100 Sprachen

15. November 2018

Loris Malaguzzi, der Begründer der wunderbaren Reggio- Pädagogik hat folgendes wunderschöne Wahr- Gedicht verfasst:

    Hundert Sprachen hat ein Kind

    Ein Kind ist aus hundert gemacht,
    hat hundert Sprachen,
    hundert Hände,
    hundert Gedanken,
    hundert Weisen
    zu denken, zu spielen und zu sprechen.

    Hundert,
    immer hundert Arten
    zu hören, zu staunen und zu lieben,
    hundert heitere Arten
    zu singen, zu verstehen,
    hundert Welten frei zu erfinden,
    hundert Welten zu träumen.

    Das Kind hat hundert Sprachen
    und hundert und hundert und hundert.
    Neunundneunzig davon aber
    werden ihm gestohlen,
    weil Schule und die Umwelt
    ihm den Kopf vom Körper trennen.

    Sie bringen ihm bei,
    ohne Hände zu denken,
    ohne Kopf zu schaffen,
    zuzuhören und nicht zu sprechen,
    ohne Vergnügen zu verstehen.
    Zu lieben und zu staunen
    nur an Ostern und Weihnachten.

    Sie sagen ihm,
    dass die Welt bereits entdeckt ist,
    und von hundert Sprachen
    rauben sie dem Kind neunundneunzig.
    Sie sagen ihm, dass
    das Spielen und die Arbeit,
    die Wirklichkeit und die Phantasie,
    die Wissenschaft und die Vorstellungskraft,
    der Himmel und die Erde,
    die Vernunft und der Traum
    Dinge sind, die nicht zusammengehören.

    Sie sagen also,
    dass es die hundert Sprachen nicht gibt.
    Das Kind sagt: „Aber es gibt sie doch!“

Nicht nur Kindern sollte dieses wunderbare Gedicht, sollten diese schönen Überlegungen und Wahrsätze zugute kommen. Auch sollte es uns anregen, nach unserer leider verlorenen und verschütteten Vielfalt zu graben. Die Welt, das Leben, die Schöpfung hält eine so unglaubliche Fülle für uns bereit. Der Blick auf unsere Reduziert- und Vereinfachtheit könnte tatsächlich unsäglich traurig machen.
Feiere das Leben, brich aus aus dieser Trance! Wirf ab die Normalität!
paradise your life!

 

 

 


Schwarze Pädagogik

30. November 2011

Kürzlich war in Wien, durch die Vorfälle am Wilhelminenberg, wieder das Kinder- Missbrauchs- Thema virulent.
Woher kommen, wie entstehen solche oft wahnwitzigen Übergriffe und grottenfalschen bis gemeingefährlichen Denkmodelle?
Wie Paradisianer mittlerweile wissen, hat ALLES eine URSACHE. So auch so schlimme Missbrauchs- und Gewalt- Themen Kindern gegenüber.
Das, im 19. Jahrhundert aufkeimende mechanistische Weltbild fasste zum Beispiel 1857 der Lehrer Tuiskon Ziller für sein Gebiet mit ‚Die Kraft der Kinder muss gebrochen werden, wenn sie nicht zu biegen ist‘ zusammen. Auch befand er, dass Kinder ‚von Natur aus nichts, nur der rohe Stoff, den der Erzieher bearbeitet‘ sind und kam so nur dem Zeitgeist nach, dessen beginnende Industrialisierung nach leicht verfügbarem ‚Menschenmaterial‘ verlangte.
Heute muten solche Irrwege und Meinungen absurd, ja fast unglaublich an, weil man einfach mehr weiß über Entwicklungen, über Verhalten, über Kinder und Menschen.
Unser Mehrwissen bedeutet jedoch nicht, dass wir heute keine Fehler mehr machten!
Im Gegenteil, wir irren noch genauso oft und heftig. Bloß auf anderen Gebieten. Der Irrtumszug ist sozusagen ein Stück weitergefahren und hält nach der Kinder- nun an der Tier- Station. Wenn früher Kinder bloßes ‚Material‘ waren sind das heute für viele noch immer die Tiere. Sie werden unschuldig inhaftiert und ermordet für bloßen Gaumenkitzel.

Sieht man sich einige solche Erkenntniswege genauer an, fällt der immer gleiche Mechanismus auf:

Wir sind immer zu überheblich und halten in unserer Dummheit alles Unbekannte für simpel.

Erst beim Näherkommen begreifen wir oft erst die wunderbare und gigantische Komplexität alles Natürlichen.

Vielleicht könnten wir uns das ‚hinter die Ohren‘ schreiben und erstmal von allem annehmen, dass es unendlich vielfältig, bunt, kompliziert, komplex und wunderbar ist.

Fang vielleicht gleich bei ‚Deinem Nächsten‘ damit an! 😉