Nein, nein, die Suppe ess ich nicht!

4. März 2011

Auch in Äthiopien konnte ich wieder sehen, wie stark alte Gewohnheiten, im Ernährungsbereich das altbekannte Mama- Happa- Happa, wirken. Das Essen, mit dem wir ‚aufgezogen’ wurden, mit dem wir ‚Mutter’, ‚Geborgenheit’, ‚Vertrautheit’ assoziieren, an dem bleiben wir ein Leben lang hängen, wenn wir uns nicht bewusst davon lösen.
Ja ‚bewusst’!
Wenn wir nix tun, passiert gar keine Veränderung. Oder nur die schleichenden Veränderungen die die gesellschaftlichen Veränderungen, die von der Wirtschaft und Werbung initiiert wurden, mit sich bringen.
Wir lernten ja bei der Mama auch bloß das Laufen und nicht das Autofahren. Genauso müssen wir auch lernen ÜBER das gewohnte Essen – oder auch Verhalten – HINAUSzugehen, um zwar nicht schneller und bequemer uns fortzubewegen, sondern um gesünder und länger zu leben, um die Mitwelt zu schonen und uns wieder ein einfacheres und dabei genussvolleres Leben zu ermöglichen.
Äthiopier sind von klein an so sehr auf ihr Inschara gedrillt, dass sie es 3x täglich essen und auch noch gut finden, obwohl es für unseren Geschmack unattraktiv wie altbackenes, übersäuertes und eingeweichtes Brot schmeckt.
Selbst Kinder greifen lieber zum Inschara als zu den herrlichen Früchten, die da überall wachsen.
Dazu kommt natürlich auch die völlig unnatürliche, um nicht zu sagen ver-rückte Preispolitik. Ungesündestes wird allerorten preisgestützt und die Tiere für die Reichen fressen die Nahrung der Armen.
Sieh Dir also genau an woher Deine Vorlieben kommen, was sie mit Dir tun (werden) und wie Du zu Deinem ‚Führerschein für ein besseres Leben’ kommst …

 


Viiiiiiel zu viel …

25. Februar 2011

(Reisebericht Äthiopien)

… Zucker und Süßes essen wir, fällt mir auch jetzt wieder hier in Äthiopien auf.
Es ist kein Zufall, dass diese Menschen Zähne wie Perlen haben. Sie essen praktisch überhaupt nichts Süßes, nehmen bloß diese Winztässchen schwarzen, ursüßen Kaffees zu sich.
Durch dieses 3x tägliche Inschara mit diversen Saucen ist die äthiopische Geschmacksnote weit weg von süß und eher säuerlich bis scharf.
Die Zeiten der gesunden Zähne scheinen mir aber bald vorbei zu sein. In allen Shops und Cafe’s ‚lauern’ bereits die kitschig bunten Zucker- Lollies und Limonaden.
Es mutet irgendwie absurd an, wenn man in einem Cafe sitzt in dem alle Gäste frische Juice (=smoothies) trinken, die Regale aber voll mit bunten Limoflaschen sind. Doch jeder Kaufmann weiß, dass man genau so, Neues einführt …
Für mich, der ich zu Hause sehr ‚brav’ roh esse war es dennoch ein gutes Lehrstück hier, dass man ohne all das viele Süße sehr gut und ganz unzweifelhaft gesünder leben kann.
Ich werde meine vielen süßen Roh- Schokos, Kakaos, Drinks, Cremen und Muse als Dessert oder Zwischenmahlzeit sicherlich drastisch einschränken. Zudem ich neben meiner österreichisch süßen Sozialisation ja auch den psychischen Hintergrund von Süßhunger kenne. Den verrat’ ich hier aber nicht! 😉
Bei den green smoothies war ich durch kontinuierliches Erhöhen des Grünanteils bereits auf dem bestem Weg …

 


Waaaahnsinn!

24. Februar 2011

(Reisebericht Äthiopien)

Soooo schön!!!
Ich war heute in einem – naja, kein Restaurant, kein Cafe ….
Es hat gewirkt wie privat eingeladen, in so einem ‚Ur- Häuschen’, dessen Wände mit Erde und Kuhdung verschmiert sind, bin selten liebenswürdig aufgenommen und bedient worden (inkl. Führung zur Kuh, die gleich im Nebenraum ‚wohnt’ ein süßes Kalb und unglaublich wohlschmeckende Milch hatte).
Jaja, ich weiß, das ist nicht vegan! Aber ich musste einfach kosten …
Ich hab da endlich einmal ein sensationell gutes Inschara bekommen.
Auch das Interieur war selten fremd aber heimelig und für uns höchst originell.
Die Wände dunkel- aber strahlend blau, die Decke gestreifte (Plastik-)Stoffbahnen, die Stühle, Tische und ‚Theke’ dunkelrot gestrichen, am Boden war Heu ausgestreut und auf den Tischen lagen sehr attraktive Blätter die angeblich gegen Fliegen wirken.
An der Rückwand des ca. 3 x 4 m- messenden Raumes, neben der ‚Theke’ saß auf einem Polster am Boden die Chefin vor einem Tablett mit Kaffeetassen und einem Kohlekocher, auf dem sie das Kaffeewasser erhitzte. Neben ihr, kontrapunktisch präzise ein relativ moderner, weißer Kühlschrank!

Das Inschara war mit Häufchen von gekochtem Kohl, roter (Paprika) Linsen- Sauce, eingelegtem Kraut und frischem Kuhkäse, und Zwiebel- Tomaten ‚beladen’.
Bei der Führung sahen wir auch den Inscharar und gleich daneben den Brot- Ofen.

Alles wie seit Steinzeiten verwendet, aus einfacher Erde mit Kuhdung gebaut, modelliert und gebrant.

Ich hoffe, gemeinsam mit den Fotos könnt Ihr Euch ein halbwegs gutes Bild von dieser absolut faszinierenden Szene machen …

 


Äthiopisch essen

23. Februar 2011

(Reisebericht Äthiopien)

Das Essen hier ist – zumindest für mich, wenn ich mal nicht verwöhnt werde – ein Graus!

a) Sie lieben Fleisch, wofür ich nicht wirklich Verständnis aufbringe (wenn doch das Land eh so arm ist und der schlechte Wirkungsgrad der ‚Fleischproduktion’ selbst für Dümmste einsehbar sein müsste.

b) Sie essen dreimal am Tag (!) Inschara. Das ist ein ca. 50cm im Durchmesser messender kalter Pfannkuchen mit leicht säuerlichem Geschmack und der Konsistenz von eingeweichtem Brot.
Dieses Inschara wird mit verschiedenen Saucen gereicht, in die man die mit der Hand abgerissenen Inschara- Stücke taucht oder damit Beilagen aufnimmt und in den Mund steckt. An Saucen gibt es in den Geschmacksrichtungen Tomaten- Paprika, Linsen, Rote Rüben, Erbsen- Paprika und Kohl.
Wenn man dann auch noch bedenkt, dass Äthiopien das am bedrohlichst abgeholzteste Land ist und die Äthiopier 3x am Tag ein Feuerchen machen ‚müssen’, da ihnen absolut nichts Ungekochtes ‚runterkommt’ mag man sie nicht mehr wirklich ernst nehmen …

c) In Restaurants gibt es neben Fleisch, Inschara noch Reis mit Gemüsespuren und Spaghetti mit Gemüsespuren. Der Reis ist ‚natürlich’ weiß und die bzw. meine Spaghetti zu weich.

d) Von dem Irrglauben, dass Vollreifes krank macht, hab ich ja schon berichtet. Jetzt hab ich auch noch die Erklärung dafür bekommen, warum man zu diesen herrlichen Frucht- smoothies Limonen dazubekommt. Sie glauben, der Limonensaft, den man über den smoothie träufelt, würde alle Keime abtöten …

e) Auf Märkten und in Geschäften gesehen habe ich an für mich Essbarem: Bananen, Orangen, Limonen, Mangos, Papaya, Äpfel (seit neuestem), Zuckerrohr, Salat, Kohl, Süßkartoffel (Kartoffeln gibt es natürlich auch), Rote Rüben, Zwiebel, Knoblauch, Paprika, Tomaten, Karotten (sehr süß), Mangold, Avokados, Erdnüsse, Kichererbsen (getrocknet), Leinsamen, Sesam, Koriander, Ingwer

Also summa sumarum könnte man sich hier recht gut ernähren, bloß die Äthiopier tun das nicht 😉

 


Gesund in Äthiopien

21. Februar 2011

(Reisebericht Äthiopien)

Dass es hier ein relativ paradiesisches Früchte- Angebot gibt, hab ich ja schon geschrieben. Auch dass die Äthiopier 3x am Tag Gekochtes essen.
Doch es gibt auch viele Aspekte, warum sie dennoch relativ gesund sind.
– Sie essen zwischendurch doch auch Obst
– Sie essen ihr Fleisch großteils roh
– Kaum jemand raucht
– Sie trinken sehr wenig Alkohol
– Kaum Zucker und Süßigkeiten; leider steigt der Zuckerkonsum mit fortschreitender Entwicklung
– Sie haben 2 Fasttage pro Woche (Mittwoch und Freitag) an denen sie sich faktisch vegan ernähren
– Sie haben ca. 4 Monate Fastenzeit im Jahr (eine längere Vor- Oster- Fastenzeit als wir + Adventzeit + div.) die eingehalten wird und vegan ist
– Sie bewegen sich doch noch weitaus mehr als wir (mangels Autos und öffentlichen Verkehrsmitteln und Maschinen)
– Die dünne Luft (2400m Seehöhe) tut ihr übriges

 


Markttag in Äthiopien

3. Februar 2011

(Reisebericht Äthiopien)

Ich komm aus dem „Augenreiben“ kaum raus. Alles, was man bei uns für undenkbar hält, gibt es hier. Ja, ist sogar praktisch Alltag.
Dafür scheine ich etwas „Undenkbares“ bis Besonderes zu sein, so wie die Menschen gucken und die Kinder mich abtatschen 😉
Witzig auch, wie so jeder seine Programmierungen und Vorlieben hat. Reife, dunkelrote Tomaten werden in den offenen Kanal geworfen, während die Kunden beim Auswählen der unreifen, gelben bis grünen Tomaten auf kleinste – für mich völlig irrelevante – Pünktchen achten.
Ähnlich strange das Papaya- Einkaufen. Der Verkäufer spielt sich „endlos“ rum, die „richtige“ Frucht auszusuchen. Aber nicht vielleicht die – nach Kundenwunsch – reifste bzw. gelbste, sondern die, die genau 1 kg hat 🙂
Aber ich komm dennoch gut zurecht. Die Mangos sind herrlich, ein erster Zubereitungsversuch von geraffelten Roten Rüben mit Karotten und Orangen- und Limonensaft schmeckte ganz wunderbar und eine Schichte „Leinsamen- Pudding“ (aus Wasser, Leinsamen, Zwiebel, Tomaten und Salz) wartet bereits in der Äthiopischen Sonne, um zu Crackern zu werden.
Doch auch das einheimische Inschara – ist ein Riesenpfannkuchen aus Wasser und einem speziellen Getreide – „musste“ ich kosten. Es wird hier praktisch 3x am Tag gegessen, indem man sich ein Stück abreisst und damit eine der Beilagen(-Soßen) aufnimmt.
Soviel für heute! Bussi nach Hause!