Ich weiß nicht …

11. Juli 2020

… was mit mir nicht stimmt

Ich sitze in meinem Garten und bin ganz einfach glücklich.
Dabei macht er gar nicht so viel her. (Fast) alles darf wachsen wie es will. Käferchen und Ameisen krabbeln, Vogerl hüpfen, flattern und zwitschern, Lichteinfall, Wind und Jahreszeit verändern ständig die Bilder. Es gibt kostenlose Johannesbeeren, Pfirsiche, Marillen, Kirschen Zwetschken, Kirschen, Erdbeeren, Weintrauben, Brombeeren, Topinamur, Haselnüsse, Walnüsse … und viele, viele Kräuter und Wildkräuter …
Die über 100-jährige Buche trägt herrliche Bucheckern, Vogelnester, meine Hängematte und ein Hänge- Himmelbett. Aus der Hängematte könnte ich stundenlang in dieses uralte Naturwunder Baum staunen …
Bienen und Hummeln summen. Der Wind rauscht und spielt mit auf Blättern und Zweigen.
Es ist einfach herrlich!




Doch auch, wenn es nicht mein Garten wäre …
Ich pack mir oft eine Decke aufs Rad, radle los und hab mir immer noch herrliche Plätze gefunde, an denen ich ebenso glücklich bin.

Aber vielleicht sollte ich dennoch noch einmal lernen, Zivilisations- Konsum zu brauchen bzw. mich daran zu erfreuen …
Vielleicht fehlt mir ja etwas und ich bemerk das in meiner Zufriedenheit bloß nicht.
– Aber ich hab ja noch bis 120, Zeit dafür …

 

 

 


Mit dem Fahrrad um die Welt

28. Januar 2016

BärbelIn einem der letzten SOL- Heftchen fand ich ein selten wunderbares Interview mit der vermutlich noch wunderbareren Barbara Graf die dreieinhalb Jahre allein mit dem Rad in der Welt unterwegs war.

Ernährung, Schlafplätze, Pannen, Ortsunkundigkeit … alles kein Problem! Nirgends!
Überall hilfsbereite Menschen, die sie bewirteten, einluden, sie verköstigten, ihr halfen …
Die einzigen und größten Probleme: Grenzen, Kontrollen, Visa, Ansuchen, Beamte …
Zivilisation eben!

Nicht nur, dass man als Europäer oder Amerikaner zwar aufwändig aber doch überallhin reisen kann, sind die Menschen in vielen Ländern eingesperrt wie Tiere in ihren Pferchen! – Von ‚Ihren‘ Politikern, Staatsmännern, Beamten und Sicherheitsorganen!
Während ‚dumme‘ Tiere gehen können wohin sie wollen und tun und lassen können was sie wollen …     😉

Ein sehr erhellender Ausschnitt aus dem Interview:
‚Als ich nach drei Jahren Leben aus Fahrradtaschen und auf kleinen Segelbooten wieder in Wien angekommen bin, empfand ich es als unglaublich belastend, wie viel Zeug ich da vorfand. Alleine im alten Zimmer meiner Eltern – so kam es mir vor – waren mehr Gegenstände als die Menschen ganzer Dörfer, die ich durchreist hatte, gemeinsam besaßen. Viele dieser Dinge könnten nicht nur andere besser gebrauchen, das meiste war einfach auch unnütz – eine Verschwendung von Ressourcen und Zeit.
Mich im Zuge dieser Reise für längere Zeit ein wenig von dieser Last des ‚Zu-viel-Habens‘ befreien zu können, war eine wertvolle Erfahrung. Generell denke ich, dass ‚Zu-viel-Haben‘ eine Zivilisationskrankheit des globalen Nordens ist, die leider nicht nur den Menschen schadet, die darunter leiden, sondern vor allem auch auf Kosten von anderen Lebewesen und der Erde geht. Ein Symptom dieser Krankheit ist auch der Mangel an Zeit. Zeit, in der wir dafür ‚hackeln‘ müssen, dass wir existieren dürfen, und noch mehr Zeit in der wir ‚hackeln‘, um mehr als genug zu haben.‘

Da braucht man wohl nichts mehr hinzufügen …

 

 

 


1km Leben

9. August 2012

Ich fahr‘ mit dem Rad.

Ein Eichkätzchen quert vor mir in gestrecktem Galopp die Fahrbahn. Ursüß! Ich lächle.

Ich schnappe die Worte ‚wie oft hab ich Dir schon gesagt‘ einer Mutter auf, denke an meine ‚Sünden‘ den Kindern gegenüber und lächle.

Ich durchquere eine Lindenblüten- Duftwolke, bin wie berauscht, fühle mich beschenkt. Ich lächle.

Das surren meiner Reifen am Weg wird mir bewusst. Ich bin dankbar für meine Kraft, das Fahrrad, das wunderbare Umfeld. Ich lächle und fühle mich glücklich.

Ein Landwirt bringt bestialisch stinkende Gülle auf einem Feld aus. Ich denke: ‚Heeee! Eine tolle Erinnerung daran, wie schnell aus einem Körper- Tempel eine schlimme Gärgrube werden kann, wenn man ihn nicht achtsam behandelt‘ und lächle.

Ein Autofahrer schneidet mich auf einer Kreuzung. Ich sehe milde seine unnötige bis lächerliche Gehetztheit und bin zufrieden. Vielleicht lächelte ich auch da.

Ich unterquere eine Baumkrone, die dem Gelärme nach der Sperlings- Treffunkt dieser Gegend sein dürfte. Diese Geschäftigkeit belustigt mich.

Ein Kleinkind in seinem Buggy staunt mich mit großen Augen an. Ich bin verzaubert, winke ihm zu und lache.

Ein mir bekannter Trunkenbold sieht heute aus wie der Oberschlumpf. Ich finde ihn süß und muss lachen über solch eine überperfekte Kopie.

Ich biege in meinen Garten ein und freue mich wie schön er ist.

Ich sehe meinen steinalten, schwerst zuckerkranken Nachbarn und freue mich, dass er noch lebt.

Ich freue mich auf noch viele, viele glückliche und lachende Lebens- Kilometer, Minuten und Stunden.

Ja, ich bin tatsächlich sehr nahe am ‚reinen Toren‘.
Ich lache und lächle ständig. Deshalb bin ich auch allen die mich lachen und lächeln machen dankbar.
Oder sind sind sie gar nicht die Quellen sondern ’nur‘ die Erinnerer meiner inneren Zufriedenheit?
Egal! Ich lächle auch über diese meine krausen Gedanken … 😉