Unglaublich!

Schon 1956 schrieb der wunderbare Erich Fromm in seinem genialen ‚Die Kunst des Liebens‘:

Der moderne Mensch ist sich selbst, seinen Mitmenschen und der Natur entfremdet. Er hat sich in eine Gebrauchsware verwandelt und erlebt seine Lebenskräfte als Kapitalanlage, die ihm unter den jeweils gegebenen Marktbedingungen den größtmöglichen Profit einzubringen hat. Die menschlichen Beziehungen sind im wesentlichen die von entfremdeten Automaten.
Jeder glaubt sich dann in Sicherheit, wenn er möglichst dicht bei der Herde bleibt und sich in seinem Denken, Fühlen und Handeln nicht von den anderen unterscheidet. Während aber jeder versucht, den übrigen so nahe wie möglich zu sein, bleibt er doch völlig allein und hat ein tiefes Gefühl der Unsicherheit, Angst und Schuld, wie es immer dann entsteht, wenn der Mensch sein Getrenntsein nicht zu überwinden vermag.
Unsere Zivilisation verfügt über viele Betäubungsmittel, die den Leuten helfen, sich ihres Alleinseins nicht bewußt zu werden: Da ist vor allem die strenge Routine der bürokratischen, mechanischen Arbeit, die verhindern hilft, daß sich die Menschen ihres tiefsten Bedürfnisses, des Verlangens nach Transzendenz und Einheit, bewußt werden.
Da die Arbeitsroutine hierzu nicht ausreicht, überwindet der Mensch seine unbewußte Verzweiflung durch die Routine des Vergnügens, durch den passiven Konsum von Tönen und Bildern, wie sie ihm die Vergnügungsindustrie bietet; außerdem durch die Befriedigung, ständig neue Dinge zu kaufen und diese bald wieder gegen andere auszuwechseln.
Der moderne Mensch kommt tatsächlich dem Bild nahe, das Aldous Huxley in seinem Roman „Brave New World“ (1946) beschreibt: Er ist gut genährt, gut gekleidet und sexuell befriedigt, aber ohne Selbst und steht nur in einem höchst oberflächlichen Kontakt mit seinen Mitmenschen …

So früh, so treffend!
Was würde er wohl zu den heutigen tablet- ‚Wischern‘ und Couch-Potatos sagen!?

 

 

 

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5 Responses to Unglaublich!

  1. relaxedlive sagt:

    Faszinierend diese Weitsicht.
    In der Mitte des 20. Jahrhunderts konnten die anscheinend die Zukunft „erahnen“.
    Wenn man bedenkt, dass auch „1984“ bereits 1948 geschrieben wurde.
    Habe mal ein schönes Zitat gelesen „Die NATUR ist unser Therapeut“.
    Es stimmt, wir können so viel lernen von der NATUR.
    Selbstheilung. Immer wieder aufstehen. Schönheit. Vitalität. Leben.

    • payoli sagt:

      Schön Deine Zusammenfassung! Danke!

      • relaxedlive sagt:

        Mich würde eines interessieren…
        Meinst Du die haben das so vorhergesehen oder ist es so gekommen weil die das so geschrieben haben?
        Gutes Beispiel: Raumschiff Enterprise aus den 70ern, Bildtelefonie uvm … bis auf das Beamen gibt´s eigentlich mittlerweile vieles aus dieser Fernsehserie.

        • payoli sagt:

          Keine Ahnung! Ich weiß nur, dass man weder die Macht der Gedanken, noch die Sensibilität mancher Menschen unterschätzen sollte.

  2. genogramma sagt:

    erich fromm ist ein herausragender psychoanalytiker gewesen, seine bücher lese ich auch gern.
    eine anderer analytiker aus der schweiz ist ebenfalls sehr lesenswert, arno gruen und sein buch „dem leben entfremdet“.

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