Perverse Helfer?

22. Dezember 2017

Ich frage mich oft, ob Helfern nie die Idee kommt, mit ihrer Hilfe doch schon früher anzusetzen. Besonders jetzt in der Vorweihnachtszeit wusselt es ja allerorten nur so von Helfern. Egal ob es sich um ‚Licht ins Dunkel‘ handelt, ob Freiwillige die Telefonseelsorge unterstützen, ob für Unfallopfer oder Obdachlose gespendet wird oder ob der Herr Primar mit seiner Operation Leben rettet. Immer wird erst geholfen wenn schon ‚das Haus brennt‘.
Die Ärzte- Wartezimmer beispielksweise sind voll während Gesundheitstrainer ordentlich strampeln müssen um überhaupt Klienten zu finden. Die Privat- Akademie bei der ich meinen Akademischen Gesundheitstrainer machte ist in Konkurs gegangen, während die Medizin- Unis Zugangsbeschränkungen kontinuiertlich verschärfen müssen …

Ist dieses heroische Retten und Helfen vielleicht irgendwie erregend oder geil? Kommt man sich besser oder größer vor, wenn man sich als Retter aufspielen kann, wenn man sich mit den Letzten der Letzten umgibt?
Oder können diese Leute bloß nicht – schachspielmäßig – ein paar Züge vorausdenken? Denn es wäre doch praktisch jedes Problem vermeidbar, begänne man nur früh genug zu informieren. Aus dem Gesundheitsbereich z.B. weiß ich, bestens belegt, dass 90- 95% all unserer Erkrankungen vermeidbar wären.
Warum also wird so wenig präventiv getan?
Oder ist bloß mehr Kohle zu machen, wenn den Leuten das Wasser bereits bis zum Hals steht?

 
PS: Ups! Jetzt hätt ich fast vergessen auf den heurigen Adventkalender! – So kurz vorm Finale

 

 

 


Helfen

22. Juni 2017

Heute wieder einmal ein Gastbeitrag, den ich Euch nicht vorenthalten möchte:

Kürzlich als ich frühmorgens schon in meine Ordination eilte um den vielen Wartenden zu helfen glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen! Schon zu so früher Stunde plagten sich in diesem Fitness- Tempel die armen Menschen. Soetwas kann ich einfach nicht sehen. Natürlich lief ich sofort hinein, half dieser extrem schlanken Dame ihre Gewichte zu stemmen. Dem jungen Mann am Stepper stellte ich seinen Zähler vor, klopfte ihm auf die Schulter und sagte: ‚Es ist genug. Plagen sie sich nicht unnötig. Das sage ich ihnen als Arzt‘. Gottseidank hatte ich auch meine Notfalltasche mit dabei, sodass ich einer völlig erschöpften Frau sofort eine kreislaufstärkende Spritze verabreichen konnte.
Ich finde, das Helfen wo wir nur können sind wir unseren Mitmenschen einfach schuldig. Helfen gehört zu unseren christlich abendländischen Werten. Natürlich hab ich auch meinen Kindern immer die Hausaufgaben gemacht. Was sollen sich so Kleine schon so plagen müssen!?
Natürlich haben wir sie auch täglich in die Schule geführt und wieder abgeholt. Man weiß ja nicht welche Perversen ihnen am Schulweg auflauern …
Ok, unser Schulweg damals war der größte Spaß des ganzen Schultages. Aber heute ist das eben anders. Man will ja schließlich dem Fortschritt nicht im Wege stehen und hilft gerne.
Uns wird ja auch allerorten geholfen. Die Wirtschaft versorgt uns mit immer bequemeren Autos, Maschinen, mit geschmacklich wunderbaren Fertiggerichten und Naschereien. Ok, wir haben ein kleines Übergewichts- und Diabetesproblem. Doch auch da stehen uns doch abertausende höchstqualifizierter Chemiker und Biologen der Pharmaunternehmen helfend zur Seite.
Also ich finde, wir machen alles richtig und sollten zu diesen unseren Werten stehen. Wir haben es echt gut erwischt mit unserem Fortschritt. Wir brauchen keine eigenen Erfahrungen mehr zu machen, können alles in Büchern nachlesen oder im TV oder Internet ansehen. Das sind doch Clowns, die da behaupten, wir würden dadurch manipuliert und sinnlich verarmen! Bin ich blöd und wate durch Sümpfe wenn ich Krokodile sehen will!?
Das wär doch echt verrückt, zu glauben, man müsste heutzutage noch alles selber erleben. So ein Wasserfall oder Sonnenuntergang ist auf dem flat screen doch praktisch naturident! Und obendrein kann die Technik ja noch weitaus mehr!
Also ich steh zu unseren Errungenschaften und Werten und würde sie natürlich auch verteitigen.
Gerade jetzt! Immer mehr sogenannte Alternative wettern zum Beispiel gegen die Pharmas, plädieren für die Stärkung von Selbstheilungskräften … Ja, himmelfixteufel nocheinmal! Als hätt‘ schon einmal jemand diese Selbstheilungskraft gesehen oder wissenschaftlich nachgewiesen! Für meine Medikamente und Impfungen dagegen, ist es selbstverständlich, dass es von der jeweiligen Firma einen Wirknachweis und ausführliche Beipackzettel gibt. Papperlapapp Nebenwirkungen! Alles hat seinen Preis! Das ist einfach so! Wenn man einen Apfel isst, so wirkt der ja nebenher auch gesun …. Ach, das war kein gutes Beispiel …

Puuuuhhh! Ein starkes Stück! Vielleicht brauchen wir ja doch mehr Arzt- Helfer – im wörlichen Sinne – als wir denken … 😉

 

 

 


Bodhisattva

20. Januar 2014

BodhisattvaIch hätte eine Frage.
Stell Dir vor, Du könntest jemandem helfen. Egal ob Du mehr weißt als er, ob Du bessere Verbindungen hast als er, egal ob Du besser bist oder nur glaubst besser zu sein.
Und dieser Jemand nimmt Deine Hilfe nicht an, kann sie nicht annehmen, versteht sie nicht, will sie nicht …. egal. Er sperrt und verweigert sich einfach.

Was tust Du dann?
Nimmst Du es wie es ist?
Bemühst Du Dich weiterhin?
Oder bist Du enttäuscht und frustriert?

Bezweifelst und hinterfragst Du Deine Position?
Bist Du Dir Deiner Meinung sicher oder lässt Du Dich verunsichern?

Angenommen, Du bist Dir Deiner Sache 100%ig sicher – falls es soetwas überhaupt gibt … 😉
Kannst Du dann verantworten, diesem Menschen NICHT geholfen oder sogar ihn NICHT ‚gerettet‘ zu haben?
Darf man einfach sagen: ‚Es hat alles einen Sinn. Hungernde wollen vermutlich hungern, um zu lernen oder weil es ihr Schicksal ist‘?
Darf man sich zurückziehen auf die Position: ‚Mein Ego will doch nur Recht behalten. Es ist alles gut wie es ist.‘?

Muss man retten?
Darf man retten?
Ist ‚Retten‘ bloß ein Ego- Trip?

Hatte Goethe mit seinem ‚Wer strebend sich bemüht …‘ Recht?
Oder ist das alles bloß ein erbärmlicher Ego- Trip?
Oder sind wir Bodhisattvas, die allen ‚rüber- oder weiterhelfen‘ dürfen, bis alle da sind wo wir sind?

Darf man ‚ewig‘ Lernender, Aufnehmender sein, ohne je etwas weiterzugeben?
Dürfen wir ewige Lernende sein, die nur auf sich selber sehen. Nur sich selber weiterentwickeln?
Oder sollten wir irgendwann unser Wissen auch weitergeben?
Oder ist das wieder und auch ein Ego- Trip?

Sollten wir alle nicht irgedwann vom Lernenden zu Lehrenden werden?
Aber wann wissen wir genug, um zu lehren, um zu helfen?
Jetzt schon? Morgen? Wann?
Wussten wir nicht vorgestern weniger als gestern, gestern nicht weniger als heute?
Wann also weiß man genug um zu helfen?
Muss man dann helfen?

Oder braucht man überhaupt nie zu helfen?
Braucht man immer bloß auf gleichem Niveau zu plaudern (um nur ja nicht anzuecken)?
Wollen wir immer nur den Menschen (aus Eigeninteresse) nach dem Mund zu reden?

Wozu sind wir hier?
Um gut zu leben?
Um zu helfen?
Um diese Welt besser zu machen?
Um diese Welt zu lassen wie sie ist?
Oder gar, um diese Welt dunkler zu machen!?

Fragen über Fragen …

Vielleicht aber brauchen wir all diese Fragen gar nicht so genau zu beantworten. Vielleicht reicht es ‚artgerecht‘ menschlich zu reagieren:
Was ich glaube zu wissen, was ich an guten Erfahrungen gemacht hab, gebe ich weiter. Wird es angenommen, ist es ok, wird es nicht angenommen, ist es auch ok.

Aber dann beginnt dieses Spielchen wieder von vorne (oben) … 😉