Was Kinder brauchen (2)

Findet Jungmutter neben dem Ershoppen all der unnützen aber soooo süßen Babysachen noch Zeit sich ihr Kleines einmal genauer anzusehen, es zu beobachten, wird sie feststellen, dass sie einen nackten Affen geboren hat. Denn Baby zeigt absolut kein Verhalten das man von erwachsenen zivilisierten Menschen kennt. Doch alles, was Baby kann und tut, können und tun auch kleine Affen. Baby ist sogar so kräftig, dass es sein Körpergewicht mit den Händen halten kann, sich also auch an Mamas längst nicht mehr vorhandenem Fell festhalten könnte. – Wie ein kleiner Affe!

Mehr als naheliegend also auch die Überlegung, dass Baby mehr, wenn nicht sogar alle die Bedürfnisse hat, die Kleinafferl haben. Und sicher kein Bedürfnis nach entzückenden Stramplern, blinkendem Plastikspielzeug, sprechenden Puppen, Babynahrung, Trinkfläschchen und ‚1000‘ anderen Dingen die Designern sonst noch so eingefallen sind.

affenbabySo, da liegt nun ein kleiner nackter Affe mit Affen- Bedürfnissen und soll ein zivilisierter Mensch werden …
Halt! ‚Soll‘ er überhaupt!?

Wollen wir wirklich unser Liebstes in Hamsterräder die uns schon schlauchen und stressen rein- erziehen!? Sind wir sooo glücklich mit unserem Leben, dass wir das auch für unser Kind wollen? Sind wir in unseren Schulen tatsächlich so glücklich gewesen?

Ich sag jetzt einmal etwas ganz Freches: Alle Nicht- oder nur Gering- Bewussten sind mit ihren Leben zufrieden. Ist auch gut so. Sollen sie sein. Sie werden natürlich ihr Kind er- ziehen. Denn von alleine wird kein Primate zu einem linlientreuen Konsumenten und einer ‚Arbeitsameise’. Diese Leute pfeifen also auf die Bedürfnisse ihrer Kinder und biegen sie immer weiter auf Menschenbahn …

Das hat den ‚Vorteil‘, dass sie später einmal lebenslang einer Bedürfnisbefriedigung die sie nie erreichen werden, nachhängen können. Das heißt, sie werden ‚gute‘ Konsumenten und damit zwangsläufig auch gute ‚Arbeiter‘.

Etwas bewußtere Menschen haben diese Zivilisationsfallen bereits erkannt, haben erspürt, dass Zivilisationsleben mit der Erfüllung ihrer Ur- Bedürfnisse nichts zu tun hat, dass Konsum immer nur kurzzeitig befriedigt, dass unser Zusammenleben weder sozial noch liebevoll oder erfüllend ist, dass Tiermorde, Hungerkatastrophen, Umweltzerstörung und Kriege unerlässlicher Teil des Zivilisationslebens sind.

Sie haben zu entscheiden, ob sie ihr Kind nun dahin er- ziehen oder es sich einfach ent-falten lassen und es dabei unterstützen.

Doch das ist nicht ganz so einfach! Zu weit haben wir uns alle schon entfernt von einem ‚artgerechten‘ Affenleben.

Allein schon unsere Exklusivpartnerschaften!: Horror pur!

– Bis auf wenige glückliche Ausnahmen.

Absolut kein Umfeld für ein harmonisches Heranwachsen!

Die Eltern aber können da gar nicht soviel dafür. Der Fehler steckt schon im System!

Unsere Primaten- Vorfahren lebten in Gruppen unterschiedlicher Alter, Fähigkeiten und Temperamente zusammen. Mütter waren entlastet, da sich immer jemand um die Kleinen ‚gerissen‘ hat. In solchen Gesellschaften: Jeder findet immer jemanden, der seine augenblicklichen Bedürfnisse abdeckt. Und Baby hat immer eine sozial überaus lehrreiche und harmonische, vertraute Gruppe um sich. – Geborgenheit pur!

Exklusivpartnerschaften hingegen müssen fast immer schiefgehen. Denn Frau erwartet von ihrem Mr. Right, dass er nun alles für ihr Wohl right machen wird. Und er denkt sich ‚Endlich die Frau, die mir jetzt alle meine Bedürfnisse erfüllt!‘.

Beides ist nur in ganz, ganz seltenen Ausnahmefällen möglich!

Die immer weiter steigenden Scheidungsraten sind also sicher kein Zufall. Und Baby, das Harmonie, Liebe und Zuwendung bräuchte, geht leer aus und wird zu einem dementsprechend neurotischen Erwachsenen …

Doch selbst wenn es klappt mit den beiden, sie vielleicht sogar in eine Großfamilie eingebunden sind: Es gibt in dieser Gesellschaft viel zu viele Irrtümer, Tabus und Zivilisationsverirrungen um Bedürfnisse kleiner Äffchen zu stillen!

24 Stunden Körperkontakt: nicht gewollt!

Ganztägig herumgetragen zu werden: nicht gewollt!

Gleich nach der Geburt abgeleckt, ja nichteinmal ganzkörpergestreichelt zu werden: nicht üblich!

Freier Zugang zur Intimzone: Durch Dauerwindeltragen blockiert!

Bei jedem Bedarf trinken können: Nicht erwünscht! …

Es geht also, selbst bei vorgeblich liebenden Eltern primär um die gedankenlose Einhaltung gesellschaftlicher Konventionen als um die Befriedigung von Babys Ur- Bedürfnissen.

Vielleicht ist das die Antwort auf den ‚bösen‘ Spruch: ‚Wenn ich mir so süße Babys anseh, frag ich mich woher all diese unmöglichen Erwachsenen herkommen‘      zwink

Mit den täglichen ‚Kleinigkeiten‘ die Baby oft förmlich in ‚Abgründe‘ stoßen, könnte ich jetzt noch Seiten füllen. Vielleicht ein Beispiel noch, bevor ich alle, die Veränderungs- Willigen mit der ‚Äffchen- Theorie‘ als Anregung selber weiterdenken lasse:

Das scheinbar harmlose Raum- Verlassen der Mutter kann unendliche Ängste beim Baby auslösen, die wiederum die Basis für zahlreiche lebenslange Verlustängste bilden können. Babys empfinden sich eins mit der Mutter und können nicht wissen, was Mutter weiß: Dass sie ohnehin wieder zurückkommen wird. Man kann solche Trennungsschmerzen durchaus – nur um es zu verdeutlichen bzw. nachvollziehbar zu machen – mit dem Ableben eines geliebten Menschen vergleichen …

Alles Liebe allen künftigen Babys wünsche ich Euch, mir und uns allen.

 
PS: Der erste Teil liegt schon etwas länger zurück. Hier der link:
Was Kinder brauchen (1)

 

 

 

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