Vergewaltigt

6. Juni 2016

Eine Frau wurde vergewaltigt.
Eine schreckliche Tat, eine furchtbare Situation, unendliches Leid.
Ein hochemotionales Thema, dem eine etwas sachlichere, kognitivere Ergänzung nützlich sein könnte, wie ich denke.

Was ist zu tun?

„Furchtbar, Dein Erlebnis! Ich fühl mit Dir“ mit „Solche Verbrecher gehören hinter Schloss und Riegel“ und dann zur Tagesordnung übergehen?

Nein, sicher nicht!
Das ist die Version der schlichten Reflexmenschen, das System das Viktor Frankl Reiz- Reaktions- Modell nannte. Dieses System hatte schon 1000e Aug-um-Aug- Jahre seine Chance und hat sie nicht genutzt. Denn Vergewaltigungen passieren und zerstören noch immer! Gewalt, Verurteilungen und Strafen konnten – in diesem Fall männliche – Gewalt nicht unterbinden, weibliches Leid nicht vermeiden.

Ich schlage vor, zwischen Reiz und Reaktion eine neues kognitives Element zu schalten. Es sollte sich aus zwei Elementen konstruieren:
Pfeil Was könnte dieser missbrauchten Frau persönlich und konkret helfen?
Pfeil Welche Maßnahmen könnten derartige Übergriffe in Zukunft verhindern?

Zur konkreten Soforthilfe:
redball Falls nötig, medizinische Versorgung

redball Empathisches Mit-ihr-sein in dem Maße, wie sie es wünscht/ braucht. Das ist unsere natürliche und einfachste ‚Spiegelneuronen- Reaktion‘ und auch logisch gerechtfertigt. Denn niemand unserer Mitwesen soll im Gefüge von Sozialwesen, die wir sind, leiden!

Leider wird in unserem Alltag dieses Sozialgefühl bereits heftig mit Füßen getreten und damit Schritt um Schritt abgebaut, durch
– das Töten von Tieren für läppische Gaumenkitzel,
– Abschieben von Kindern und Alten,
– Druck an Arbeitsplätzen,
– Abstumpfung durch Filme und Medien,
– Gefühlskälte gegenüber Hungernden und Flüchtenden,
– ja sogar das Blindsein gegenüber unserer Mitverursachung an Hunger-, Kriegs- und Flüchtlings- Phänomenen.

Damit geht es bereits ins zweite Element; ‚wodurch könnten Vorfälle gegen unsere Sozialnatur künftig verhindert werden‘.

Ich stelle zur Diskussion:
redball Neusensibilisierung der ganzen Gesellschaft für das Leid anderer (siehe o.g. Beispiele)
redball Die Weitung der Reiz- Reaktions- Sicht:

      redball JEDE Handlung, jedes ‚Missverständnis‘ hat eine URSACHE, die gesehen werden muss und will
      redball ALLE Beteiligten einer Eskalation haben zu ihr BEIGETRAGEN
      redball das gesellschaftliche System, die kulturelle Ausrichtung ist im Problemfall IMMER ‚Mittäter‘

redball Beispiele für Neuansätze:
      redball Enttabuisierung unserer Geschlechtlichkeit. Die Überhöhung von Vagina und Penis gegenüber anderen Körperteilen beruht auf rein willkürlicher Sozialisation. – Und schafft erst die Missbrauchsfälle, ist Teil der seelischen Verletzungen.
Selbst in dieser derzeitigen Tabu- Gesellschaft sollten und können solche Überlegungen persönlich und individuell – frei nach Joki Kirschner – in guten Zeiten durchdacht werden, ‚um sie zu haben, wenn man sie braucht‘.
Beispiele wie sehr der Schmerz, das Leid, die Angst ausschließlich ‚im Kopf‘ sitzen finden sich in anderen Kulturen (J. Liedloff’s Yequana) und salutogenetisch gelungenen Beispielen auch in dieser Gesellschaft (V. Frankl) zuhauf. Jedermensch ist es möglich diese zu erlernen!
Moral hin, Gerechtigkeit her, mensch kann’s nun einmal drehen wie er will: Je heftiger er auf einer, auf seiner Position beharrt, desto mehr Reibung wird er erzeugen. Hält er diese locker aus, soll er sich gerne behaupten. Geht das über seine Kräfte, zerbricht er daran, war er ein Dummkopf.
Es ist nicht so, dass Juristen, Therapeuten, Ärzte ausschließlich die großen Helfer sind. Sie leben davon bis reiben sich erfreut die Hände über Menschen, die noch nicht gelernt haben, im Wildwasser des Lebens, federgleich angepasst zu schwimmen. Sie ‚helfen‘ denen die meinen, diesem mächtigen Strom ihre persönliches Maröttchen entgegenstellen zu müssen.

      redball Auch Vergewaltiger sind Opfer dieser verlogenen Gesellschaft, in der die mögliche Kanalisierung männlicher Potenz vorgegaukelt wird! Männliche Sexualkraft ist Teil des Lebens, sicherte uns Jahrmillionen das Überleben. Jede Frau sollte gelernt haben, WIE mächtig und drängend sie für Männer und wie heftig sie für Frauen und völlig ungeeignet für ‚Spielchen‘, ‚Experimente‘, ‚Gedankenlosigkeiten‘ oder ‚Erpressungen‘ sie sein kann.

      redball Jeder Mann sollte gelernt haben wie frau empfindet, wie sensibel frau ist, was frau verletzt. Pointierte Schulsystem- Kritik: Wann Napoleon seine unsäglichen Schlachten schlug wird gelehrt. Wie das andere Geschlecht ‚tickt‘ wissen selbst viele ‚Erwachsene‘ noch nicht!

      redball Das Leid vergewaltigter Frauen wird nicht nur durch o.g. Sozialisationen verursacht, sondern durch gesellschaftliche Konventionen auch noch weiter ausgedehnt. Behördenwege, Vernehmungen, Therapien, gesellschaftliches Mitleid, religiöse Schuldzuweisungen, etc. verlängern und intensivieren das Leid völlig unnötig, im Namen einer vorgeblichen Gerechtigkeit und falsch verstandener Hilfe.

      redball Das häufig gepflogene, weibliche ‚Kindchenschema- Spiel‘ verschafft frau viele Vorteile, hat aber auch seinen Preis und frau geschwächt. Aus Tierbeobachtungen ist bekannt, dass natürlich wehrhafte Weibchen kaum zu vergewaltigen sind.

      redball Die Macht unserer Gedanken ist leider noch weitestgehend unbekannt. Gedanken und Sprache schaffen Wirklichkeiten. Deshalb ist es zwar zu begrüßen wenn solche Themen in die Öffentlichkeit gebracht werden. Nicht jedoch destruktiv, mit Details und Gräueln, sondern in Form diskutierbarer konstruktiver, positiver Beiträge.

Unabhängig davon, wie brauchbar oder dumm meine obigen Gedanken vielleicht sind:
Für mich bleiben die Fragen:

Pfeil Wollen wir wirklich Gesellschaftskonventionen beibehalten, die soviele Menschen verletzt, gedemütigt, unbefriedigt und frustriert zurücklässt?
Pfeil Wollen wir tatsächlich unnötiges Leid auch noch aus Geschäftsinteressen und falsch verstandener Hilfestellung ausweiten?
Oder schaffen wir den Sprung in ein naturrichtiges, natürliches System?

 

 

 


Langsam reichts!

9. November 2011

Man kann schon mal jemandem aus der Patsche helfen. Steuerzahler können schon mal eine Bank retten. Man kann schon mal jemanden über seinen Liebeskummer oder seinen Arbeitsfrust hinwegtrösten.
Doch danach ist Neustarten, Umdenken, Neuorientieren bei den Beholfenen gefragt!
Im Wiederholungsfall aber, darf schon mal auch die Ursache anderswo, als beim ‚In-die-Patsche-Geratenen‘ gesucht werden.

Ein Training für Vorstellungsgespräche zum Beispiek mag für einen Arbeitslosen schon mal hilfreich sein. Dennoch sollte es nicht darüber hinwegschwindeln, dass nicht der Arbeitslose, sondern die veränderten Arbeits- und Wirtschafts- Strukturen die Ursache seiner Arbeitslosigkeit sind. Was früher 100 Menschen herstellten macht heute eine Maschine (oder wurde in Billigländer ausgelagert). Doch die Wertschöpfung dieser Maschine geht treffsicher an den 100 Freigesetzten vorbei! Da helfen auch noch so viele Vorstellungstrainings nichts; die Arbeitsplätze werden einfach weniger.

Noch ein Beispiel: Das Reiz- Reaktions- Modell ist jedem Mental- und Gesundheitstrainer, jedem Arzt und Psychologen ein Begriff und besagt nichts anderes als dass wir Menschen eben auf auftretende Reize reagieren.

REIZ         REAKTION

Zum Beispiel bei Stress mit (Adrenalinausschüttung und) Kampf- oder Flucht- Reaktion.
Viktor Frankl hat das widerlegt und gemeint der Mensch hat zwischen Reiz und Reaktion seine persönliche Entscheidungsfreiheit ‚geschaltet‘. Kann also mit seinen ‚inneren‘ Kräften und Programmen versuchen Stress zum Beispiel zu verarbeiten.

REIZ         pers. Entscheidung    
    ‚Innere Lösung‘
    REAKTION

So weit, so gut. Auch ich konnte mit der Stärkung und Bewusstmachung dieses ‚Zischeschrittes‘ schon Klienten helfen.
Bloß: Irgendwann muss Schluss sein!
Mensch kann nicht ‚ewig‘ alles weitertragen, alles hinnehmen, alles in sich reinfressen, nicht immer alles mit der ‚Inneren Lösung‘ in Ordnung brimgen!
Nicht immer ist der Mensch die Ursache des Problems.
Ich würde es sogar – ganz paradiesisch – umdrehen und sagen ‚Der Mensch, seine Bedürfnisse, seine Wünsche, seine Reaktionen sind immer ok!‘
All unser Sein, unsere Eigenschaften wurden seit Jahrmillionen entwickelt und optimiert, hatten immer Gültigkeit und waren uns immer dienlich. Sie werden seit Urzeiten von Generation zu Generation weitergegeben, wie eine garantiert immer funktionierende Verhaltens- Anleitung.

Wenn das nun aber nicht funktioniert, kann man schon auch an sich mal ein Schräubchen drehen. Es ist ja auch spannend und lehrreich, sich zu verändern, sich anzupassen, zu sehen, was man noch so alles auf die Reihe kriegt.
Doch irgendwann muss Schluss sein!

Unser Nicht- Funktionieren hat eine – und das ist die Haupt- – Ursache: Die zivilisationsveränderte Umwelt, die kulturveränderten Bedingungen.

Wir müssen, um beim letzten Beispiel zu bleiben, nicht jeden Stress selber in uns neutralisieren! Wir ‚dürfen‘ auch mal fragen, ob ‚die‘ nicht alle schon verrückt geworden sind, was die den Menschen noch alles zumuten. Wir dürfen die Ursache auch mal im Außen suchen und nachbessern.
Der Arbeitslose kann sich schon mal verändern und umschulen, aber wenn das ‚Hase und Igel- Spiel‘ zu weit getrieben wird, ‚darf‘ er schon auch seine Politiker und Ex- Arbeitsgeben fragen wo eigentlich sein Anteil an der Maschinenwertschöpfung bleibt.

Es wäre also ganz nett wenn folgendes Reiz- Reaktions- Modell in die einschlägige Literatur eingang fände:

REIZ       INNERE oder ÄUSSERE   
        Lösung
   REAKTION

Demnächst: Warum wir mit dem alten Reiz- Reaktions- Modell immer unglücklich sein MÜSSEN! Und wie wir da rauskommen …