Der Umdreher

Durch meine langjährige Befassung mit freilebenden Tieren und mit der Natur rutschte ich irgendwann in einen ständigen ‚Vergleichs-, Umdreh- und Austausch- Modus‘.
‚Was würde ein Affe in dieser oder jener Situation tun?‘ oder ‚Was wäre für mich als Primate besser als als Mensch?‘ und ähnliche Fragen wurden zu meinem Alltag.
Auch in anderer Situationen tauschte ich mich in der Fantasie oft schon ein. Oder veränderte anderen Personen ihr Verhalten und hinterfragte, was günstiger für sie wäre. Oder im Kopf Rollen tauschen …
Das alles sind nette, oft lehrreiche Spielchen die man ausbauen kann bis zur Überforderung

Meine letzten Strategie- Überlegungen löste der Rücktritt dieses ‚Liederbuch- FPÖlers‘ aus.
Er erklärte seinen Rücktritt damit, dass die Hatz auf ihn so unerträglich war und er sein Haus schon über den Zaun verlassen musste.

Da fragt sich der ‚Umdreher‘: Hätte er nicht mehr Größe gezeigt, wenn er mit einem Schuldeingeständnis oder mit Betroffenheit über sein Verhalten zurückgetreten wäre?

Damit mit diesem einen Bauernopfer nicht gleich wieder alle bestehenden Probleme unter den Teppich gekehrt werden:
Könnte nicht die Gesellschaft etwas lernen von diesem Mann?
Zum Beispiel könnten und sollten sich häufiger alle fragen: Wozu brauchen wir bestdotierte und hochangesehene Obmänner, Direktoren, Manager, Aufsichtsräte, Minister, etc., wenn diese nicht über die Vorgänge in ihrem Ressort lückenlos Bescheid wissen müssen, nicht für alles verantwortlich sind?
Diese kolportierten 11 Jahre, die dieser blaue Politiker alt war, als dieses Nazi- Liederbuch gedruckt wurde, werden vermutlich schon stimmen. Doch kann man sich einfach auf einen ‚Obmann- Sessel‘ setzen ohne sich einen Deut um das Vorangegangene zu scheren?

Würden alle Führungskräfte ihre Verantwortung ernster nehmen, hätte das ausschließlich Vorteile für alle:

Entweder sie kümmern sich selber um lückenlos alles, um es verantworten zu können.
Dann würden vermutlich die Strukturen wieder kleiner und überschaubarer werden müssen, der wunderbare Leopold Kohr wäre wieder einmal bestätigt und wir alle würden qualitativ davon profitieren.

Oder
diese Leute delegieren weiterhin, sind aber für alles verantwortlich. Denn man kann nicht Verantwortung für etwas abgeben, was man selber nicht verantworten könnte.

Nun haben wir wieder etwas dazugelernt und dieser Rücktritt war ja doch ein Segen …

 

 

 

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