kriegt und das vermutlich demnächst tatsächlich von der wunderbar weitsichtigen EU zwink verboten werden wird. Da tu ich alles an (meist) Grünem rein, das mir ins Auge fällt. Egal ob zu Fuß oder per Rad, ich seh mir immer irgendwo etwas Essbares. Und meist ist das Sackerl, wenn ich heimkomm schön prall gefüllt und wandert entweder sofort in die Salatschüssel oder in den Kühlschrank für einen herrlichen Wildkräuter- Smoothie am nächsten Morgen.

JoeyAls ich kürzlich wieder einmal erfreut meine Beute hochhielt und betrachtete fiel mir das sehr interessante Buch ‚Hysterie des Körpers‘ von Joey Kelly ein, in dem er seine Deutschland- Durchquerung von Wilhelmshafen bis auf die Zugspitze beschreibt. Er ging zu Fuß und hatte sich vorgenommen nur zu essen was er unterwegs findet.
Das waren täglich von Feldern geklaute und am Lagerfeuer gekochte Erdäpfel, Äpfel und Pflaumen, ‚aufgepeppt‘ mit für Joey offensichtlich wertvollen Fundstücken, wie feuchte Hundeleckerlis (auf trockenem Weg!), abgenagte Pizza- Ränder aus dem Mistkübel, verlorene oder ausgespuckte Tic Tacs und als ‚high light‘ der selber gegrillte Schlögel eines totgefahrenen Hasens.

Ok, Letzteres versteh ich noch irgendwie …
Aber bitte, wie kann man an abertausenden von Wildkräutern vorbeilaufen und angelutschtes Hundefutter essen!?
Daran sieht man wieder was Zivilisation aus einstmals Naturwesen machen kann, die Jahrmillionen bestens und vor allem zufriedener und weitaus gesünder lebten als wir heute!

Aber seine Challenge und sein Buch haben mir dennoch sehr gut gefallen …

 

 

 

2 Antworten zu Joey Kelly’s Blinder Fleck

  1. GreenPower sagt:

    Ja, der Joey. Der ist wirklich klasse. Aber man sieht, dass er ein Nachfahre irischer Einwanderer ist, die das Richtig-Essen verlernt haben! Extrem viele Iren sind ja infolge der in Irland herrschenden Hungersnot um 1850 nach New York gereist. Und warum gab es in Irland eine Hungersnot? Weil die Iren nur noch Kartoffeln anpflanzten, die auf ihrer Insel überhaupt nicht heimisch waren! Als die Kartoffeln durch massenhafte Anpflanzung und daraus resultierender Monokultur den Insekten (Käfern) und Krankheiten (Pilzbefall etc.) nicht mehr richtig wuchsen, hatten die Iren nichts mehr zu beißen. Beziehungsweise MEINTEN sie das, denn in ihren Augen waren ja nur noch Kartoffeln genießbar und sonst nichts. Und das auf der GRÜNEN Insel Irland! Die Iren waren also nach kurzer Zeit der Kartoffelanpflanzung schon nicht mehr in der Lage, sich von dem zu ernähren, was ihre Vorfahren seit Jahrtausenden auf ihrer Insel hielt. Und dann flohen die Iren in Scharen von ihrer Insel, auf nach Amerika. Dort gründeten sie sogar ein Herrscher-Geschlecht, die Kennedys, aber ihre frühere Intelligenz haben sie nie wieder zurückerlangt, nämlich: wie ernährt man sich klug von dem, was die eigene Umwelt hergibt! Schade um die Iren. Und schade um Joey. Aber vielleicht lernt er ja noch. Er muss ja nur regelmäßig bei Payoli vorbeisurfen und seine Augen aufmachen. Wenn man nur ausgespuckte TicTacs isst, wird man jedenfalls weder klüger noch gesünder… davon wird auch Joey bald Arthrose bekommen, und dann kann er nicht mehr quer durch Deutschland oder von der West- bis zur Ostküste wandern. Dann kann er nur noch humpeln. TicTac und Pizzaresten sei’s gedankt….

  2. schorsch sagt:

    Das ist knackig bündig! Super- Zusammenfassung! Echt Top!

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