Über das ‚böse‘ Gute

9. Juni 2014

„Das Gute ist des Besseren Feind“ lautet eine nicht unwahre und kluge Redensart.
Überspitzt könnte man sagen, unsere ganze heutige Kultur und Zivilisation beruht darauf. Denn solange Politiker und Firmen Versprechungen machen, Geldbörsen und Kühlschränke einigermaßen gefüllt sind, interessiert die Menschen eine Weiterentwicklung nicht im Geringsten. Wenn sich jemand bewegt dann nur um etwas billiger zu bekommen, mehr zu bekommen, um hipper, schöner oder reicher zu sein.

Ja, es ist sogar so – siehe obige Redensart – dass wir uns mit dieser (Schein-)Zufriedenheit das Bessere verunmöglichen. In unserem Fall hier: Das Paradies versagen!
Oder wie man mit Brecht – etwas abgewandelt – sagen könnte: ‚Erst kommt das Fressen, dann kommt die Weiterentwicklung‘ 😉

sooo leckerAuch ich höre und lese ständig: ‚Mir gehts doch wunderbar‘, ‚Ich habe mein Wohlfühlgewicht erreicht‘, ‚Mir fehlt’s an nichts‘, ‚Ich fühle mich wohl‘ … ‚Warum sollte ich etwas ändern?‘
Oder wie eine kürzlich eingewanderte Äthiopierin bei Hinweisen auf sich hier schlecht ernährende Übergewichtige, trinkende Verwahrloste, fast food essende Kranke o.Ä. mangels Problembewusstsein zu sagen pflegt: ‚Wieso? Sie leben doch!‘.
– Ja! Fragt sich bloß wie und wie lange noch!          😉

Als sozusagen Fortsetzung des kürzlichen ‚Gnade- Beitrages‘ könnte man auch sagen: Das Leben meint es wirklich gut mit uns. Denn praktisch jedermensch ist immer mit seiner jeweiligen Entwicklungsstufe zufrieden und hält sie für richtig und oft sogar unverzichtbar.
Das ist eine ganz wunderbare Gnade, aber leider ein Relikt aus unseren frühen Ur- bzw. Paradieszeiten.
Damals passte ein solches Verhalten noch!
Alles uns Zugängliche, uns Umgebende, war gut für uns.
Wir konnten uns ‚gedankenlos‘ in diese ‚Hängematte‘ der Angebote fallen lassen.
Schmeckte etwas gut, war es sicher nicht giftig und gut für uns. Machte etwas Spaß, tat es uns gut! Wir konnten Angenehmes tun solange wir wollten …
Es genügte vollauf erst dann ‚weiterzugehen‘, sich ‚Gedanken zu machen‘ wenn wir Lust dazu hatten, auf Neues neugierig waren. Es war einfach paradiesisch! 🙂

Heute ist solch ein Denken leider fatal!
Nur allzuviel ‚Gutes‘ ruiniert uns, unser Glück und unsere Gesundheit langfristig. Wunderbar Süßes oder anders Leckeres ruiniert uns die Zähne, raubt den Kalk aus den Knochen, macht Diabetes und Krebs.
Was Spaß macht ist oft gefährlich bis tötlich oder kostet die Existenz. Wir können längst nicht mehr alles – vermeintlich – Gute genießen.
Hat man ersteinmal Krebs, Diabetes oder Karies ist es vorbei mit lustig!
Deshalb wirkt unkritisches Konsumieren heute genauso fatal wie ein Beharren im zivilisatorischen ‚Wohlfühl- Zustand‘.

Sieht man z.B. in der eigenen oder in fremden Biografien etwas zurück, werden die allermeisten Beharrungen auf Gewohntem, auf Angenehmem, schnell zur Lachnummer, zum Selbstschuss. Ein Kleinkind das nicht und nicht seinen Schnuller weggeben will, schadet genauso sich selber am allermeisten wie ein Halbwüchsiger der partout nichts lernen will oder ein Raucher, der nicht vom Glimmstängel weg will.
Heute ist es leider nicht mehr so, dass alle Angebote für uns passen, dass wir uns ‚gedankenlos‘ in die ‚Hängematte‘ der Angebote fallen lassen könnten.
Wir sind umringt von Profiteuren die uns zwingen ständig zu denken, kritisch bis misstrauisch und auf der Hut zu sein; wir sind sozusagen von Paradies- Verhinderern umringt.

Wie aber, sollten wir nun wissen, was für uns wirklich gut ist? Wir spüren doch, was uns guttut. Die Hochleistungsturnerin trainiert doch gerne, der Nerd vergräbt sich doch gerne in seinen Computer- Programmen, die high heel- Lady genießt doch ihr Shoppen, der Spieler geht doch auf in seinem Spiel, dem Trinker schmecken doch seine Cocktails, die Romantische genießt doch ihre Herz- Schmerz- Filme und Romane, der Einsame findet doch seine Pornos megageil, der Geschäftsmann freut sich doch über das Umsatzplus, usw. usf. …
Wir sind eben flexibel. Wir nehmen problemlos an was uns umgibt, wohinein wir geboren und sozialisiert wurden.

Nur einer ist nicht flexibel!
Unser Körper!
Der goutiert weder Spitzensporttraining, noch Saufgelage, weder tagelange Programmier- Sessions noch Ersatz- Gefühle, weder Ersatzbefriedigung noch hohle Konsumerlebnisse. Er will und braucht genau das, wofür er geschaffen ist, wofür er sich entwickelt hat.
Und genau DAS bekommt er in unserer modernen Welt nicht!

Die gute Nachricht aber ist: Mit genau diesem Werkzeug, dem Denken, das uns all unsere Probleme eingebrockt hat, können wir auch diesen von uns gestalteten Wahnsinn erkennen, daraus lernen und uns unser altes Paradies wieder neu gestalten.
Mit dem Wissen von
paradise your life

 

 

 


Grenzen ziehen

4. Juni 2012

Heute wird von Psychologen und Coaches gerne geraten konsequent seine eigenen Grenzen zu ziehen bzw. deren Respektierung einzufordern.
Als sich auch ein von mir sehr geschätzter Lebensberater kürzlich sehr ausführlich diesem Thema widmete war ich entsetzt.
Ich hatte irgendwie erwartet, dass er ‚bereits weiter‘ wäre.
In meiner ‚Verwirrung‘ möchte ich dieses Thema heute bloß ‚vorstellen‘, werde aber keine Präverenzen geben.

Einerseits ist es natürlich klar, dass man sich abgrenzt gegen Übergriffe von außen und durch andere. Natürlich will man überleben, leben, seine Ruhe haben, seine Integrität bewahrt sehen, nicht verletzt, nicht belästigt werden.
Andererseits sieht man aber an unserer Geschichte und Geografie, dass es nichts dümmeres gibt, als eine ’natürlich gewachsene Kugel‘ mit Grenzlinien zu zerteilen.
Ähnlich könnte es sich auch mit unseren persönlichen Grenzen verhalten.
Sehe wir genau hin, wird schnell klar, dass gerade die Bereiche, in denen wir besonders empfindlich sind, in denen wir leicht verletzbar sind, die wir besonders akribisch abgrenzen, unsere primären Lernaufgaben darstellen.
Hab ich ein Selbstwertproblem, werde ich besonders empfindlich auf Nicht- oder Wenig- Wertschätzungen reagieren. Hab ich ein gestörtes Verhältnis zur Wahrheit, werde ich mich besonders verletzt fühlen, wenn mir jemand nicht glaubt. Und so weiter.
Das heißt aber nichts anderes, als dass gerade unsere ‚empfindlichen Stellen‘ die – für unsere Weiterentwicklung – wichtigen sind. Erst durch sie können wir erkennen, woran wir noch weiterarbeiten könnten.

Nur in allen Bereichen ‚entspannte‘ Menschen sind wirklich geläutert und damit unangreifbar …

Ein Schimpfwort das den einen so sehr in Rage bringen könnte, dass er Schlimmstes tut und im Gefängnis landet, könnte für einen anderen bloß geringfügig bewegte Luft sein.

Um zu unseren Grenzen zurückzukommen:
Wer vehement auf die Einhaltung seiner Grenzen pocht
outet sich einerseits als bei diesem Thema besonders ‚unausgeglichen‘ und
verunmöglicht sich andererseits seine Lernaufgabe und Weiterentwicklung.

Umgekehrt wird natürlich jeder irgendwo seine Grenzen haben. Denn konsequent weitergedacht, müsste man sonst selbst seinen Tod in Kauf nehmen bzw. diesen widerspruchslos annehmen, wenn es jemand darauf anlegt.

Für ‚uns Normalsterbliche‘ wird es also vermutlich bei jedem Thema irgendwo eine Grenze geben. Doch sollten wir sehr wohl oben Gesagtes beachten um nicht von anderen zu verlangen, was wir selber nicht auf die Reihe kriegen …

Ob und wo jedermensch seine Grenze um sich zieht kann nur er selber wissen und bestimmen.