EU – Gesundheit

9. Mai 2019

„In allen europäischen Staaten gibt es neue Vorstöße für weitere
Kürzungen im Gesundheitswesen und mehr Deregulierung und
Privatisierung medizinischer Dienstleistungen. Dahinter steckt eine
neue Direktive der EU -Kommission, die medizinische Versorgung zu
einem ganz alltäglichen Wirtschaftsgut erklärt, mit dem man
europaweit ohne Beschränkungen (auf dem untersten Niveau) handeln soll.

Der Medizinhistoriker Prof. Dr. Paul U. Unschuld, Direktor des Horst-
Görtz-Stiftungsinstituts, Charité Berlin, sieht sich als Zeitzeugen eines Umbruchs im Gesundheitswesen, den es so noch nie gegeben hat.
Zum ersten Mal sei in der Geschichte der Zivilisation ein Zustand erreicht worden, in dem Kranksein volkswirtschaftlich mindestens so wertvoll ist, wie Gesundheit.“

Na? Was sagst Du dazu?
Ich hab absolut nichts hinzugefügt oder verändert! Absolut ‚offizielle‘ Kommentare!

Tja, liebe Leute und bald oder bereits paradiesisch Lebende, Ihr seht: Entweder wir machen ‚unser Paradies- Ding‘ selber oder es macht niemand!

 

 

 


Lass Dich nicht kränken

11. Dezember 2015

Sprache kann nicht nur kränken, im Sinne von ‚Gefühle verletzen‘, sondern tatsächlich auch im Sinne von ‚krank machen‘.

Unsere Sprache, die Medien- und News- Terminologie unterscheidet recht eindeutig zwischen schwarz und weiß, zwischen Krieg und Frieden, zwischen Innen- und Außenpolitik.
Wird vom Pensionssystem gesprochen, kann man sicher sein, dass nicht die Arbeitswelt gemeint ist. Wird von Wirtschaftsdaten gesprochen, sind sicher keine Zahlen von Drogentoten gemeint …
Ganz anders bei der Gesundheit!
Da wird verbogen und gelogen. Da wird geschönt und verschleiert. Da werden willentlich und wissentlich die Menschen verdummt.
Da wird einfach der positive Begriff ‚Gesundheit‘ für all die Krankheiten und Pannen vereinnahmt, mit denen sie absolut nichts zu tun hat.

elkaEs wird vom ‚Gesundheitssystem‘ gesprochen, obwohl es dabei ausschließlich um Kranke geht.
Gerade jetzt in den Tagen der ELGA- Einführung wimmelt es ganz besonders von ‚Gesundheitsakten‘, ‚Gesundheitspersonal‘, ‚Gesundheitsdaten‘, ‚Gesundheitsportale‘, ‚Gesundheitswesen‘, Gesundheitseinrichtungen‘ … – Dennoch überall nur Kranke!
Selbst ‚Gesundheitsvorsorge‘ hat weder – wie wir später sehen werden – mit Gesundheit, noch mit Vorsorge zu tun. Denn vor-sorgen kann ich nur durch einen gesunden Lebenswandel, UM nicht zu erkranken. Nicht durch ständiges Nach-Untersuchen! Allein schon die Angst, dass bei diesen Tests etwas gefunden werden könnte macht krank, wie wir aus Nocebo- und anderen Arbeiten wissen.

Gesundheit und Krankheit sind NICHT zwei Seiten einer Münze!
Gesundheit ist NICHT bloß das Gegenteil von Krankheit!

Gesundheit ist ein Geschenk der Natur, der Evolution, an uns!
Gesundheit ist unser aller, ganz normaler und selbstverständlicher Ur- Zustand.
Lebenslange Gesundheit war durch all die Jahrmillionen der Evolution unser Normalzustand.
Bei allen freilebenden Tieren ist das heute noch so!
– Völlig Medizin- und ‚Gesundheitssystem‘- los!

Gesundheit und Krankheit sind nicht bloß verschiedene Richtungen, wie links und rechts!
Gesundheit und Krankheit verhalten sich eher wie hier und dort.
Gesundheit ist der Normalfall, der keiner Anstrengungen oder Interventionen bedarf und basiert auf einem ‚artgerechten‘ Lebensstil!
Gesundheit hat keine Ursache (außer die evolutionäre Optimierung und einen naturrichtigen Lebenswandel.

Krankheit dagegen hat immer eine Urur…sache! (siehe ‚Die Urur…sache‘)
Ausschließlich sie zu beseitigen schafft echte Gesundheit.
Alles andere, Therapien, Operationen, Medikationen, etc. sind Symptom- Unterdrückungen und Verschiebungen; wirken maximal unterstützend auf die (natürliche) Heilung.
Selbst medizinisch ‚Geheilte‘ sind nicht gesund! Das sind Geheilte, Reparierte, Operierte, Genesene, ‚gut Eingestellte‘ … Aber keine Gesunden!
Krankheit ist die Reaktion des Körpers auf seinen falschen ‚Gebrauch‘.
Krankheit will uns etwas sagen!
Deshalb spiegelt unser Gesundheitsstatus uns auch unseren Lebensstil. Wir müssten bloß wirklich hinsehen!
Und ‚Gesundheit‘ neu redefinieren. Jedes Räuspern, jeder Pickel, jeder Körpergeruch ist bereits ein Warnsignal.

Warum ich bei einem vermeintlich so läppischen Sprach- Thema so penetrante i- Tüpfelreiterei und Erbsenzählerei betreibe?
Weil Sprache Wirklichkeiten schafft, wie man weiß!
Und solange in den Köpfen nicht das richtige Bild von Gesundheit wiederhergestellt ist, wird es keine (wirklich) Gesunden geben.

Um Gesundheit brauchen wir uns nicht zu kümmern. Wir brauchen bloß paradiesisch zu leben und uns wert zu schätzen. Danach können wir absolut zuversichtlich sein: Gesundheit wird da sein.
Gesundheit ist nicht das was wir uns verbissen und schwitzend antrainieren, uns an Genüssen verweigern. Gesundheit ist nicht das jährliche Vorsorgeuntersuchungs- Gerenne, das Durchforsten von Gesundheits- Journalen. Gesundheit gibt es weder beim Arzt noch in der Apotheke.
Gesundheit ist ähnlich wie die Liebe und das Sein. Sie ist!

Mit dieser Betrachtung wird klar, was die oben angeführte Täuschungs- Terminologie nur zu gerne verschleiern würde:
Wir alle sind krank!
– Und wissen es nicht.
– Und sollen diesen Zustand weiterhin für gesund und normal halten.
Gesundheit wird als (künstlich) machbar dar- und gleichberechtigt neben die Krankheit gestellt. Dieses Trugbild wirkt so sicher wie der erwiesenermaßen verläßlich wirkende Nocebo- Effekt krankmachend!
Aber so funktioniert eben das manipulative Spiel in den Medien: ‚Alle heiligen Zeiten‘ wird zwar ein Medizin- oder Zivilisations- kritischer Report gebracht, übers Jahr aber hypnotisiert uns ein Dauergeprassel dieser angeführten Programmierungen in höchst einträgliche Erkrankungen hinein …

Ich kann nur jedermensch ans Herz legen, sich mit Salutogenese, mit naturrichtiger Lebensweise, mit den ‚Weisheiten‘ meines blogs zu befassen, all dieses mediale Desinformations- Getrommel zu ignorieren und sich ein wunderbares Zuversichts- Paradiesbild im Kopf zu gestalten.
In diesem Sinne:
paradise your life!    😉

 

 

 


Hühnerarsch, sei wachsam …

24. März 2012

… Denn paßt du nicht richtig auf,
springt dir hint‘ ein Gickerl drauf‘ singt Georg Ringsgwandl.

Dieses Lied fällt mir ein, wenn ich die Anfälligkeit der Menschen für neue Erkenntnisse, Therapien, Geräte, Lehren, etc. beobachte.
Auch das neugierig hoffende Hirn sollte immer wachsam sein!
Zuviele raffinierte Einflüsterer, Trickser, Wissenschafter, Verkäufer, Ärzte und andere Glücksritter gibt es, die ihr Zeugs anpreisen.
Es klingt alles sehr überzeugend, oft auch kompliziert. Aber dadurch um so beeindruckender. Wurden wir doch so verblöd…. äh, sozialisiert, dass die ‚Obergescheiten‘ erst recht bewundert und nachgeahmt werden sollten.

Nimm jeden neuen Artikel voller Versprechungen, jedes Angebot voller Hoffnungen, jede neue epochale Erkenntnis, jede neue Lehre, etc. als bloße Erinnerung, dass wir bereits alles haben, schon alles sind, längst alles wissen!
Wir brauchen bloß 2 Dinge!
Wir brauchen bloß

auf unseren Körper und dessen Signale, auf selbst kleinste Signale zu achten und
uns die Natur genau ansehen.

Das reicht!
Das ist alles, was wir brauchen für ein wunderbar gesundes, glückliches Paradies- Leben.

Alles, was kompliziert klingt, irgendwelcher chemischer Erklärungen bedarf, irgendwelcher Lehrer, Produkte, Bücher, Tabellen, etc. bedarf sollte Dir schon verdächtig erscheinen. Alles Menschengemachte, Menschenerdachte ist meistens fehlerbehaftet, klingt anfangs gut, hat aber praktisch noch nie längerfristig Bestand gehabt …

In diesem, auch wörtlichen Sinn: paradise your life!

 


Das Scheinargument „medizinischtechnischer Fortschritt“

4. März 2011

Hier einige Auszüge aus dem neuesten Rundbrief von Dr. Rath. Ich befürworte seine Geschäfte keinesfalls, will er m.E. sich bloß einen Teil des fetten Pharma- Kuchens selber einverleiben und nicht Menschen gesunden lassen. Doch seine Argumente über die Pharma- Machenschaften sind stichhaltig und gut belegt.

… Die besonders besorgniserregende Entwicklung der
Arzneimittelkosten über einen Zeitraum von 60 Jahren zeigt diese Abb.:

Nicht zu vergessen: Hinzu kommen auch noch die privaten Zuzahlungen der Kassenpatienten sowie die arzneimittelbezogenen Ausgaben der Privaten Krankenkassen (PKV). Erstere wurden im vergangenen Jahr mit 1,8 Mrd. Euro für Arzneimittel zusätzlich aus eigener Tasche abgezockt. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten muss jeder Patient grundsätzlich10 % des Preises draufzahlen. Auch bei diesen Zuzahlungen gibt es über die Jahre hinweg nur einen Weg: nach oben.
Die Bedingungen für stets sprudelnde Gewinne sind perfekt: Patente sind der Schlüssel. Damit verbunden ist das Preisdiktat. Studien werden von den Pharmafirmen selbst durchgeführt, ggf. entsprechend vorteilhaft manipuliert oder ganz zurückgehalten, alles im Hinblick auf eine gewinnträchtige Vermarktung. Kontrollmöglichkeiten durch nabhängige Institutionen existieren kaum.
Dafür aber weitreichende Einflussmöglichkeiten der Pharmalobby, ob in „gut betreuten“ Selbsthilfegruppen, mittels diensteifriger Politiker oder durch hörige Medien. Nicht Gesundheit, sondern steigende Gewinnerwirtschaftung ist die Triebkraft in diesem Gesundheitssystem. Ganz offen wird bereits von Gesundheitswirtschaft gesprochen. Sie muss hochrentabel sein. Wie kann es sein, dass z. B. Krankenhäuser ihren Chefärzten Verträge vorlegen, um diese zu jährlichen Umsatzsteigerungen von vier Prozent zu verpflichten! An erster Stelle rangiert immer der höchstmögliche Umsatz der Praxis, des Krankenhauses, der Apotheke.
Ganz oben steht allerdings der Hauptakteur:
das Pharmainvestmentgeschäft.
Nur noch den Aktionären verpflichtet, steht einzig die Gewinnmaximierung im Vordergrund, nicht die Gesundung von Kranken oder gar eine Krankheitsvermeidung.
Die unbegrenzte Renditebefriedigung der Investoren mittels der Kranken ist ein einzigartiges Geschäft. Hier gibt es keine Patienten, nur noch Kunden. Der Arzt verkommt zum bloßen Dienstleister und muss selbst in Kategorien steigender Umsätze denken. So werden Krankenakten nach möglichen neuen, behandlungsbedürftigen Krankheiten durchgeforstet, immer neue Termine zwecks Untersuchungen mit den „Kunden“ vereinbart, zweifelhafte Diagnosen gestellt, ob nicht doch noch eine ernsthafte (vermarktungsfähige) Krankheit vorhanden sein könnte, und Medikamente verschreiben ist nahezu immer dabei. Gelangt der Patient erst in dieses Stadium, dann übernimmt die Gesundheitswirtschaft die volle Macht, meistens für die verbleibende Zeit seines Lebens. Viele werden durch übertriebene Verschreibung von Arzneimitteln mit ihren hochgradigen Nebenwirkungen schier zu Tode therapiert.
Die Medizin ist verkommen zu einem reinen Konsumgut. Und nur Konsumenten kurbeln schließlich die Wirtschaft an. Schwerstkranke bzw. chronisch Kranke sind somit die besten „Verbraucher“ und unglaublich profitable Kunden für die Gesundheitswirtschaft. Das ist unfassbar zynisch, leider aber das Ergebnis dieser nur noch auf Profit getrimmten Gesundheitsindustrie. Und noch perfider ist, dass es dieser Branche mit Hilfe der Politik gelingt, uns allen per Gesetz die dafür benötigten finanziellen Mittel über ständige Beitragssteigerungen Jahr für Jahr aus der Tasche zu ziehen. Um es deutlich zu formulieren: Nicht der propagierte medizinisch-technische Fortschritt ist eine Hauptursache der massiven Kostensteigerung im Gesundheitsbereich, sondern die tägliche Jagd nach Rendite, also nach Kranken oder zukünftigen Patienten.
Mehr Werbung als Forschung Die Pharmabranche argumentiert, dass neue Medikamente deswegen immer teurer würden, weil die Forschung und Entwicklung große finanzielle Mittel verschlingt. Dass dies nicht den Tatsachen entspricht, ist offenkundig. Unabhängige Berechnungen zeigen, dass die Branche dafür nur etwa ein Achtel des Betrages aufbringt, den sie offiziell angibt. Statt dessen wird doppelt so viel Geld wie für die Forschung in die Vermarktung dieser Medikamente gesteckt. Es wird geschätzt, dass in Deutschland etwa 40 % der Gesamtumsätze der Pharmaindustrie
für das Marketing verwendet werden.1 Auch diesen Etat finanzieren selbstverständlich die Versicherten, einzig damit die Pharma-Abzocker ihre Arzneien zwecks Renditeerwirtschaftung schnellstmöglich auf den Markt bringen und möglichst lange dort halten können. Dies ziemlich unabhängig davon, ob es wirklich neue oder nur Scheininnovationen sind oder ob ein wirklicher Zusatznutzen vorhanden ist.
Im Sinne eines dauerhaften Profits gilt, möglichst lange an der „Bekämpfung“ von Krankheiten zu forschen. Nur der Verkauf immer teurerer Medikamente sorgt dafür, die Aktienkurse hoch zu treiben, die für die Existenz dieser Pharma-Giganten die Grundlage sind. Die medizinische Wissenschaft wurde fast ausnahmslos in deren Dienste gestellt. Unabhängige Forschung ist heute zu einem Fremdwort geworden. Das gilt auch für die meisten Hochschulen und Universitäten, die zwingend auf finanzielle Drittmittel angewiesen sind.

Deshalb: Trau keinem, der Geld nimmt! Vertrau auf die Großzügigkeit und Freigibigkeit der Natur.
Oder noch kürzer und einfacher:
paradise your life ! 🙂

 


Arzneimittel-Tollhaus Deutschland

25. Oktober 2010

Da ich mich eher für positive, bzw. Lösungs-, Vorschläge zuständig fühle aber doch auch immer wieder einmal die div. Schieflagen und Gesellschaftsprobleme dargestellt werden sollten, hier ein Beitrag, den Tobis Knorr entdeckt hat:

Das Diktat des Überflusses. Eine Bestandsaufnahme der gigantischen Verschwendungen im deutschen Medizinbetrieb von Kurt G. Blüchel

http://www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/dokumentation/?cnt=271056&page=4
(Erklärung: Leider hat die „Frankfurter-Rundschau“ umgebaut und in Folge dessen alle Adressen geändert. Deshalb stimmt die hier Angegebene nicht mehr, finde aber auch den Artikel in deren Archiv nicht wieder. Na ja, obige war jedenfalls die Originaladresse)

http://www.miprox.de/Sonstiges/Arzneimittel-Tollhaus-Deutschland.htm

Der von Bundesregierung und Opposition ausgehandelte Gesundheitskompromiss gebietet der systematischen Plünderung der Krankenkassen durch medizinische Überversorgung kaum Einhalt. Die Verschwendungsorgie im Gesundheitswesen koste die Versicherten aber jährlich fünfzig Milliarden Euro, kritisiert Kurt G. Blüchel. Ausländische Pharma-Multis erfänden völlig neue Massenkrankheiten, um den deutschen Markt für Arzneimittel zu vergrößern. Die Schulmedizin verkomme zur Quacksalberei; ihre Misserfolge machten das Gesundheitswesen unbezahlbar. Und die Politik kuriere den Medizinbetrieb zu Tode.

Der weltberühmte Arzt Ferdinand Sauerbruch, Chef der Berliner Charité im Dritten Reich, wurde einmal zu einem Notfall in seiner eigenen Familie gerufen. Bei dem schwer kranken Patienten handelte es sich um den Hund seiner Tochter. Nach dem Eingriff kommentierte er das Resultat seiner Bemühungen mit jener Bemerkung, die als geflügeltes Wort zu zweifelhaftem Ruhm gelangen sollte: „Operation gelungen, Patient tot.“

Vor einem ähnlich jammervollen Schicksal steht vermutlich das soeben von Regierung und Opposition verabschiedete Gesundheitsreförmchen. Sein größter Fehler: Rücksichtnahme auf vordemokratische Systemstrukturen. Sein größtes Handicap: Nichtberücksichtigung eines rasant wachsenden Verschwendungspotenzials. Nicht etwa leere Kassen treiben den schwer angeschlagenen Medizinbetrieb in die Katastrophe, sondern die maßlose Vergeudung des Beitrags-Reichtums durch nimmersatte Interessengruppen.

Die Diagnose ist unstrittig, und sie gibt wenig Anlass zur Hoffnung: Das deutsche Gesundheitswesen, einst das Mekka der Medizin und jahrzehntelang von Experten im In- und Ausland als vorbildlich gepriesen, ist enorm überteuert und gleichzeitig unglaublich ineffizient. Im Ergebnis produziert es inzwischen mehr Kranke als Gesunde. Die Versicherten zahlen für die Luxusklasse, der Service allerdings ist – von rühmlichen Ausnahmen abgesehen – drittklassig. Dieses Fazit legen nicht nur internationale Studien mit zum Teil vernichtender Urteilsbegründung nahe, die beispielsweise der deutschen Herzmedizin – für viele das Filetstück unseres Medizinbetriebs – weit gehende Inkompetenz bescheinigen. Beschämender noch ist der Qualitätsstandard der deutschen Krebsmedizin, die seit Jahren im internationalen Ranking das Schlusslicht bildet. Mittlerweile ist selbst die wenig verwöhnte „Kundschaft“ unzufrieden: Mehr als die Hälfte aller Deutschen bewerten nach jüngsten Umfragen die Qualität der „Leistungserbringer“ im Medizinbetrieb als mangelhaft, in vielen Bereichen gar als völlig ungenügend. Hauptkritikpunkte: falsche und überflüssige Diagnosen sowie unsinnige und riskante Behandlungsmethoden.

Durchleuchtungswahn
In Deutschland werden jährlich rund 1250 Röntgenuntersuchungen pro 1000 Einwohner vorgenommen. In den Niederlanden und Schweden liegt diese Zahl zwischen 500 und 600. Dabei ist die ärztliche Versorgung in diesen Ländern auf Grund europäischer Vergleichsstudien erheblich besser als bei uns. Auf bis zu 50 Prozent der jährlich rund 100 Millionen von Internisten, Orthopäden, Chirurgen und Ärzten anderer Fachrichtungen durchgeführten Röntgenuntersuchungen könnte verzichtet werden, ohne dass die Qualität des ärztlichen Handelns darunter leiden würde – Einsparpotenzial: eine Milliarde Euro. Prof. Dr. Horst Kuni von der Universität Marburg weist darauf hin, dass infolge von Röntgenuntersuchungen in Deutschland etwa 50 000 Menschen jährlich an Krebs erkranken, 15 000 davon sterben.

Von den jährlich rund 200 000 an deutschen Kliniken vorgenommenen Gebärmutterentfernungen ist „mindestens jede Zweite überflüssig“. Bei Frauen, denen auf Grund von Bauchbeschwerden der Blinddarm entfernt wurde, stellte sich laut Prof. J. Waninger von der Universität Freiburg heraus, dass in 75 Prozent aller Fälle die Beschwerden auch nach dem Eingriff noch vorhanden waren. Bei 40 Prozent aller Eierstockoperationen lag nach Prof. Dr. H. Koester, ehemaliger Direktor der Frauenklinik der Städtischen Kliniken Dortmund, keine ausreichende medizinische Begründung vor.

Die Zahl der Herzkatheter-Labors hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Katheteruntersuchungen um 250 Prozent auf rund 490000 angestiegen. „Sicher wird heute zu viel und zu unkritisch kathetert“, erklärt Dr. Ernst Giert vom Städtischen Krankenhaus Offenbach. Aber: „Wer einen Hammer hat, tendiert dazu, jedes Problem für einen Nagel zu halten.“ Die Zahl der Ballondilatationen (mit Ballondilatationen werden Verengungen der Herzkranzgefäße aufgesprengt) ist gar um 400 Prozent angestiegen. Mit 4267 Linksherzkatheter-Untersuchungen pro eine Million Einwohner liegt Deutschland in Europa mit Abstand an der Spitze. Im europäischen Durchschnitt, so ist einem Herzbericht der obersten Landesgesundheitsbehörden zu entnehmen, wurden 1873 Linksherzkatheter-Untersuchungen pro eine Million Einwohner durchgeführt. Die meisten Herzkatheter-Unterschungen werden anscheinend nur um ihrer selbst willen gemacht, es schließt sich keine Therapie an. „Da kann man schon auf die Idee kommen“, so der Berliner Herzspezialist Professor Eckart Fleck, „dass mancher Kardiologe mehr für sein Konto als für den Patienten arbeitet.“

Deutschland nimmt im internationalen Vergleich mit rund 70 Betten je 10 000 Einwohner einen Spitzenplatz ein. Gleichzeitig dauert die Krankenhausbehandlung hier zu Lande mit durchschnittlich 12 Tagen je Krankenhausfall am längsten. Der Grund: Die Betten müssen belegt sein. Regierungsberater Professor Karl W. Lauterbach rechnete vor, dass hier zu Lande etwa 230 000 (von rund 550 000) Klinikbetten abgebaut werden müssten, um auf den internationalen Durchschnittswert zu kommen. Das Sparpotenzial beläuft sich in diesem Bereich auf rund 20 Milliarden Euro.

Unnötige Überdiagnostik
Bei der Krebsdiagnostik könnten nach Prof. Dr. Henning König von der Universität Erlangen bis zu 25 Prozent der Kosten eingespart werden. Die Einsparungen seien möglich, ohne dass die Qualität der Diagnosen und der nachfolgenden Behandlung leidet. Es sei lediglich erforderlich, auf die gegenwärtige „unnötige Überdiagnostik“ zu verzichten – damit könnte gleichzeitig Zehntausenden von Patienten viel Leid erspart werden. Jedoch: „Das im Gesundheitssystem erbrachte Leistungsspektrum orientiert sich primär – völlig zu Recht – an den wirtschaftlichen Überlebenschancen der Leistungserbringer und nicht an den Bedürfnissen der Leistungsnehmer“ (Patienten), wie einem Leitartikel des Deutschen Ärzteblattes zu entnehmen war.

Eine von der Schwäbisch Gmünder Ersatzkasse in Auftrag gegebene Studie ergab, dass 30 Prozent aller Knie-Operationen überflüssig sind und darüber hinaus 50 Prozent der Operierten mit dem Ergebnis nur bedingt oder gar nicht zufrieden waren. Andererseits ist es, wie Professor Jani in der Ärztezeitung Medical Tribune darlegte, innerhalb von nur drei Jahren zu einem Anstieg arthroskopischer Eingriffe von 600 Prozent gekommen. Bei 442 kontrollierten Spiegelungen des Magens waren 43 Prozent medizinisch unbegründet.

Deutsche Chirurgen amputieren bei Zuckerkranken viel zu häufig: In unseren Kliniken werden pro Jahr fast 30 000 Amputationen vorgenommen. „Das sind viel mehr als in anderen europäischen Staaten wie Frankreich, den Niederlanden, Italien und den skandinavischen Ländern“, sagte Hans Henning Wetz von der Universität Münster. „Es könnten 8000 bis 10 000 weniger sein.“ Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Deutschland schon vor Jahren in einer Deklaration aufgefordert, die Amputationen bei Zuckerkranken zu halbieren.

Derzeit werden auf Grund von jährlich vier Millionen „grauen Mammographien“ 100 000 Frauen operiert, die nicht operiert werden müssten, wenn stattdessen mit der Qualität der europäischen Nachbarländer wie zum Beispiel der Niederlande gescreent würde, heißt es in einem Gutachten des Sachverständigenrates für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen. Von den jährlich 100 000 operierten Frauen sterben im Schnitt 4000.

Überflüssige, d. h. medizinisch unbegründete Operationen werden fast allen Fachgebieten vorgeworfen. Insgesamt sollen sich von den jährlich acht Millionen vorgenommenen Eingriffen etwa die Hälfte als nicht notwendig erweisen. Der Münchner Medizin-Informatiker Wilhelm von Eimeren warnte vor allzu unspezifischen Massentests. Damit drohen die Deutschen zu einem „Volk von Vorsorgegeschädigten“ zu werden.

Falls das Verhalten der Ärzte selbst und ihrer Familienangehörigen zum Maßstab genommen würde, könnten nach Schätzungen von Experten allein 30 Millionen Krankenhaustage oder ca. 22 Milliarden Euro eingespart werden – aber auch Zehntausende von Toten sowie Hunderttausende Medizingeschädigte pro Jahr verhindert werden. Bei Operationen der Gallenblase liegt die Eingriffshäufigkeit 84 Prozent höher, bei Hämorrhoiden-Operationen 83, bei Gebärmutteroperationen 53 Prozent und bei Mandeloperationen immer noch 46 Prozent höher als bei Ärzten und ihren Familienangehörigen. Lediglich bei Blinddarmoperationen liegen die Vergleichszahlen bei der übrigen Bevölkerung mit acht Prozent nur unwesentlich höher als bei Ärzten. Dafür lehnen fast 95 Prozent der Ärzte für sich und ihre Familienangehörigen eine Chemotherapie bei Krebs ab.

Das Wissenschaftliche Institut der Allgemeinen Ortskrankenkassen hat errechnet, dass die Lebenserwartung der Bevölkerung im gleichen Maße sinke wie die Arztdichte in Ballungsräumen zunehme. Der renommierte Medizinpublizist Dr. med. Hans Halter ist auf Grund eigener Nachforschungen zu ähnlich alarmierenden Ergebnissen gelangt: „Bürger, die in einem Gebiet mit vielen Ärzten und reichlich Krankenhäusern wohnen, verwandeln sich rascher in Patienten, werden häufiger operiert, nehmen mehr nebenwirkungsreiche Medikamente und sterben, gemessen am statistischen Durchschnitt, früher.“ 46 Prozent der Ärzte sind nach einer Emnid-Umfrage davon überzeugt, dass es in Deutschland zu viele Ärzte gibt. Zwei Drittel aller Patienten haben das Gefühl, dass im Verlauf einer Behandlung mit wechselnden Ärzten viele Untersuchungen doppelt vorgenommen werden. Rund die Hälfte aller Patienten hat die Erfahrung gemacht, dass Ärzte überflüssige Leistungen erbringen. Die Ärzte bestätigen diese Erfahrung: Zwei Drittel geben an, dass Ärzte gelegentlich oder sogar häufig therapeutisch überflüssige Leistungen erbringen.

Sinnlose Verschreibungen
Obwohl die Bevölkerungszahl (Versicherte) sich in den letzten zwanzig Jahren mit rund sechs Prozent nur wenig entwickelt hat, stieg nach einer Mitteilung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung die Zahl der niedergelassenen Ärzte um das Zehnfache auf 65 Prozent. Die Zahl der Fälle je Arzt ist seither jedoch konstant geblieben. Hartmut Recke vom Berufsverband Deutscher Laborärzte schätzt die jährliche Verschwendung allein durch falsche und überflüssige Labortests auf 250 Millionen Euro. Mit der Zahl der Ärzte ist, so berichtet der Deutsche Apothekerverband (ABDA), gleichzeitig auch die Zahl der Apotheken in Deutschland kontinuierlich angestiegen – innerhalb von vier Jahren um rund 4,4 Prozent. Dies hat jedoch nicht zu Umsatzrückgängen geführt, sondern im Gegenteil: Der Umsatz je Apotheke ist in diesem Zeitraum um 23,1 Prozent angestiegen. Für die Gesetzliche Krankenversicherung bedeutet dieser Anstieg eine zusätzliche Finanzbelastung von mehr als 15 Prozent.

Im Bereich der fast 130 000 niedergelassenen Ärzte führen nach einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft Kiel die Überkapazitäten zu einem regelrechten Abrechnungskrieg. Im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen – im Zusammenhang mit der explosionsartigen Leistungsmengenentwicklung – wurden reihenweise Abrechnungsbetrügereien aufgedeckt. Niedergelassene Ärzte rechneten zum Beispiel Leistungen ab, für die sie mehr als 30 Stunden am Tag hätten arbeiten müssen. Aus den Abrechnungen ging hervor, dass manche Ärzte sogar Säuglinge über Sexualität, Drogenkonsum und Verhütungsmittel im Rahmen der „Lebensberatung“ aufgeklärt haben wollten.

Skandalöse Qualitätsmängel in der Arzneimitteltherapie verursachen nach Meinung von Prof. Dr. Manfred Wehling, Leiter des Instituts für Klinische Pharmakologie Mannheim, „eine extreme Schieflage“: Bluthochdruck-Behandlungen seien nach umfassenden Studien nur bei sechs Prozent der Patienten „leitliniengerecht realisiert“ worden, Cholesterin-Behandlungen bei Herz-Kreislauf-Krankheiten gar nur bei vier Prozent. Der Hauptgrund für diese Tragödie: Mehr als die Hälfte der deutschen Ärzte kann nicht fachgerecht mit Arzneimitteln umgehen. Der bekannte Internist und Klinische Pharmakologe Prof. Dr. Jürgen C. Frölich an der Medizinischen Hochschule Hannover sagt in diesem Zusammenhang: „Ein erheblicher Teil der Ärzte weiß nicht, wie viel Wirkstoff sie einem individuellen Patienten verschreiben dürfen und wie viel ihn womöglich umbringen wird.“ Frölichs Institut hat diese erschreckende Erkenntnis an 168 Ärzten in deutschen Krankenhäusern gewonnen. Diese Ärzte arbeiteten im Durchschnitt seit drei Jahren an ihren Kliniken, „waren also keine Neulinge“. Professor Frölich, der 1994 zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen den Arzneimittelinformationsdienst AID einrichtete, fragte nach den richtigen Dosierungen der 17 meisteingesetzten Medikamente – „bei einem geradezu irreal einfachen Kranken: ungestörte Leber- und Nierenfunktion, Normalgewicht, mittleres Alter, keine Begleiterkrankungen“. Das Ergebnis: 46 Prozent der befragten Ärzte machten korrekte Angaben zur Dosierung. 15 Prozent der Angaben hätten deutliche Unterdosierungen bedeutet, „so dass kein Behandlungserfolg zu erwarten gewesen wäre“. Sieben Prozent der Antworten waren Überdosierungen – „und zwar heftige“. 32 Prozent aller befragten Mediziner hatten es vorgezogen, zum Thema Dosierung überhaupt keine Antwort zu geben …

Kein Wunder, dass auch die Zahl der durch Arzneimittel geschädigten Patienten ohne direkte Todesfolge ungeheuer groß ist. So kam Professor Wehling an seinem Mannheimer Institut zu einem nicht weniger skandalösen Resultat: Mehr als zwei Millionen ältere Menschen über 60 Jahre müssen jährlich nur deshalb in Kliniken eingewiesen werden, weil sie von niedergelassenen Ärzten unsachgemäß mit Medikamenten behandelt werden.

Seit langem gilt Deutschland im internationalen Vergleich als das Arzneimittel-Tollhaus Europas. Schon heute zählt hier zu Lande die unüberschaubare Fülle der Zäpfchen und Pillen, Tropfen und Salben – insgesamt soll es zwischen 50 000 und 60 000 verschiedene medikamentöse Darreichungsformen geben – zu den wichtigsten Todesursachen. Würden auf den Gräbern aller Arzneimittelopfer Kerzen brennen, wären unsere Friedhöfe des Nachts erleuchtet wie sonst nur zur Adventszeit. Der frühere Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer bezeichnete es bereits in den neunziger Jahren als „schwachsinnig, risikoarme Arzneimittel durch risikoreiche und billige durch teurere zu ersetzen“.

Das „abwartende Offenlassen“ von Diagnosen von Hausärzten und Internisten sowie der Einsatz „angemessen wirksamer“ Medikamente dürfte künftig die einzige Möglichkeit sein, vor allem Patienten mit Bagatellerkrankungen – das sind mehr als 80 Prozent aller Behandlungsfälle im Bereich der niedergelassenen Ärzte – vor Schäden zu bewahren. Der Münchner Arzt Dr. med. Klaus-Eberhard Haase, ehemals leitender Manager in der pharmazeutischen Industrie und Mitglied der Transparenzkommission beim Bundesgesundheitsamt, hat in einer viel beachteten Abhandlung über „Positiv-Liste: Risiken und Gefahren für Patient und Arzt“ schon vor Jahren auf diesen Zusammenhang aufmerksam gemacht: „Je ernsthafter die Erkrankung, desto wirksamer muss das Arzneimittel sein, auch unter Inkaufnahme von Risiken – und umgekehrt! Eine Nutzen-Risiko-Abwägung als Voraussetzung für die Verordnung eines angemessen wirksamen Arzneimittels ist allerdings nur beim jeweiligen Patienten durch den behandelnden Arzt, nicht pauschal durch bewertende Listen (z. B. Positiv-Liste!) möglich. Er muss deshalb schwächer wirksame (nicht unwirksame!), aber gut verträgliche Arzneimittel ebenso ungehindert verordnen können wie stärker wirksame und nicht so gut verträgliche.“

Gesundheit rechnet sich nicht
Die internationalen Pharma-Konzerne sind jedoch stattdessen zu einem globalen Arzneimittel-Wettrüsten angetreten. Das hat inzwischen dazu geführt, dass heute bei fast 20 Prozent der Todesfälle in einem Krankenhaus die unerwünschten Nebenwirkungen von Medikamenten und ihre fehlerhafte Anwendung infolge falscher Diagnosen die Hauptrolle spielen. Vor allem die aktuellsten, in US-Laboratorien entwickelten Medikamenten-Innovationen können nicht nur zehntausende Todesfälle verursachen, sie können auch hunderttausende Todesfälle mitverursachen; ganz zu schweigen vom Schicksal jenes Patientenheeres, das auf Grund der heute üblich gewordenen Übermedikalisierung viele kranke Menschen für den Rest ihres Lebens zu Krüppeln stempelt.

Unterdessen werden durch millionenschwere Aufklärungskampagnen alle möglichen Allerweltsleiden zu bedrohlichen Krankheiten aufgebauscht oder – schlimmer noch – Massenkrankheiten völlig neu erfunden. Handel treiben mit Krankheiten („Disease Mongering“) bezeichnen Kritiker dieses makabre Spiel mit der Angst der Bürger, das nicht nur zum festen Bestandteil von Marketingstrategen der Pharma-Multis zu werden droht, sondern sich offensichtlich auch für das ständig wachsende Heer der Ärzteschaft auszahlt. Denn „der Wettbewerb zwingt zur Erschließung neuer Märkte“, so das Thema einer Titelgeschichte, die im September vorigen Jahres im Deutschen Ärzteblatt erschien. Dort heißt es weiter: „Das Ziel muss die Umwandlung aller Gesunden in Kranke sein …“

Die Urologen sprangen als Erste auf den Zug in eine verheißungsvolle Zukunft. Der „Männer Leibärzte“ wollen sie werden, „unverzichtbare Begleiter für ein ganzes Männerleben“. Der Bundesverband Deutscher Urologen etablierte flugs einen „Innovationsausschuss“, um künftig auf der „Erfolgswelle“ mitzuschwimmen. Bei so viel Zukunftsbegeisterung wollen die Frauenärzte natürlich nicht abseits stehen. Sie waren ja schon in der Vergangenheit nicht ohne Kreativität und Fantasie. Von präventiven Brustamputationen bis zu vorsorglichen Gebärmutterentfernungen haben sie in den letzten Jahren ihre Patientinnen stets mit einer erstaunlich großen Angebotspalette überrascht. „Häufig macht man sogar Hysterektomien, um die Frauen von ihrer menstruellen Migräne zu befreien“, wundert sich die Ärztin Dr. A. Gendolla von der Neurologischen Universitätsklinik Essen. „Die haben natürlich überhaupt keinen Einfluss. Die absurdesten Dinge, von denen ich gehört habe, waren Brustreduktionen wegen Migräne.“ Dass die Pfründe der Gynäkologen nicht austrocknen, dafür wollen künftig auch die Pharma-Hersteller sorgen. Mit „Viagra für Frauen“ werden jetzt Arzneimittel-Unternehmen die Normierung des Geschlechtsaktes vorantreiben – wer nicht mitmacht, wird als krank erklärt.

43 Prozent aller US-Amerikanerinnen über 18 Jahre sollen an einer „sexuellen Funktionsstörung“ leiden, weil sie angeblich keine Lust oder 0rgasmusschwierigkeiten beim Geschlechtsverkehr haben. Alle diese Frauen seien behandlungsbedürftig. Nur ganz vereinzelt gibt es hier zu Lande kritische Stimmen: „Jeder zweiten Frau eine Sexualstörung anzudichten, ist eine üble Tour“, meint Klaus Diedrich, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Frauenheilkunde und Geburtshilfe.

Angst bringt Profit
An einer Fülle anderer Beispiele für Disease Mongering mangelt es nicht: Schlafstörungen, Essstörungen, Angst, Aufmerksamkeitsstörungen bei Kindern, aber auch unerwünschte Kinderlosigkeit oder Schönheitsmängel, Erektionsstörungen, Sodbrennen, Existenzangst, Vergesslichkeit, Fußpilze, Glatzenbildung, Depressionen oder das so genannte Reizdarmsyndrom werden durch konzertierte Aktionen vom großen Bruder Pharma und seinen medizinischen Handlangern in den Stand gefährlicher und behandlungsbedürftiger Krankheiten erhoben – besonders dann, wenn auch die passenden Medikamente zur Verfügung stehen. Die Pharma-Industrie macht die Angst der Menschen zum Programm; ihre subtilen „Aufklärungskampagnen“, die subjektiv Krankheit heilen wollen, in Wirklichkeit aber der Bevölkerung nachhaltig die Gesundheit austreiben, wirken sich, wie der Hamburger Psychiater Prof. Dr. Klaus Dörner es formuliert, „umso destruktiver aus, je mehr sie der Vermarktung und dem Wettbewerb überlassen werden“. Diese Prinzipien seien in der übrigen Wirtschaft segensreich, im Gesundheitswesen jedoch „tödlich“.

Nach Prof. Dr. Peter Schönhöfer, Pharmakologe und seit vielen Jahren Mitherausgeber des unabhängigen Arznei-Telegramms in Berlin, steht zweifelsfrei fest: „Das allgemeine Handlungsprinzip im deutschen Gesundheitswesen ist Betrug.“ Mit einer im medizinischen Fachschrifttum seltenen Deutlichkeit hat sich auch die altehrwürdige Münchner Medizinische Wochenschrift in die gesundheitspolitische Diskussion eingemischt. Unter der Überschrift „Weiße Kittel und schmutzige Hände“ nahm das angesehene Ärzteblatt den Medizinbetrieb als „Unrechtssystem“ ins Visier und zitierte den Leiter der Sonderkommission „Abrechnungsbetrug“ beim Bundeskriminalamt, Raimund Schmidt, mit einer vernichtenden Feststellung: „Die kriminellen Strukturen im Gesundheitswesen sind nur noch vergleichbar mit der ‚organisierten Kriminalität‘.“

Damit der deutsche Medizinbetrieb nicht unter dem Primat der Ökonomie verkommt, fordert auch Professor Dr. med. Jürgen C. Frölich vom Institut für Klinische Pharmakologie an der Medizinischen Hochschule Hannover auf einem Gesundheitsforum in München radikale Konsequenzen. Angesichts der von ihm geschätzten 30 000 Arzneimitteltoten pro Jahr sei nun vor allem die Politik zu raschem Handeln aufgefordert; denn die durch diese Todesfälle verursachten Folgekosten allein beziffert Frölich auf mehr als 30 Milliarden Euro pro Jahr. Noch bizarrer sind die Untersuchungsergebnisse seines Kollegen Wehling, der jüngst in dem angesehenen Fachjournal Deutsche Medizinische Wochenschrift die Vermutung anstellte, dass von den 500 000 Todesfällen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen wahrscheinlich 100 000 verhindert werden könnten, wenn die Patienten nicht die falschen Arzneimittel bekämen.

Ulla Schmidt und Horst Seehofer haben mit ihren derzeitigen Reformbemühungen fast nichts gegen die gigantische Verschwendung im Gesundheitswesen getan, vor allem die vordemokratischen Systemstrukturen unangetastet gelassen. Nicht der medizinische Fortschritt lässt das marode System aus dem Ruder laufen, vielmehr sind es die weltweit einmaligen Verhältnisse des deutschen Medizinbetriebs als Anbietermarkt. Kliniken und Ärzte, Apotheker, Krankenkassen und Arzneimittelhersteller beeinflussen das Preisgefüge viel nachhaltiger. als es Patienten je könnten. Für die so oft zitierte „Anspruchsinflation“ der Bürger konnten empirische Belege bis heute nicht beigebracht werden.

Zweifelsfrei belegt ist dagegen die Erkenntnis, dass Ärzte die Leistungen in Praxis, Klinik und vielen anderen Gesundheitseinrichtungen festlegen, die Produzenten pharmazeutischer und medizinischer Gerätschaften den Preis bestimmen, gesetzliche Krankenkassen ohne Kontrolle Rechnungen bezahlen – von den Beiträgen, die den 72 Millionen Versicherten monatlich zwangsenteignet werden.

Eigenverantwortung der Bürger ist gut, Transparenz und hinreichende Aufklärung ebenfalls. Doch als Kontrollinstanz, als reformerischer Machtfaktor, der gewissermaßen vom Feldherrnhügel die Richtung vorgibt, ist der Kranke maßlos überfordert. Die Patienten stehen im undurchdringlichen Labyrinth des Gesundheitssystems auf verlorenem Posten. Deshalb sollte die Bundesregierung endlich die Selbstverwaltungsorgane und ihre Leistungserbringer zwingen, zumindest eklatante Versäumnisse und Mängel bei der medizinischen Versorgung zu beseitigen, die Strukturen durchsichtig zu machen, und damit ansatzweise Kundensouveränität im chaotischen Gesundheitsmarkt sicherstellen.