Ein Engelchen wird in die Hölle gezerrt

29. Juli 2012

In die menschliche Hölle! Aber bekanntlich gibt es ja nur diese … 😉

Vielleicht erinnert sich der/ die eine oder andere noch an meine Reiseberichte aus Äthiopien. Ich hatte damals meinen, dort lebenden Sohn besucht.
Nun wurde ich vor einer Woche Großvater.
Eine problemlose 20 Minuten- Geburt, ein Engelchen mehr auf dieser Welt.
Heute bekomme ich von meinem Sohn ein email, in dem er schreibt, dass die Kleine eine Woche lang nicht geweint hat und Friedlichkeit pur gewesen sei.
Seit der – natürlich sinnlosen – Impfung aber, habe sie einen Hautausschlag und weine immer wieder.
Zudem wird sie von der ‚eingeborenen Frauensippe‘ täglich mit Butter eingeschmiert und festumwickelt in einem stockdunklen Zimmer ‚abgelegt‘!
Nicht nur diesen Wahnsinn lassen sich all diese – in Kindersterblichkeit höchst erfahrenen Mütter – nicht ausreden.
Nein, die Kleine wird jetzt nach EINER Woche auch auf Milchpulverfläschchen umgestellt. Alle ‚Stillen ist doch das Beste‘- Einwände wurden mit Unterstützung des Arztes hinweggefegt. – Wenn ich an den hygienischen Standard dort denke und mir vorstelle wie das Fläschen bald aussehen wird, könnte ich mich übergeben!

Jetzt beginnt der ganze Wahnsinn, den ich bei unseren eigenen Kindern erlebte, dass sie nach jeder Impfung fiebern, dass sie Allergien kriegen, dass sie trotz Impfung ständig krank sind, mit der 50jährigen, äthiopischen Entwicklungs- Verzögerung wieder von vorne …

Nachdem wir hier langsam durch diesen Irrtums- Wahnsinn der Alten und der Docs durch sind und langsam – immer noch viiiel zu langsam – zu einer artgerechten Kinderliebe zurückfinden, feiert dieser sinnlose, kinderquälerische und leidproduzierende Wahnsinn anderswo noch traurige Urstände …

Überflüssig zu sagen, dass unsere letzten Kinder nicht mehr geimpft wurden und – großteils – rohköstlich großgezogen wurden. Beide waren bis zu ihrer Pubertät, in der sie dann natürlich auch nicht mehr an McDo & Co verbeikonnten, nicht EINMAL krank …

Aber mensch will es eben anders …
So wird Hölle gemacht!

Deshalb, wer es vermag, der paradise his life

 

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Mein Wohlstands- Regulativ

16. Januar 2012

Wir leben in unseren Breiten hier in einer so wunderbar reichen bis wahnwitzig verschwenderischen Gesellschaft und merken das oft gar nicht.
Ich bin seit Jahrzehnten begeisterter Ökodenker und kritischer Betrachter unseres Tuns und bemühe mich redlich, zumindest meinen Konsum- und Verschwendungswahn in Grenzen zu halten.
Manchmal gelingt es, manchmal misslingt es, – leider!
Doch hab ein ganz wunderbares Regulativ und Erinnerungs- Medium: Eines meiner Kinder lebt in Äthiopien zwischen ‚bescheiden‘ und ‚paradiesisch‘, meines Erachtens aber stets zufrieden. Seine Nachrichten rücken mein Weltbild nur zu oft wieder zurecht.
Ich möchte Euch heute einen kleinen Ausschnitt eines seiner mails nicht vorenthalten, in dem er vom heurigen Weihnachtspaket schreibt, das seine Mutter sicherlich für ganz normal gehalten, und nur gut gemeint, hat:

ich musste stundenlang yenu und nachbarn erklaeren was denn das alles ist und wozu es gut ist – aber bei einer riesigen spieluhr versteht das niemand. und was ich auch schade fand ist, dass man in aethiopien nirgens ein email-kochgeschirr bekommt; immer nur die ultraduennen rohaluminium-toepfe. und da bekomme ich 4 christbaumgeschmuecke die emailiert sind und temperaturen von ueber 1000 grad standhalten und fast das haerteste material auf der welt darstellen – und ich nicht weiss was ich machen soll damit (ohne weihnachtsbaum) und wir weiterhin aus unseren 50cent zerkratzten farblosen aluminiumreindln essen.
und was ich mit hunderten winzigen goldengerln machen soll weiss ich bis heute nicht – und sollte mir irgendwann irgendwas einfallen so versteht das hier in asella sicher niemand *ggg*

 


Nein, nein, die Suppe ess ich nicht!

4. März 2011

Auch in Äthiopien konnte ich wieder sehen, wie stark alte Gewohnheiten, im Ernährungsbereich das altbekannte Mama- Happa- Happa, wirken. Das Essen, mit dem wir ‚aufgezogen’ wurden, mit dem wir ‚Mutter’, ‚Geborgenheit’, ‚Vertrautheit’ assoziieren, an dem bleiben wir ein Leben lang hängen, wenn wir uns nicht bewusst davon lösen.
Ja ‚bewusst’!
Wenn wir nix tun, passiert gar keine Veränderung. Oder nur die schleichenden Veränderungen die die gesellschaftlichen Veränderungen, die von der Wirtschaft und Werbung initiiert wurden, mit sich bringen.
Wir lernten ja bei der Mama auch bloß das Laufen und nicht das Autofahren. Genauso müssen wir auch lernen ÜBER das gewohnte Essen – oder auch Verhalten – HINAUSzugehen, um zwar nicht schneller und bequemer uns fortzubewegen, sondern um gesünder und länger zu leben, um die Mitwelt zu schonen und uns wieder ein einfacheres und dabei genussvolleres Leben zu ermöglichen.
Äthiopier sind von klein an so sehr auf ihr Inschara gedrillt, dass sie es 3x täglich essen und auch noch gut finden, obwohl es für unseren Geschmack unattraktiv wie altbackenes, übersäuertes und eingeweichtes Brot schmeckt.
Selbst Kinder greifen lieber zum Inschara als zu den herrlichen Früchten, die da überall wachsen.
Dazu kommt natürlich auch die völlig unnatürliche, um nicht zu sagen ver-rückte Preispolitik. Ungesündestes wird allerorten preisgestützt und die Tiere für die Reichen fressen die Nahrung der Armen.
Sieh Dir also genau an woher Deine Vorlieben kommen, was sie mit Dir tun (werden) und wie Du zu Deinem ‚Führerschein für ein besseres Leben’ kommst …

 


Sofort bestellen!

3. März 2011

Das ist jetzt keine plumpe Werbung, aber ich hatte in Äthiopien auch immer wieder ‚Erholungs- und Leer- Zeiten’. Aus Langeweile hab ich mal zwei meiner Bücher (‚Ab ins Paradies’ und ‚Nur 5 Gedichte’) die ich als Geschenke mitgebracht hatte, zur Hand genommen.
Sei es, weil ich sie seit Jahren selber nicht mehr angesehen und mich unterschätzt habe oder war es diese so andere, teilweise so schlimme Lebensweise dort, die nur die Wenigsten mehr als 50 Lebensjahre erreichen lässt … Ich dachte bei dieser Lektüre und wohl auch in einem Anfall von Selbstüberschätzung:

‚Genial! DAS braucht die Welt!’ 🙂

 


Adieu Äthiopien!

2. März 2011

Lebt wohl Ihr stolzen Schönen, die Ihr Eure Neugierde nach dem ‚Ferency’ nicht verbergen konntet, lebt wohl Ihr coolen Burschen, die Ihr lebenstüchtig bis schlitzohrig immer irgendwie durchkommt, lebt wohl Ihr tüchtigen Tischler, Schmiede, Handwerker, in deren Werkstätten ich gucken durfte. Behüt Euch Gott, Ihr süßen, lachenden Kleinen – und sei es vor den Zivilisations- Irrtümern …


Ich war gerne da, in dieser Hitze, in dieser Höhenluft, sogar in diesem Staub, der mir zeigte, wie gut meine Flimmerhärchen funktionieren. Ich war gerne da unter diesem unendlichen Himmel, in dieser unendlichen Weite. Ich war gerne in Euren Menschen- und Lebens- prallen Städten, oft skurilen Shops, auf Euren turbulenten Märkten, in Euren einfachen Häusern.
Ich hab unendlich genossen Eure Gastfreundschaft und Eure ansteckend gute Laune.
Ich hab mich kindlich freuen können über jedes zutrauliche, neue oder unbekannte Tierchen, über jede Blüte, jeden bizarren Dornenbusch und über die genialen Bäume, die es hier gibt und die mir noch mehr Bewunderung abringen, als die ohnehin schon für ihr ‚Lebenskünstlertum’ hoch verehrten Europäischen.
Mein Techniker- Kopf hat sich unendlich amüsieren können über Eure ‚Technik’, mir aber für Eure Improvisations- Fähigkeiten in dieser unvorstellbaren, dafür nicht vorhandenen Infrastruktur, meine volle Bewunderung abgerungen.
Meine Jungfrau- Asszendent- Penibilität hat staunen können wie ein Kind, dass man so ‚ungeordnet’ bis chaotisch so gut leben kann und viel von Euch gelernt bzw. einiges abgeworfen.
Ihr alle werdet mir fehlen, obwohl ich mich auch schon wieder freue auf das altgewohnte Vertraute, auf neue Aufgaben und Menschen zu Hause.
Ihr werdet mir fehlen Ihr Absonderlichkeiten in meiner alten Vertraut- und Geborgenheit.
Ich denke, wir könnten viel voneinander lernen. Unsere Modebewussten, die trotz unserer vermeintlichen Vielfalt bei weitem nicht herankommen an Eure, zwar teilweise zerfetzte, aber Uroriginellität.
Ihr könntet bei uns sehen, dass nicht jeder Fortschritt ein Segen ist und dass man Plastik besser nicht auf die Straße oder ins Lagerfeuer entsorgt.
Unsere Schönheitschirurgen- Kunden könnten an Euren wunderschönen und einzigartigen Gesichtern sehen um wieviel reicher Ihr seid, als wir in unserer Uniformität.
Ihr könntet schätzen lernen, was Euer Klima Euch ermöglichen könnte, anstatt nach unserem Kram zu gieren.
Wir könnten wiedererlernen, um wieviel einfacher man leben, um wieviel glücklicher wir sein könnten.
Wir hätten noch viel voneinander zu lernen.
Ich danke allen, die ich hier kennenlernen oder auch nur beobachten, bewundern, bestaunen durfte, allen die mir geholfen haben, denen ich helfen durfte. Vor allem aber danke ich Paul und seiner zauberhaften Jenu und ich danke dem Leben, das mir all diese Wunder ermöglicht hat …

 


Ist denn das möglich!?

2. März 2011

(Reisebericht Äthiopien)

 

 

 
Sooo ein großer Baum in so einem kleinen Blechkübel!?

Man sieht’s auf dem Foto schlecht, aber der Blechkübel ist tatsächlich rund um den Baum.
Bloß hat er keinen Boden mehr und diente dem kleinen Setzling wohl mal als Fraßschutz …


Tod in Äthiopien

1. März 2011

(Reisebericht Äthiopien)

Sogar begraben sein könnte schön sein in Äthiopien. Ich hab, außer in Bad Honneff, noch keinen lauschigeren Friedhof gesehen als hier.
Er ist relativ verwildert bzw. werden die Gräber ‚wild durcheinander‘ in einen Wald gegraben und verkommen dann eher …


Reiche haben etwas Marmor und errichten deshalb ein Eisengitter um die Grabstätte. Einfachere Gräber sind Betonsockel mit Aufschriften, fallweise Kreuzen und Fotos der Verstorbenen.
Die ganz Armen haben bloß einen Erdhügel, aber, was mich an dieses nette Gedicht ‚Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland‘ erinnert, ein kleines Bäumchen oder einen Kaktus auf dem Hügel.
Irgendwie tragisch, wenn man die Alter der Verstorbenen errechnet. Kaum jemand wird viel über 50. Und das in einem Land, in dem man so paradiesisch und damit natürlich auch lange leben könnte …