Natur und Kultur

Wir bestehen und bewegen uns zwischen den Antipoden ‚Natur‘ und ‚Kultur‘, sind ein Mischwesen aus beidem.
Sieht man sich aber unsere heutigen Leben, unsere Lebensweisen an, bestehen diese aus praktisch nur Kultur.
Wir stellen ganztägig Kulturgut her und wertschätzen überwiegend Kunst, Wissenschaft, Fortschritt, Design, etc.
Ich möchte heute darstellen wie absurd aber diese unsere Realitäts- Verzerrung ist.

Wir sind ca. 175 cm groß, davon hat unser Kopf, unsere Stirn einen Anteil von nur 10 %.
Wir wiegen ca. 75 kg, unser Gehirn keine 1,5 kg.
Unser Lebensraum, die Erde hat einen Durchmesser von 12700 km, unser Wirkanteil, also die höchsten Gebäude, unsere Flughöhen, unsere tiefsten Tauchgänge beschränken sich auf schlappe 16 km.
Wir leben seit ca. 4000 Millionen Jahren Natur pur, unsere ‚letzte kulturelle Jahre‘ messen kurze 100.000 Jahre, also 0,0025 %.
Recht deutlich zeigt auch der Aufbau unseres Gehirns was Sache ist. Der älteste Teil und ‚Kern‘ unseres Gehirns ist das Kleinhirn, das direkt am ‚Verteilungsstrang‘ aller Informationen, am Rückgrad sitzt. Es steuert geschätzte 99% all unserer Lebensfunktionen, wie Atmung, Herzschlag, Reflexe, Hormonsteuerung, Temperatursteuerung, Gefühle, Intuition und vieles, vieles mehr.
Darüber wölbt sich, ich möchte fast sagen aufgeblasen groß, das Großhirn, mit dem wir denken, kreativ, logisch, rational arbeiten.
Die Liebe, zum Beispiel, die so sehr unser Leben bestimmt, ist nur ein winzig kleiner Aufgabenteil des Kleinhirns, obwohl das Großhirn Bibliotheks- Kilometer an Literatur darüber verfasste …

So sieht es mit all unserem Tun aus. Wir ‚kultivieren‘, im Sinne von ‚mickymaus- verbiegen‘, längst Bestehendes und essenziell Wichtiges. Wobei unser Kultivieren aber völlig überschätzt wird. Unser Fokus ist einfach so selbstverliebt auf die Ameise gerichtet, dass wir den Elefanten auf dem sie rumläuft gar nicht sehen.
Ja, noch viel extremer! Wir sehen durch unsere selbstverliebte Fehlfokussierung nicht mehr den Naturanteil, dem wir unser Leben, unsere Gefühle, unser Glück, … praktisch alles verdanken.
Oder umgekehrt, der heutigen Realität noch näher: Wir sehen nicht mehr, wie sehr und wie kriminell wir tagtäglich gegen unsere Natur verstoßen. Deshalb besteht genau besehen der Großteil unseres Lebens im Reparieren unserer Verstöße. Wie sonst wäre es möglich, dass ‚dumme‘ Tiere alles lebenslang Gesunderhaltende und glücklich Machende arbeitsfrei genießen, wir mit unserem Fortschritt aber mehr und länger arbeiten denn je und trotz allen Fortschritts kränker sind denn je!?

Oder nocheinmal anders, als Bild, durchaus dem obigen Bild vergleichbar: Wir stehen auf einem unermesslich riesigem Berg. Doch anstatt uns über seine Größe und die vielen Geschenke zu freuen, ‚wursteln‘ wir ständig verändernd an seiner Oberfläche rum; als würden wir einzelne Steine des Ötschers oder Watzmanns glattpolieren müssen …

 

 

 

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