Nur die Harten …

7. Mai 2012

Kürzlich (hier der link) hab ich empfohlen, sich gerade die Vorlieben genauer anzusehen, an denen man besonders hängt. Denn gerade sie sind es oft, die uns Probleme machen.
Ich hab primär kulinarische ‚Lieblinge‘ gemeint und wie ich den feedbacks entnehmen konnte, wurde das auch so verstanden.

Bloß, das gilt auch für andere Verhalten!

Ein Beispiel: Wir alle haben es gerne warm. Deshalb will sich fast niemand kalt abduschen, geschweige denn in kaltes Wasser springen.
Tatsache aber ist, dass mittlerweile das komplizierte Pendent zum einfachen ‚im Winter draußen nackt herumzulaufen‘, die medizinische, sogenannte Kälte- Therapie in einer hochtechnisch komplizierten Kältekammer sowohl verordnet als auch bereitwillig angenommen wird. Ja sogar sensationelle Erfolge feiert!

Wie dieses?
Bei aller Ernährungsvorsicht und Bewegungsfreude fehlen unseren von Kleidung und Klimaanlagen verwöhnten Körpern immer noch die ursprünglichen Reize, denen wir früher durch Witterung, Dickichtdurchquerungen und andere ‚Wild- Lebens- Auswirkungen‘ ausgesetzt waren.
Deshalb würden fallweise Bürstungen, Abrubbelungen, kalte Duschen und Güsse zumindest ein Minimum unserer Urbedürfnisse an Außenreizen abdecken.

A propos ‚Güsse‘! Die hat schon vor langer, langer Zeit der Pfarrer Kneipp höchst erfolgreich angewandt. Sieht man sich heute die Arbeit seiner Nachfolger – um nicht zu sagen ‚Namensmissbraucher‘ – an, ist einem zum Weinen zumute! Kaum noch etwas von all diesen wunderbaren Therapiemethoden ist mehr übrig. Die Menschen werden heute unter dem Namen ‚Kneipp‘ mit Wellness- Zeugs eigelullt, das den armen Pfarrer vermutlich unter der Erde ‚zentrifugieren‘ läßt …
Deshalb liebe Leute: Wenn ausschließlich Angenehmes uns gut täte, müssten wir in unserer heutigen reichen Zeit die gesündesten aller Menschen sein.
Sind wir aber nicht! Ganz im Gegenteil!
Deshalb: Gönn Dir den ultimativen Schock! Dreh nach der wunderbar warmen bis heißen Dusche, nach dem Bad kurz das Mischventil auf ‚kalt‘!
Wenn man dabei schreit ist es weniger schlimm, aber doppelt so lustig! 😉
Oder bürste/ rubbel Dich ‚rauh‘ ab!
Es ist ähnlich wie sich zu überwinden sich zu einer Party aufzuraffen, einen Steilhang runterzufahren, eine schwierige Aufgabe anzunehmen, etc. Vorher sträubt man sich manchmal. Danach fühlt man sich herrlich!

Dieses Kalt- Duschen ist nur EIN Beispiel! Werde zum umgekehrten Pfadfinder! Mach jeden Tag eine ‚böse‘ Tat. Tu etwas, was Dir ‚nicht gut tut‘ aber ev. Deinem Urverhalten entspricht.
Iss Bitteres, lauf barfuß durch den Schnee oder über Steine, umarme wortlos jemanden, mach Dich schmutzig, schrei so laut Du kannst, sag mal nichts, wenn Dich jemand nervt, iss mal nichts wenn Du hungrig bist, geh mal nackt durch Brennessel, iss mal Ungewaschenes, sing ‚falsch‘, lach nicht, wenn der Chef einen Witz erzählt, sag Deiner Kollegin/ Deinem Kollegen dass Du sie/ ihn entzückend findest, stell Dich nackt in den Regen, denk Dir beim nächten ‚Idioten‘: wunderbar!, und, und, und.

Aber dusch Dich als Erstes mal kalt! 😉

 


Welcher Typ bist Du?

26. Juli 2010

Unsere Art, unser Charakter lässt sich nach vielen Gesichtspunkten beurteilen und bewerten. Hier ein eher unüblicher Ansatz:
Versuch vielleicht mal zu beobachten, ob Du bei Problemen zur ‚inneren’ oder ‚äußeren’ Lösung tendierst. Ob Du lieber alles selber erledigst, ev. Deine Bedürfnislage änderst oder ob Du eher Arbeiten vergibst, auf Deinen Bedürfnissen bzw. deren Befriedigung beharrst.
Natürlich ist beides legitim. Bloß leben wir in einer so extremen ‚Außen- Lösungs- Welt’, dass uns die Wiederentwicklung unserer ‚Innere- Lösungs- Kompetenz’ nur nützen könnte.
Sieht man sich das Tierreich und damit unsere eigene Vergangenheit an, wird deutlich, dass hier praktisch alles selber gelöst wird. Da stehen Enten ohne Schuhe und Socken auf dem Eis, da wird gefressen wie es erlegt wurde oder gewachsen ist, da laufen Tiere problemlos durch sengende Hitze und sitzen im Regen auf Ästen.
Unsere Zeit und Gesellschaft ist ziemlich das genaue Gegenteil. Wir verändern praktisch alles, passen alles unseren Bedürfnissen an. Wir klimatisieren unsere Räume, planieren unsere Landschaften, lassen uns fahren und fliegen, wir kochen, verarbeiten, färben und aromatisieren unsere Nahrung, grenzen ab durch Mauern, durchbrechen Berge, beschatten und beleuchten uns, und, und, und.
Was wir uns damit eingehandelt haben, wie sehr wir damit unsere ursprünglichen Regelungs- Fähigkeiten verloren haben, wie sehr wir uns damit geschadet haben, dämmert erst wenigen.
Es ist wunderbar, sich zu beobachten, seine Bedürfnisse genau zu kennen und zu erspüren. Aber versuch dennoch mal, etwas von Deinem Ego- Trip, dass alles haarklein Dir angepasst sein muss, runterzukommen. Lass Dich überraschen von anderen, neuen Geschmäckern, von der Reaktion anderer auf Dein geändertes Outfit oder Verhalten, von den Geschichten völlig uninteressanter Menschen, etc.
Versuch Dich in Arbeiten, die Du noch nie gemacht hast, nimm neue Herausforderungen an. Geh zu Fuß, wohin Du sonst mit Auto, Bus oder U- Bahn fährst. Sprich Leute an, mit denen Du noch nie Kontakt hattest. Geh zu Veranstaltungen, die Dir bisher völlig fremd waren.
Und versag Dir, umgekehrt, mal das Gewohnte. Verzichte auf einen Kaffee, auf ein make-up, auf den Lift, auf das Auto, auf die tägliche Routine.
Versuche, die ‚innere Lösung’ auf möglichst viele Bereiche auszudehnen. Du gewinnst dadurch, Du stärkst Dich, Du härtest Dich ab, Du lernst Neues dazu, Du wirst neue Erfahrungen machen.