Erleuchtung (2)

12. Dezember 2024

Gestern sprachen wir von unserer verlorenen und für uns verschwundenen Hälfte des Ganzen (Lebens, der ganzen Welt), auf die wir Anspruch hätten und sogar dringend bräuchten. Zur Erleuchtung und Ganzwerdung bräuchten!

Denn Erleuchtung ist nur das Wegziehen eines selbstgewebten Schleiers, das Erinnern an ‚früher‘, das Erkennen des Ganzen, dessen eine Hälfte wir wir uns verdeckt hatten.

Ein bisserl erinnert dieser ganze Wahnsinn an die ‚Sünde‘, die auch erst von den Kirchen, mittels ihrer Ver- und Gebote in die Welt gebracht, erfunden werden ‚musste‘, um uns dann von ihr freisprechen zu können     
Wie bitte, sollte ein Wolf, ein Frosch, ein Busch sich je versündigen können!? Sie alle leben ihre ganzen Leben lang völlig sündenfrei! Ja, diese Sündenlosigkeit erweist sich sogar als nachhaltiger, einfacher und ‚richtiger‘. Denn alle Tiere und Pflanzen tun, was immer sie wollen und sind dennoch noch immer nicht ausgestorben oder haben andere Nachteile dadurch oder sind gar unglücklicher als wir Kasperln …, pardon, als wir Kronen der Schöpfung     

Leg Dich an einem schönen Tag in die Wiese und beobachte den Zug der Wolken. – Seeehr interessant!
Du wirst nämlich merken, dass Wolken aus dem Nichts, aus dem Blau des Himmels, entstehen und sich wieder in ihm auflösen können.
Ebenso ist es mit den Wolkenbewegungen. So eine Wolke ist nicht nur eine fixe Ansammlung von (weißen) Wassertröpfchen die von Winden über den Himmel geschoben wird. Ein Teil ihrer Bewegungen resultiert daraus, dass an ihren Rändern sich neue Tröpfchen bilden und sich andere anderswo wieder auflösen. Die scheinbare (Weiter-)Bewegung dadurch ist klar sicht- und beobachtbar.

Auch wir Menschen verhalten uns nicht anders. Du kennst vielleicht diese extremen Zeitraffer- Videos von Flughäfen oder U- Bahn- Stationen in denen zu rush hours oder Abflugzeiten Menschenmassen wie fließendes Wasser heranbranden, eine Zeitlang herumquirln und wieder verebben.
Könnten wir sozusagen mit einem Gottesblick diese Welt von oben betrachten, würden wir sehen, dass es sich mit unseren Leben genauso verhält. Menschen kommen in diese Welt, wusseln einige Zeit umher und lösen sich wieder auf.

Erkennst Du schon diese Gesetzmäßigkeit?
Auch unsere Körperzellen werden ständig neu gebildet und sterben ab. Alle paar Jahre ist von unserem ‚alten‘ Körper nichts mehr da, ist jede Zelle neu und alles ersetzt.
Ja, selbst auf der nächst kleineren, auf der Molekül- Ebene läuft es nicht anders. Alle Moleküle aus denen unsere Zellen, aus denen wir bestehen, bilden sich ständig um und neu. Auch wenn Dir Dein Körper stabil, fest und materiell erscheint, verhält er sich dennoch wie eine Wolke. Ununterbrochen verlassen uns Teilchen und kommen neue hinzu. Und dennoch wähnen wir uns für die immer selben.

Wer oder was also ist es, das da ‚wir‘ und stabil bleibt? Was ist es, das Krankheiten und Eigenheiten in die völlig neuen Körper mitnimmt!? Hm?     

So! Jetzt nach diesem kleinen ‚Ausflug‘ zurück zur Erleuchtung!
Diese eine Hälfte, die wir so konsequent ausblenden und vergessen haben ist das ‚Nichts‘ und die ‚Stille‘. Richtiger müsste es heißen der (leere) ‚Raum‘ und die ‚Stille‘. Sie sind essenzieller Teil unserer Leben und stehen für Möglichkeiten, Schöpfertum und ‚ewiges Sein‘. Nur Stille und Raum geben uns Möglichkeiten für Neues. Nur in und mit ihnen kann unsere Schöpferkraft sich entfalten. Nur sie zeigen uns unsere bisherigen Illusionen von Tod, Leid und Mangel.

Sie sind der Teil, den wir dringenst brauchen für unsere Ganzheit bzw. Ganzwerdung. Alles bisherige in dieser läppischen ‚Realitäts- Hälfte‘ waren bloß kleine ‚Fingerübungen‘     

Mach Dich groß, mach Dich weit und lebe all dieses konstruktive ‚Nichts‘! Dir muss klar sein, dass Du nur damit ganz bist. Solange Du nicht beliebig lange Nichtdenken kannst, Stille ‚erträgst‘, Dein Nichtwissen akzeptierst, bist Du nicht ganz, ja man könnte sogar sagen, krank.

Dieses – wirklich – Ganze zu sehen und zu leben bzw. in ihm zu verweilen, nennen wir Erleuchtung.

-lichst