Was weißt Du?

15. Februar 2022

Was weißt Du über die Menschen, die Dein Schnitzel, das Du heute vom Supermarkt mitgenommen hast, verpackt haben?
Was vom Fleischhauer, der dieses Tier geschlachtet hat?
Wenn es überhaupt noch ein Fleischhauer, wenn es nicht bereits ein automatisiertes Tötungsfließband war …
Was weißt Du über dieses Tier, wie es gelebt hat? Wie es gefüttert wurde, was es erleben durfte? Wie roh oder liebevoll es behandelt wurde …

Was weißt Du über Dein Brot!?
Wer hat den Teig gerührt? Geknetet? Ein Mensch, eine Maschine?
Woher kam das Getreide? Aus der Region? Aus einem Land in dem Menschen verhungern?
Wie wurde der Teig zubereitet? Wieviele Backhilfsmittel/ Chemikalien beinhaltet er?
Ist Dein Brot ein hier bloß aufgebackenes, in China produziertes? Weißt Du wie dort in China die Arbeitsbedingungen sind?

Kaufst Du auch ständig Dinge, von denen Du nicht den geringsten Schimmer hast, woher sie kommen, wer sie hergestellt hat, woraus sie bestehen?

Und arbeitest auch Du in so einem anonymisierten Betrieb, stellst Dinge her, bestellst deren Materialien, wartest die Produktionsmaschinen, von Dingen die irgendwohin gehen?

All das kenne ich auch. Das ist eben der heutige Zeitgeist …

Doch ich kenne auch noch andere Zeiten. Ich weiß noch welcher Tischler, mit welchen Gesellen meine Fenster machte, meinen Fußboden verlegte. Ich sehe jetzt noch oft den Maurer, der mein über 100 Jahre altes Haus sanierte und freu mich jedesmal und plaudere gerne mit ihm. Ich weiß genau von wem ich welche Pflanze habe, auch wenn diese schon in x- ter Generation bei mir lebt.

Ich freu mich jedes Jahr wieder auf die für mich ganz besonderen Äpfel eines Bekannten. Ich kenne nicht nur ihn, sondern jeden Baum seines Gartens und er meine Aktivitäten mit seinen Äpfeln, vom Dörren bis zum Most- und Essigmachen.

Kürzlich fragte ich sogar meine steinalte Mutter, die nicht weit von mir lebt, wer wohl meine wunderbaren Türstöcke und Türen – obwohl längst neu lackiert – getischlert haben könnte. Doch, nein, leider! nicht mehr eruierbar. Aber es war zweifellos ein Handwerker aus dem Ort, da die Dörfer damals absolut autark bis autonom wirtschafteten. Nur die vor weit mehr als 100 Jahren Fleißigen kennt leider heute niemand mehr. Aber ich lasse dennoch noch immer oft und gerne meine Hände oder Blicke über diese ‚Holzkunstwerke‘ gleiten und versuche mich mit diesen wunderbaren Menschen, von denen soviel ihres ‚Herzblutes‘ und Schweißes in diesen Arbeiten steckt zu verbinden.

Auch meine, noch viel älteren Möbel … Ich könnte knien vor ihnen! Diese Präzision, dieser Charme! Und all das ganz ohne CAD, Designer und Maschinen! Einfach unglaublich! – Aber wunderbar menschlich.
Es mag Unsinn sein, doch ich vermeine dennoch oft noch deren Energie und Liebe, in jedem Fall aber, die für heutige Begriffe, absolut unvorstellbaren handwerklichen Fähigkeiten, zu spüren

Entschuldige bitte! War bloß so eine unwichtige Rumspinnerei von mir. Lass Dir Deine Lust an anonymen Plastik- und Wegwerfdingen nicht vermiesen.
Das sind bloß ein paar so alte Kracher, denen noch so völlig unmodern die Tränen runterrinnen, wenn sie ein Holzstück finden, das ihr Großvater auf der Hoanzlbank zugerichtet haben könnte …

Ich geh jetzt raus um herrlich frisches Grün zu sammeln, über das und seine generationenlange Geschichte ich mich ebenso freue wie über all meine anderen Schätze zu denen ich eine tiefe und liebevolle Beziehung habe …

In diesem Sinne

, das ja auch nicht eben das Allerjüngste und Neueste, schon gar nicht Anonymste ist