Verakademisierung Teil 2

3. April 2018

Kürzlich hab ich meine Bedenken gegen überbordende Verkopfung hier kundgetan.
Dazu gibt’s aber noch mehr zu sagen:
Ich hab‘ es selber erlebt. Obwohl mir meine beiden Berufe sehr viel Freude gemacht haben: Man rutscht oder wird nur zu schnell in ein Hamsterrad getrieben, das keinen Platz mehr lässt für anderes.
Das Witzige: Solange ich da drinnen steckte fiel es mir nicht auf. Erst als ich da wirklich heraußen war merkte ich wieviel Zeit mir damals gefehlt hatte zur Selbstbesinnung, zum Visionieren, zum Herumspinnen, zum Seelebaumeln …
Das heißt, für ein qualitätsvolles, lebendiges, ‚wirkliches‘ Leben braucht man Zeit für sich, Zeit für Herzensangelegenheiten, Zeit für Gedankenspiele, Zeit für Manuelles.
Spricht man mit Studierenden oder beobachtet oder verfolgt deren Studium versteht man bald warum viele von Bulimie- Studium sprechen. Es müssen kaum vorstellbare Mengen an Lernstoff bearbeitet und gemerkt werden um sie bei der nächsten Prüfung ‚auszuspeien‘ und – nur zu oft- wieder zu vergessen.
Da bleibt der ganzheitliche Mensch, der nicht nur ein Hirn, sondern auch Herz und Hand hat, auf der Strecke.
Aber auch das Studium selber ist ungesund einseitig, will sagen, rein (studienfach-)sachbezogen. Es werden, obwohl Studierende es dringendst bräuchten, keine Moral-, Ethik-, Praxis-, Umwelt-/ Nachhaltigkeits-, Zukunfts-, mit einem Wort Herzens- und Hausverstands- Vorlesungen angeboten.
Und genauso sehen unsere Akademiker aus!

Den Kopf zu füllen ist wunderbar! Je mehr wir wissen, desto besser!

ABER
Wir müssen uns immer wieder vor Augen halten, WAS unsere Ideen und Erfindungen kurz-, mittel- und langfristig bewirken.
Wir müssen uns immer wieder vor Augen halten, WEN unsere Ideen und Erfindungen helfen, WEM sie zum Nachteil gereichen.
Wir müssen uns immer wieder vor Augen halten, WELCHE Nebenwirkungen unsere Ideen und Erfindungen haben werden.
Wir müssen uns immer wieder vor Augen halten, WELCHE sozialen Auswirkungen unsere Ideen und Erfindungen haben werden.
Wir müssen uns immer wieder vor Augen halten, dass Geld nicht alles ist, dass wir den Menschen, der Welt gegenüber eine Verantwortung haben.

 

 

 


Sie sind schon überall!

15. März 2018

Wir kennen diese Situation meist aus Nazi- und Horrorfilmen, viel zu viele Menschen noch immer auch aus dem realen Leben, in ihren diktatorischen, mafiösen oder sonstwie bedrohlichen Ländern und Gesellschaften:
Mensch weiß nicht mehr an wen er sich wenden könnte, wem er noch trauen kann. Die ganze Gesellschaft ist schon unterwandert von den ‚bösen Mächten‘.

Dieser unangenehmen ‚Unterwanderung‘ kommen wir, sehr unbemerkt von der ‚breiten Masse‘, immer näher.
Denn wir sind in hohem Grade schon verakademisiert!

Gebildete Menschen sind doch nichts Schlimmes, könntest Du entgegnen.
Nein, sind sie nicht. Doch wir bräuchten sie nur in Maßen, denn ‚Kopf ist nicht alles‘!
Besinnt man sich unseres Menschseins im ganzheitlichen Sinne von Herz, Hirn und Hand, und dann vielleicht sogar auch noch Seele, sieht die reine Verkopftheit, die wir praktisch schon haben, relativ bedrohlich aus.

Wenn Kinder, die einfach nur lachen, geliebt und geherzt werden wollen und das evolutionsbiologisch gesehen auch dringendst für ihre Entwicklung brauchen, von akademischen PädagogInnen betreut werden, ist das schon ein mehr als kräftiger Einschnitt in deren Menschsein.
Wenn Pflegebedürftige, denen vor einigen Jahren noch übers Haar gestrichen wurde, die Hand, während einiger verständnisvollen Worten, gehalten wurde, nun von akademischem Pflegepersonal betreut werden, das noch dazu mit überbordender Dokumentations- und Administrations- Arbeit ausgelastet ist, sind das schon mehr als massive Entbehrungen, die Hilflose erleiden müssen.
Wenn Visionäre und Kreative sich an Medien, an die Wissenschaft wenden, dort aber gegen Mauern rennen, auf ausschließlich akademisch Gleichgeschaltete und Bescheuklappte treffen, kommt das einer Zukunfts- und Vielfalts- bedrohenden Zensur gleich.

Wissenschaft und akademische Bildung sind per se natürlich nichts Schlechtes. Doch der aktuelle Zustand dieser Verkopftheit ist m.E. höchst bedrohlich. Egal ob man sich – ja praktisch durchgehend akademische – Politiker ansieht, die keinen Schimmer mehr vom wirklichen, im Sinne vom landläufig einfachen Leben haben oder den Arzt der vom Computer kaum noch aufblickt zum Patienten oder bloß automatisierte Routinehandgriffe ausführt. Egal ob man bei Behörden vorspricht, versucht in einer Firma eine Auskunft zu bekommen oder es mit ‚Rechtsverdrehern‘ zu tun hat. Wir rennen gegen Mauern, vielfach gegen verkopfte Mauern a la ‚Es kann nicht sein, was nicht sein darf‘.

Aber wir sind eh selber ’schuld‘! Wir haben dieses Bild aus ’schlechten Zeiten‘, dass gutes Leben bedeutet, sich möglicht nicht zu bewegen und schmutzig zu machen, zu unverändert weitergegeben …
Wer hat nicht seine Kinder in möglichst hohe Ausbildungsgrade ‚gestopft‘ damit sie es einmal besser haben!?

Jetzt haben wir dieses Besser!
Doch es gibt glücklicher Weise ja Alternativen! Wir haben ja immer noch das , das uns mit einfachster Naturbeobachtung zeigt, wie einfach gutes und erfülltes Leben sein kann
Das Ärgerliche ist bloß, dass die Verbreitung dieses Wunders durch große Teile ablehnender Medien, Wissenschafter und der Wirtschaft, und dort durch Akademiker, die ihr falsch verstandenes Gewicht dagegen geltend machen, erschwert wird.