Wem nutzt Krebsfrüherkennung?

Nicht nur als payoli muss man den Medizin- Machenschaften kritisch gegenüberstehen.
Johannes Mandt, der mit Eigeninitiative seinen Bauchspeicheldrüsenkrebs überlebte, schreibt zu diesem Thema:

Nach allem, was so in der öffentlichen Meinung verbreitet wird, könnte angenommen werden, dass nach Einführung der Früherkennungsprogramme im Jahre 2005 die Sterblichkeitsrate gesunken wäre. Doch die amtliche Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamt zeigt gerade bei den meist beworbenen und von den Krankenkassen bezahlten Krebs-Früherkennungsprogrammen Mammografie-Screening und PSA-Test einen deutlichen Anstieg der Sterblichkeit. So stieg die Zahl der Brustkrebstoten von 17616 im Jahr 1999 auf 17748 im Jahr 2012, bei Leukämien von 7020 auf 7600, bei Prostata-Krebs stieg die Sterblichkeit im gleichen Zeitraum sogar von 11123 auf 12957, Fälle pro Jahr.

In seinem Buch „Ärzte gefährden ihre Gesundheit“ überschreibt der Medizinjournalist Bernd Neumann das Kapitel Brustkrebs-Screening ab Seite 86: Zahlenjongleure machen Stimmung. So sterben in der Altersgruppe 50 bis 69 – Frauen dieser Gruppe werden alle zwei Jahr zum Screening schriftlich eingeladen – ohne Screening vier von 1000 Frauen an Brustkrebs, in der Screening-Gruppe aber nur drei von 1000 ( was natürlich 25 Prozent relativer Reduktion entspricht). Mit anderen Worten: Die absolute Reduktion durch Screening beträgt eine von 1000 Frauen, also nicht mehr als 0,1 Prozent!

Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, dem der notwendigen Behandlungen pro verhindertem Todesfall, bedeutet das, dass 1000 Frauen zehn Jahre lang am Screening teilnehmen müssen, damit ein Todesfall verhindert wird. Die mittlere Lebenserwartung erhöht sich durch Teilnahme am Mammografie-Programm der 50- bis 69-Jährigen um zwölf Tage.

Wussten Sie, dass der Nutzen so gering ist? Oder hat Ihr Gynäkologe irgendwas von 27 Prozent erzählt? Und wir sind noch nicht fertig, den bisher haben wir nur den möglichen Nutzen betrachtet. Wie aber sieht’s mit den Nachteilen aus?

Wie bei allen Screening-Maßnahmen gibt es bei der Mammografie Frauen, die ein falsch-positives Ergebnis erhalten, die das Screening also krank stempelt, während sie in Wahrheit völlig gesund sind. In einer Studie mit 26.000 Frauen zeigte sich, dass neun von zehn vermeintlichen Brustkrebsfällen Falschmeldungen sind. Das bedeutet, dass in Deutschland Zigtausende Frauen zunächst in Todesängste gestürzt werden, sie im harmlosen Fall eine weitere Mammografie oder aber eine Gewebeentnahme (Biopsie), eine brusterhaltende Operation (Tumorektomie) oder gar eine vollständige Entfernung der Brust (Mastektomie) erleiden.

Neben jenen Frauen, die tatsächlich Brustkrebs hatten und als solche erkannt wurden (richtig-positiv) und den Falsch-Positiven, die möglicherweise ziemliche Torturen durchstehen müssen, gibt es natürlich noch zwei weitere Gruppen. Da sind zum einen die Richtig-Negativen, bei denen korrekterweise festgestellt wird, dass sie keinen Brustkrebs haben. Zum anderen sind da noch die Falsch-Negativen, die eigentlich erkrankt sind, bei denen die Mammografie aber Entwarnung gibt. Die Rate der Falsch-Negativen liegt bei fünf bis 20 Prozent, je jünger die Frau, desto mehr.

 

 

 

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