Motten umschwirren mich …

15. Oktober 2015

MotteEs war zu Zeiten der Tschernobyl- Katastrophe, als ich beim Anlegen von alten, noch unverstrahlten Getreidevorräten erstmals Bekanntschaft mit der Hausmotte machte.
Trotz des Schadens den sie anrichteten, konnte ich mich einer gewissen Bewunderung nicht erwehren. Ihre Raupen fraßen nämlich aus den Getreidekörnern, selbst unter dem Mikroskop betrachtet, so punktgenau nur den Keim heraus, dass ich nur staunen konnte.

Meine bald folgende neue Küchenausrüstung mit gut schließenden Behältern hielt diese Biester dann in Grenzen, wenn schon nicht ganz fern.

Kürzlich folgte Teil zwei meiner Bewunderung für den Gourmet- Geschmack dieser Tiere.
Ich füllte vor Wochen Reste unterschiedlicher Leinsamenkräckerarten in einen Behälter für den nächstbaldigen Verzehr.
Als ich den nicht sehr dicht schließenden Behälter öffnete sah ich an den winzigen Bröseln, dass mir die Motten wieder einmal zuvorgekommen und ihre Eier da reingelegt hatten.
Ihre Raupen hatten akribisch ausschließlich das Wildkräutergrün einer Crackerart gefressen. Die puren Leinsamencracker und die Kurkuma- Version waren genauso unangetastet geblieben wie der Leinsamen- Sonnenblumen-Kürbiskern- Grundkörper der Wildkräuter- Version.
Wenn ich Wildies- Fan es also noch nicht gewusst hätte: Jetzt war es endgültig klar, was wohl das Beste an dieser Mischung war    😉

 

 

 


Ein Wintergeschenk

15. Januar 2012

Granatäpfel, dieses Symbol Aphrotites, gehören für mich sowohl als Ästhet als auch als Feinschmecker zu den selten wunderbaren Naturgeschenken.
Im Winter, eventuell neben blühenden Barbarazweigen, ein Erlebnis!
Ich kann mich bei ihnen an der äußeren Form mit diesen süßen Krönchen genauso berauschen wie an der edlen Rotfärbung und faszinierenden Schalen- Textur.
Nach dem Öffnen aber, beginnt erst der ‚richtige Rausch‘!
Diese Farben, dieser Glanz dieser vielen, vielen ‚Edelsteinchen‘! Und wie sie alle zusammengeknuddelt in ihren ‚Bettchen‘ liegen, mit weißen Laken zugedeckt bis über die Nasenspitzen … 😉
Doch ich ‚Böser‘ kann da nicht umhin, sie dennoch herauszukitzeln, sie mir nochmal in ihrer auch solitären Pracht anzugucken. Dann aber doch meist – fast zu – schnell zwischen die Lippen zu stecken.
Selbst diese glatt samtige Oberfläche ist nochmal ein Genuss!
Das Zerbeißen oder Zerdrücken im Mund ist zwar bereits ein fast schmerzliches Ende dieser kleinen Wunderdingerchen, aber nichts desto Trotz ein selten geiles Erlebnis! Dieses Aufplatzen, Herumspritzen, dieser Geschmack! Süßlich, säuerlich, prickelnd, fallweise mit einem Hauch Roter Rüben, oft nur moussierend, wenn schon älter nur noch süß. Wunderbar!
Früher hab ich sie nur zwischen Zunge und Gaumen zerdrückt und die Kerne als Ganze geschluckt. Durch die grünen Müslis, die in den Wintermonaten auch fallweise mit Granatapfelkernen bereichert werden und die auch Knurpsiges, wie Buchweizen, Leinsamen, Sonnenblumenkerne, Nüsse und Leinsamen enthalten, hab ich mir angewöhnt auch ihre Kerne noch zu zerbeißen. Sie sind angenehm breiig bis ölig und ich möchte ihren Geschmack nicht mehr missen. Zumal sie wertvolle, natürliche Vitalstoffe (Phytoöstrogene) und in ihrer Gamma-Linolensäure hochwertige Omega-6 Fettsäuren enthalten.

So ein Frühstück mit einem Granatapfel gehört zu meinen heißgeliebten Wintertagsritualen und erinnert mich immer wieder an die leider oft auch vergessene Essensmeditation, mit der man sich eigentlich jede Mahlzeit aufwerten sollte.
Ich wünsche auch Euch noch viele, viele wunderbare Granatapfel- ‚Orgien‘ 😉

PS: Wer schon das Glück hatte, auch die Granatapfel- Sträucher kennenzulernen, wird wohl auch von diesen bezaubert gewesen sein. Die wunderbaren Blüten, die zarten Blätter … Ein seltenes Geschenk, für uns Erdenkinder!

 


Unser tägliches Brot

6. April 2010

Ich gestehe: Ich war brotsüchtig!
Schon meine Mutter erzählte ihren Freundinnen: ‚Wenn unser Willi ein Stück Brot hat und ein paar Ameisen zum Beobachten, hört und sieht man ihn den ganzen Tag nicht‘ 😉

‚Und was ist so schlimm am Brot‘ könntest Du fragen.
Darüber gibt es zahllose Bücher, Untersuchungen und Fallbeispiele. Und nicht zuletzt meine eigenen Erfahrungen.
In unserer ‚paradise your life‘- Ideologie schielen wir ja immer so ein bisschen auf die Primaten und die Natur um ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, was unsere Ur- Ernährung gewesen sein, und wie unser Ur-Verhalten ausgesehen haben, könnte.

Wer isst in der freien Natur (Brot-) Getreide?
Vögel und Nagetiere, aber sicher keine Primaten!
Noch dazu gibt es Getreide in der uns bekannten (Zucht-)Form erst seit einigen tausend Jahren, die für biologische Veränderungen viel zu kurz sind, um sich daran anzupassen.
Zuvor war unser Getreide Grassamen, der erst von uns auf Größe selektiert und gezüchtet wurde.
Wer schon mal Grassamen gekostet hat, weiß, dass es kaum Unattraktiveres gibt und dass das sicher nie unsere Nahrung war.
Dazu kommt, dass durch die Hitze des Backens völlig neue chemische Verbindungen entstehen die für unseren Körper fremd und damit belastend sind, kaum abgebaut werden können, überall im Körper zu finden sind und uns mordsmäßig verschleimen.
Einigermaßen verträglich wird Getreide, wenn es angekeimt, und damit ein Stück zum Gemüse hin weiterentwickelt, wird.
Das ‚Tägliche Brot‘ war zu Jesu Zeiten etwas völlig anderes als heute. Das sogenannte Essener- Brot wird

    a) aus angekeimtem Getreide gemacht und
    b) nur (schonend bei niedirigen Temperaturen) getrocknet und nicht gebacken.

Wirklich ‚artgerechte‘ Rohkost sollte möglichst ohne Brot auskommen, da wir aber alle mit Brot sozialisiert wurden und dieses Satt- und Völlegefühl durch (unnatürlich) dichte Speisen gewohnt sind und liebgewonnen haben, kann man natürlich schon auch rohköstliches Brot zubereiten und in Maßen essen.

Ein sehr einfaches Rezept sind die sogenannten Cracker.
Das Grundrezept besteht aus Leinsamen und etwas weniger als doppelt soviel Wasser. Das ergibt nach einigen Stunden eine Pudding- artige Masse, die man 2- 3mm- dick ausstreichen und unter 45° in der Sonne, in einem Trockner oder Umluft- Backrohr trocknen kann.
Für den Geschmack und die Abwechslung mixe ich jeweils meine Gemüsereste und Presssaft- Trester und mische dieses mit noch anderen Samen, wie Sonnenblumen- oder Kürbiskernen, Mohn, Sesam, Buchweizen oder angekeimtem gequetschtem Getreide zur ‚Puddingmasse‘.
Auch gemixte Zwiebeln und getrocknete Tomaten, fein geschnittener Lauch oder geraffelten Sellerie, hab ich schon probiert mit reinzumischen. Alles sehr lecker und interessant!
Gestern hab ich meine ersten Bärlauch- Cracker gemacht. Anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, aber letztendlich sehr interessant und very powerful!

 

 
So hat die Teigmasse ausgesehen

 

 
hier bereits auf Folien ausgestrichen

nach ein paar Trockenstunden werden sie gewendet, die Folie abgezogen und nachgetrocknet. Fertig!

Das Rezept:
300g Leinsamen
200g Buchweizen
500g Wasser
200g Bärlauch
1 EL Salz
ergibt 5 Backbleche mit 30 Knäckebrot- großen Crackern

 
Und hier noch einige verschiedene Cracker die ich in letzter Zeit gemacht hab:
(v.l.n.r.)Leinsamen ganz, Mais- Leinsamen, Leinsamen- Poree, Karotten-Trester- Leinsamen- Sonnenblumenkerne, Goldleinsamen- Mohn- Sellerie, Leinsamen- Rote Rüben-Trester- Sonnenblumenkerne- Kürbiskerne, Bärlauch- Leinsamen- Buchweizen, Leinsamen- Buchweizen, gemahlener Leinsamen

 

 

 

 

 
PS: Wer sich damit versuchen und selbständig machen will, kann sicherlich gut leben davon, denn m.E. gäbe es bereits genug Interessenten für solche Brote.

 
Ergänzung 2017: Mittlerweile hab ich die oben beschriebenen Cracker sowohl olfaktorisch als auch gesundheitlich weiter verbessert. Ausgelöst durch meine Fermentations- Experimente stoppte ich auch nicht vor dem Crackerteig und ließ ihn vor dem Formen und Dörren einige Tage warm stehen.
Einfach genial, was das für einen herrlichen Duft entwickelt!
Und die Milchsäurebakterien verdauen auch schon etwas vor, was uns Verdauungsarbeit spart.
Unbedingt zur Nachahmung empfohlen!