Irre, im Gewirre

8. April 2021



Waldstille

Tief im Walde saß ich,
Und die Welt vergaß ich,
Die nie mein gedacht;
Mich in mich versenkt‘ ich,
Und mein Sinnen lenkt‘ ich
In des Daseins Schacht.

Welt,ich dein vergessen?
Erst dich recht besessen
halb‘ ich fern von dir.
Wo du mir geschwunden,
Hab‘ ich dich gefunden
Inniger in mir.

Draußen im Gewirre
Kann man werden irre,
Welt, an sich und dir;
Fern von deinem Rauschen
Kann ich dich belauschen
In mir selber hier.

(Friedrich Rückert)


 
 
 


Passt das in unsere Zeit?

2. Februar 2021

Oder in jede Zeit?

„Was keiner wagt, das sollt ihr wagen.
Was keiner sagt, das sagt heraus.
Was keiner denkt, das wagt zu denken.
Was keiner anfängt, das führt aus.

Wenn keiner ja sagt, sollt ihr’s sagen.
Wenn keiner nein sagt, sagt doch nein.
Wenn alle zweifeln, wagt zu glauben.
Wenn alle mittun, steht allein.

Wo alle loben, habt Bedenken.
Wo alle spotten, spottet nicht.
Wo alle geizen, wagt zu schenken.
Wo alles dunkel ist, macht Licht.“

– Lothar Zenetti


Möge diese wunderbare Übung gelingen!
 
 
 


Sachen gibt’s!

9. März 2020

Wusstest Du von der Existenz von Reim- Generatoren im Internet?

Ich hab einem solchen ‚Rohkost‘ vorgeschlagen und er lieferte mir all diese sich darauf reimenden Worte:

Fleischkost Frischkost Mischkost Wunschkost Alltagskost Astronautenkost Aufbaukost Babykost Bauernkost Beikost Billigkost Biokost Diabeteskost Diätkost Durchschnittskost Einheitskost Feinkost Feuerkost Früchtekost Frühstückskost Gefrierkost Grundkost Hauskost Hausmacherkost Hausmannskost Havekost Hundevollkost Hungerkost Kantinenkost Kinderkost Kost Krankenkost Leberschonkost Naturkost Normalkost Pflanzenkost Probekost Reduktionskost Reformkost Schmalkost Schonkost Schutzkost Sonnenkost Steinzeitkost Tiefkühlkost Tierkost Trennkost Vollkost Vollwertkost Vorkost Weinkost Wertkost Wurzelkost Zukost Abdeckrost Abendpost Adelost Almost Alpendost Alpenpost Amtspost Anschlusspost Apfelmost Augentrost Ausgabenpost Ausgangspost Auslandspost Bahnpost Ballonpost Barfrost Belegost Bergmannstrost Bettrost Birnenmost Blachfrost Blütenfrost Bodenfrost Botenpost Bratrost Briefpost Bundespost Bürgerpost Chrost Dauerfrost Deutschost Dienstpost Diplomatenpost Donaupost Dost Drehrost Drost Drucksachenpost Edelrost Eilpost Eingangspost Eisemost Endost Europost Extrapost Fahrpost Familienpost Fanpost Faulenrost Februarfrost Feinfrost Feldpost Fernost Feuerrost Fieberfrost Filmpost Firmenpost Flaschenpost Florpost Flugfeldpost Flugpost Flugrost Flächenrost Frost Gartenkompost Gelbrost Geschäftspost Getreiderost Gitterrost Glasnost Gleisrost Glückspost Grillrost Göttertrost Güntergost Hammerfrost Hartfrost Hauptpost Hauspost Herbstfrost Herzenstrost Herztrost Hiobspost Holzfrost Holzkohlerost Holzrost Hotelpost Hörerpost Impost Inlandspost Jost Judenpost Kahlfrost Kaminrost Katastrophenpost Kettenrost Kinderpost Klautost Kommunalpost Kompost Konsulatspost Kontrapost Kraftpost Kriegspost Kurierpost Lagerpost Landespost Landestrost Landpost Lattenrost Liebespost Lokalpost Lost Luftfeldpost Luftpaketpost Luftpost Mariatrost Medaillenpost Medonost Militärpost Mittelost Mitternachtspost Morgenpost Most Mukoperiost Nachtflugpost Nachtfrost Nahost Neufrost Neusobrost Nordfrost Nordnordost Nordost Nordostost Oberhost Oberost Obstmost Ortspost Ost Ostnordost Ostsüdost Paketpost Periost Permafrost Personenpost Pfahlrost Pferdepost Planrost Plattenpost Plattfrost Post Priedemost Privatpost Radost Raketenpost Raufrost Rauhfrost Reichspost Rohrpost Roost Rost Röhrenrost Saugpost Schiffspost Schmelzpost Schneckenpost Schnellpost Schoost Schwarzrost Schwarzwaldpost Schwellenrost Schüttelfrost Schüttelrost Seepost Sitzrost Sobrost Sommerfrost Sonderpost Sonntagspost Spätfrost Staatspost Stadtpost Stahlrost Starost Stickstofflost Straßenpost Südost Südpost Südsüdost Süßmost Tagespost Tarifpost Taubenpost Thronpost Tjost Traubenmost Treppenrost Trost Upost Verbrennungsrost Verehrerpost Verwaltungspost Vorpost Wanderrost Weihnachtspost Weltpost Werbepost Winterfrost Wirtschaftspost Wochenpost Wolkenpost Wurmkompost Zahntrost Zeitungspost Zentralost Zubringerpost Zuschauerpost Zwergrost ausgelost behost bemoost cost eindost eingedost erbost gebost geharmlost gelost getost getrost host lost post prost

Ich hab diese wunderbaren Vorschläge in meiner ganzen poetischen Genialität einkondensiert zu einem epochalen Gedicht, das umgehend Eingang in die Weltliteratur finden wird und das ich Euch schenken möchte

    Ob Rohkost,
    Naturkost,
    Sonnen- oder Götterkost:
    Alles Herzenstrost!
    – Wie süßer Traubenmost.
    Prost!

 

 

 


100 Sprachen

15. November 2018

Loris Malaguzzi, der Begründer der wunderbaren Reggio- Pädagogik hat folgendes wunderschöne Wahr- Gedicht verfasst:

    Hundert Sprachen hat ein Kind

    Ein Kind ist aus hundert gemacht,
    hat hundert Sprachen,
    hundert Hände,
    hundert Gedanken,
    hundert Weisen
    zu denken, zu spielen und zu sprechen.

    Hundert,
    immer hundert Arten
    zu hören, zu staunen und zu lieben,
    hundert heitere Arten
    zu singen, zu verstehen,
    hundert Welten frei zu erfinden,
    hundert Welten zu träumen.

    Das Kind hat hundert Sprachen
    und hundert und hundert und hundert.
    Neunundneunzig davon aber
    werden ihm gestohlen,
    weil Schule und die Umwelt
    ihm den Kopf vom Körper trennen.

    Sie bringen ihm bei,
    ohne Hände zu denken,
    ohne Kopf zu schaffen,
    zuzuhören und nicht zu sprechen,
    ohne Vergnügen zu verstehen.
    Zu lieben und zu staunen
    nur an Ostern und Weihnachten.

    Sie sagen ihm,
    dass die Welt bereits entdeckt ist,
    und von hundert Sprachen
    rauben sie dem Kind neunundneunzig.
    Sie sagen ihm, dass
    das Spielen und die Arbeit,
    die Wirklichkeit und die Phantasie,
    die Wissenschaft und die Vorstellungskraft,
    der Himmel und die Erde,
    die Vernunft und der Traum
    Dinge sind, die nicht zusammengehören.

    Sie sagen also,
    dass es die hundert Sprachen nicht gibt.
    Das Kind sagt: „Aber es gibt sie doch!“

Nicht nur Kindern sollte dieses wunderbare Gedicht, sollten diese schönen Überlegungen und Wahrsätze zugute kommen. Auch sollte es uns anregen, nach unserer leider verlorenen und verschütteten Vielfalt zu graben. Die Welt, das Leben, die Schöpfung hält eine so unglaubliche Fülle für uns bereit. Der Blick auf unsere Reduziert- und Vereinfachtheit könnte tatsächlich unsäglich traurig machen.
Feiere das Leben, brich aus aus dieser Trance! Wirf ab die Normalität!
paradise your life!

 

 

 


Wer ist Gustav Tschirn?

28. Juli 2016

‚Ich weiß nicht, keiner Ahnung‘ wirst auch Du vermutlich sagen. Auch ich kannte diesen freireligiösen Pfarrer der vorletzten Jahrhundertwende nicht. Dennoch hat er dieses sehr schöne Gedicht geschrieben:

Frei sind wir, also nicht gebunden,
durch Glaubenszwang in unsrer Religion.
Wir glauben, was wir selbst als wahr empfunden;
nicht, was uns vorschreibt eine Konfession.
Bekenntnis, Überzeugung sind uns nicht verkäuflich,
auch nicht um ew’ge Seligkeit und Himmelslohn.
Denn was uns unnatürlich scheint und unbegreiflich,
das nennen wir nicht „wahr“ aus Furcht vor Höllendrohn.
Die Wahrheit bau´n wir auf die Wirklichkeit,
auf der Vernunft und der Natur Gesetze,
die ehern stehn voll Unverbrüchlichkeit,
dass auch kein Gott durch Wunder sie verletze.
Allmächtig, ewig und unendlich,
allgegenwärtig in der kleinsten Spur,
unfassbar hoch und doch so nah verständlich,
das höchste Wesen – ist uns die Natur.
Die unerschaffne Schöpferin der Welten,
aus deren Schoß hervor die Sonnen gehen,
und die aus Sternentrümmern, aus zerschellten,
durch Welten-Nebel webt ein Welten-Auferstehn.
Sie lässt im Kreise auch unsre Erde rollen
und auf der Erde alles Leben blüh´n,
daraus zuletzt, zuhöchst erwachsen sollen
wir selbst, das Menschenherz, des Geistes Glühn.
Entwicklung hat uns empor getragen
tief aus dem Zellen-, Pflanzen-, Tieresstand
zum Aufrechtgehn, zum Sprechen, Denken, Wagen,
zur Kunst- und Arbeitsfähigkeit der Hand.
Natur gab uns die sittlich hohen Triebe
des Einzelnen zu der Gemeinsamkeit,
zu Menschenrecht und -pflicht, zur Nächstenliebe,
dass jeder sich dem Großen Ganzen weiht.
So leben wir mit Hoffen, Lachen, Weinen
und schauen über unsern Tod hinaus
der besser´n Zukunft stetiges Erscheinen
und atmen dafür unser Leben aus.
Im Kampfe singen wir mit Jubeltönen,
was aus des Weltalls Tiefe zu uns spricht:
In uns der Geist des Guten, Wahren, Schönen
führt segnend höherwärts – durch Nacht zum Licht.

Gustav Tschirn

 

 

 


Ein großes Werk der Weltliteratur ;-)

25. Juli 2016

Die Politiker sind nur Marionetten,
manche die bösen, manche die netten.
Doch der Puppenspieler ist das Kapital
Und das spielt mt den Marionetten fatal.
Das Volk jubelt, wenn der Kasperl das Krokodil besiegt
und dadurch die Menschen in Sicherheit wiegt.
Doch reißen die Schnüre, so fallen die Marionetten,
Die bösen genau so wie die netten.
‚Das Volk hat gesiegt‘, wird und glaubhaft gemacht.
Doch das Spiel, es geht weiter, nur eine andere Puppe lacht.
Ein ewiger Kreislauf aus Freude und Not.
Der kleine Mann frisst immer die Krot.

                                                        (Gerhard Neuwirth)

 

 

 


Was sich regt …

27. Mai 2012

 

 
 
  Was sich regt auf diesem großen Balle,
  diese Bäume, dieser Schmuck der Flur.
  Einer Mutter Kinder sind wir alle,
  Kinder einer ewigen Natur.
 


 

 


Bis es endlich klappt …

23. August 2011

… ist es oft ein weiter Weg!
Das gilt für alle alten Gewohnheiten und Lebensweisen.
Natürlich auch für Umstellungen auf ein ‚paradise your life‘- Leben, auf Rohkost, auf tägliche Bewegung, auf positives bis liebevolles Denken, auf emotionale Körperkontakte, und, und, und.
Wir sind einfach gefangen in alten Gewohnheiten und müssen uns eine gewisse Zeit zugestehen, um davon loszukommen.

Vielleicht hilft Dir, wenn Du wieder mal ’schwach‘ geworden bist, wenn Du wieder mal vergessen hast, achtsam zu sein, dieses Gesdicht:

Ich gehe die Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich falle hinein,
Ich bin verloren… Ich bin ohne Hoffnung.
Es ist nicht meine Schuld.
Es dauert endlos, wieder herauszukommen.

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich tue so, als sähe ich es nicht.
Ich falle wieder hinein.
Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein.
Aber es ist nicht meine Schuld.
Immer noch dauert es sehr lange, herauszukommen.

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich sehe es.
Ich falle immer noch hinein… aus Gewohnheit.
Meine Augen sind offen.
Ich weiß, wo ich bin.
Es ist meine eigene Schuld.
Ich komme sofort heraus.

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich gehe darum herum.

Ich gehe eine andere Straße.

(Nyoshul Khenpo)

 


Weisheit der Indianer

18. April 2011

Jeden tag
die erde mit den füßen berühren
am feuer sich wärmen
ins wasser fallen
und von der Luft gestreichelt sein

Wissen ein tag ohne die vier
schwester wasser und bruder feuer
mutter erde und vater himmel
ist ein verrotteter tag

Ein tag im krieg
den wir gegen alles
führen

(Dorothee Sölle)