So lange schon …

16. Januar 2020

… schreibe, schreibe und schreibe ich hier, um Menschen weiterzuhelfen.

– Obwohl ich weiß und oft schon erfahren durfte, dass Lebensweichen häufig ganz anders und gern auch nonverbal gestellt werden. In meinem ‚G’schichten vom PAYOLI‘- Buch gibt es so eine Geschichte.

Oft sind es Erlebnisse, Erzählungen, manchmal nur Blicke oder Bilder, Klänge oder Lieder …
Das Leben ist gar vielfältig, meint es aber immer gut mit uns.

Ich hab die Erfahrung gemacht, dass das Tun, die Stille und die Natur die allerbesten ‚Lehrmeister‘ sind.
Bei Letzteren sind es oft nur Bilder.
Bilder von lachenden Kindern, von steinalten Gesichtern, von knorrigen Bäumen, sprießendem Grün, geschäftig wusselndem Gekrabbel oder Gewinde, von kunstvollen Flügen, Blattformen, Himmelsformationen, Sonnenstrahlen, Mond- und Sternenbildern, von huschenden Schatten oder Wellenspielen.

Ich denke, wer offen und willens ist, kann dieser allgegenwärtigen Fülle so viel entnehmen …
Oder umgekehrt gesagt: Ein Leben reicht nicht aus, um all diese Wunder wahrzunehmen und sie Teil unserer Leben zu machen …
Doch wir bleiben dran. Ok?

 

 

 


Mit der Kraft der Liebe

4. Februar 2016

NovelleHeute einmal ein bisserl Weltliteratur mit absolutem Paradies- Bezug.

Der Inhalt von Goethes ‚Novelle‘ ist schnell erzählt:
Ein für gefährlich gehaltener zahmer Löwe entspringt und soll erschossen werden. Eine Familie will ihn retten.
Hier der, für mich wunderschöne Teil in dem der Löwe mit der Kraft der Liebe gerettet wird. Für heutige Leser vielleicht etwas schwülstig. Da man über diese Art von Liebe aber heute kaum noch etwas hört und liest ‚muss‘ man da durch    😉

Doch wer preist den Ruhm des Herrn, den die Sterne loben von Ewigkeit zu Ewigkeit! Warum seht ihr aber im Fernen umher? Betrachtet hier die Biene! noch spät im Herbst sammelt sie emsig und baut sich ein Haus, winkel- und waagerecht, als Meister und Geselle. Schaut die Ameise da! Sie kennt ihren Weg und verliert ihn nicht, sie baut sich eine Wohnung aus Grashalmen, Erdbröslein und Kiefernadeln, sie baut es in die Höhe und wölbet es zu; aber sie hat umsonst gearbeitet, denn das Pferd stampft und scharrt alles auseinander. Seht hin! Es zertritt ihre Balken und zerstreut ihre Planken, ungeduldig schnaubt es und kann nicht rasten, denn der Herr hat das Roß zum Gesellen des Windes gemacht und zum Gefährten des Sturms, daß es den Mann dahin trage, wohin er will, und die Frau, wohin sie begehrt. Aber im Palmenwald trat er auf, der Löwe, ernsten Schrittes durchzog er die Wüste, dort herrscht er über alles Getier und nichts widersteht ihm. Doch der Mensch weiß ihn zu zähmen, und das grausamste der Geschöpfe hat Ehrfurcht vor dem Ebenbilde Gottes, wonach auch die Engel gemacht sind, die dem Herrn dienen und seinen Dienern. Denn in der Löwengrube scheute sich Daniel nicht; er blieb fest und getrost, und das wilde Brüllen unterbrach nicht seinen frommen Gesang.«

Diese mit dem Ausdruck eines natürlichen Enthusiasmus gehaltene Rede begleitete das Kind hie und da mit anmutigen Tönen; als aber der Vater geendigt hatte, fing es mit reiner Kehle, heller Stimme und geschickten Läufen zu intonieren an, worauf der Vater die Flöte ergriff, im Einklang sich hören ließ, das Kind aber sang:

»Aus den Gruben, hier im Graben
Hör ich des Propheten Sang;
Engel schweben, ihn zu laben,
Wäre da dem Guten bang?
Löw und Löwin, hin und wider,
Schmiegen sich um ihn heran;
Ja, die sanften, frommen Lieder
Habens ihnen angetan!«

Der Vater fuhr fort, die Strophe mit der Flöte zu begleiten; die Mutter trat hie und da als zweite Stimme mit ein.
Eindringlich aber ganz besonders war, daß das Kind die Zeilen der Strophe nunmehr zu anderer Ordnung durcheinander schob und dadurch, wo nicht einen neuen Sinn hervorbrachte, doch das Gefühl in und durch sich selbst aufregend erhöhte.

»Engel schwebten auf und nieder,
Uns in Tönen zu erlaben,
Welch ein himmlischer Gesang!
In den Gruben, in dem Graben
Wäre da dem Kinde bang?
Diese sanften, frommen Lieder
Lassen Unglück nicht heran;
Engel schweben hin und wider,
Und so ist es schon getan.«

Hierauf mit Kraft und Erhebung begannen alle drei:

»Denn der Ewge herrscht auf Erden,
Über Meere herrscht sein Blick;
Löwen sollen Lämmer werden,
Und die Welle schwankt zurück.
Blankes Schwert erstarrt im Hiebe,
Glaub und Hoffnung sind erfüllt;
Wundertätig ist die Liebe,
Die sich im Gebet enthüllt.«

Alles war still, hörte, horchte, und nur erst, als die Töne verhallten, konnte man den Eindruck bemerken und allenfalls beobachten. Alles war wie beschwichtigt, jeder in seiner Art gerührt.