Die Hand drauf!

9. Juli 2019

Falls die ÖVP bei der nächsten Wahl wieder stimmenstärkste Partei werden sollte, was ich den Wählern in dieser Situation zutraue, wird es eine Glyphosat- Ausnahme- Regelung für die Landwirtschaft geben.

Ein Jungbauer, mit dem ich über dieses Thema sprach meinte im Brustton der Überzeuhgung: ‚Das beste Mittel das wir je hatten. Unmöglich heutzutage ohne dem zu arbeiten!‘
Ich konnte ihm nur erwidern: ‚Frag mal Deinen Vater, wie gut das früher ganz ohne Gift ging! Als ich jung war, waren alle Felder voll mit Leuten die das Unkraut wegharkten. Nur weil Du dafür zu faul bist und meinst ein Recht darauf zu haben die ganze Arbeit in einer Stunde Traktor- Drüberbrausen erledigen zu können, heißt das noch lang nicht, dass es anders nimmer geht!‘

Es ist ja absurd. Diese heutigen Traktormonster werden immer größer und mächtiger, obwohl die Ackerflächen ja nicht mehr wurden.
Wenn ich bedenke, dass genau dieselben Flächen wie heute, vor ein paar Jahrzehnten noch mit diesen kleinen Steyr-, Hanomag-, MAN-, oder andere Traktoren, die heute Liebhaberwert haben und noch immer laufen, bearbeitet wurden und genauso Erträge abwarfen, wird mir fast physisch schlecht.

Damit will ich aber keineswegs die Landwirte verurteilen. Es ist der völlig kranke Zeitgeist, der uns glauben macht, mit ein paar Tastendrücken unser Auskommen, wenn nicht sogar Luxusleben ‚erarbeiten‘ zu können.
Ich hab selber in einer Firma mitgearbeitet, in der die Leute Schreibtisch an Schreibtisch sitzend, miteinander mailten …
Oder so Manager! Die ernsthaft meinen, mit ein paar Gesprächen und Telefonaten pro Tag ‚gearbeitet‘ zu haben …

Ich hab’s schon einige Male hier geschrieben: Wir sollten wirklich hinsehen! Die Augen öffnen!
Wer sich für wirkliche Arbeit zu gut ist, wer sich nicht bewegt, wer nicht anpackt, wer immer nur sein Rasierklingen- schmales Berufsfeld beackert, wer nicht hilfsbereit ist, ist ein Loser.
So sieht’s aus!
Denn tüchtige Leute sind gerne breitbandig, flexibel, können alles, tun alles, packen überall mit an.
Und beschränken sich nicht selber, durch unerklärlich hochbezahltes Spezialistentum.
Denn was heißt den Spezialistentum? Von einem Beistrich alles, vom ganzen Satz aber, gar nix zu verstehen!
Oder!?

Positiv gesagt: Es gibt nichts Geileres,

als herumzugärtnern,
eine schnelle Lösung für die Kinder, Enkel, für den Hasen zusammenzunageln,
etwas zu reparieren,
zwischendurch einen blog- Beitag zu schreiben,
eine Runde mit dem Rad zu fahren,
mit Leuten zu plaudern,
etwas Künstlerisches zu schaffen,
Gesundheits- Tipps und Hilfen geben zu können,
Tiere zu beobachten,
alten Leuten zu helfen,
Herumzuschmusen,
mit Kindern oder Hunden herumzutollen,
durch den Wald zu streifen,
eine Wiese abzunaschen,
und, und, und …
Damit fühlt man sich ‚ganz‘! – Und nicht als eindimmensionaler Spezialist.

In diesem Sinne:

 

 

 


Wohin gehen wir?

4. August 2016

Wie hat sich doch alles geändert! In welch technokratische Richtung haben wir uns aufgemacht!?
Aus welch wunderbaren Paradiesen sind wir aufgebrochen …

Der römische Dichter Ovid schrieb noch in seinen Metamorphosen:
Von sich aus gewährte die Erde
vom Dienste befreit, nicht berührt von der Hacke,
Unverwundet vom Pflug, so gewährte sie jegliche Gabe.
Und die Menschen
zufrieden mit zwanglos gewachsenen Speisen,
sammelten Früchte des Erdbeerbaumes, Erdbeeren der Berge, Kornelkirschen,
von stacheligen Brombeerbüschen die Früchte.
Und die Eicheln, die Jupiters Baum, der breite gespendet:
Ewiger Frühling herrschte, mit lauen und freundlichen Wehen
Fächelten Zephyrdüfte die Blumen, die niemand gesät …

suppanDer wunderbare Joseph Suppan sagt dazu in seinem Buch ‚Berührung und Frucht‘:

Ob wohl Ovid selbst daran geglaubt hat, dass es dieses goldene Zeitalter wirklich gegeben hat? Wer weiß, schließlich war er ein Dichter, einer, der tiefer sehen und hören kann wie gewöhnliche Menschen.
Heute keine 100 Generationen später, da nichts geblieben ist von der großen Stadt Rom außer ein paar Denkmäler und Steine, wo Riesen- Ungetüme, Traktoren genannt, reichlich Diesel- Gestank verbreitend über die Felder donnern, später im Herbst dann Ernte- Panzer in Staublawinen gehüllt das Getreide ernten – brauchen wir mehr denn je Bilder, Visionen, die wir dagegen halten können: Nicht mehr den Bauer, den Landwirt als Vergewaltiger der Mutter Erde, gesellschaftlich autorisiert, von der Allgemeinheit subventioniert, nein Land- Werker brauchen wir wieder, Menschen mit Liebe, Hoch- Achtung und Intuition für das Wachsen und Werden alles Kreatürlichen!
Möge die Zeit wieder kommen, da Mensch und Natur in wahrer Harmonie zusammenwirken …